BEÄNGSTIGEND

Knurrende Hunde verfolgen Frauen durchs Moor

Es muss wie in einem Horrorfilm gewesen sein, als die Herdenschutzhunde von Ingo Stoll zwei Spaziergängerinnen jagten. Doch der Schäfer hat noch ganz andere Probleme.
Solche Hunde beschützen neuerdings die Schafe von Ingo Stoll. Jetzt jagten die weißen Riesen zwei Frauen Angst ein.
Solche Hunde beschützen neuerdings die Schafe von Ingo Stoll. Jetzt jagten die weißen Riesen zwei Frauen Angst ein. Patrick Pleul
Ingo Stoll
Ingo Stoll VDL Berufsschäfer
Wölfe bereiten Schäfern zunehmend Probleme.
Wölfe bereiten Schäfern zunehmend Probleme. Boris Roessler
Stralsund ·

Deutschlands berühmtester Schäfer, Ingo Stoll, ist erneut in die Schlagzeilen geraten. Dieses Mal sorgten seine neuen Herdenschutzhunde für Aufregung. Die großen Tiere waren aus der Schafweide in den Franzburger Hellbergen im Landkreis Vorpommern-Rügen ausgebrochen und hatten zwei Spaziergängerinnen in Angst und Schrecken versetzt.

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„Szenen wie in einem Horrorfilm”, so beschrieb Katharina Dittich aus Franzburg der Ostseezeitung (OZ), was ihr und ihrer Freundin vor ein paar Tagen in den Hellbergen passiert ist. „Wir hatten Todesangst. Es grenzt an ein Wunder, dass wir uns retten konnten“, sagte die Frau der OZ.

Die beiden Frauen waren mit Hund in dem Naherholungsgebiet spazieren. Plötzlich seien zwei große, weiße Hunde aufgetaucht – knurrend und mit gefletschten Zähnen. „Wir sind gerannt, so schnell wir konnten. Wir sind bestimmt eine halbe Stunde gelaufen, gekrochen, über Zäune geklettert und schließlich durch den Morast geschwommen.“ Irgendwie hätten es beide samt Hund völlig erschöpft geschafft, hinter einen Zaun zu kommen. Draufhin hätten die Verfolger von ihnen abgelassen.

Mehr lesen: Sie sollen Nutztiere vor dem Wolf schützen, doch nicht bei diesem, sondern bei Frauen sorgten sie jüngst für Angst und Schrecken. Was können Herdenschutzhunde wirklich leisten und wie gefährlich sind sie?

Ingo Stoll bedauert den Vorfall. Es täte ihm leid, dass sich die Frauen so erschrocken haben, sagte er dem Nordkurier am Montag. Er erklärte aber auch, dass sich die Spaziergängerinnen falsch verhalten hätten. Weglaufen sei genau die falsche Entscheidung gewesen. Stattdessen hätten sie stehen bleiben sollen, um den Jagdtrieb der Hunde nicht zu wecken. Stehen bleiben sei im Übrigen auch bei Begegnungen mit Wölfen die bessere Lösung.

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Kadaver in der Innenstadt

Wegen der Wölfe hatte sich der Berufsschäfer kürzlich die vier Herdenschutzhunde zugelegt. Die speziell ausgebildeten Tiere sollen seine Schafe verteidigen. Zu Monatsbeginn hatte ein Wolf nämlich vier seiner Schafe gerissen und weitere verletzt. Um auf das Problem mit Wölfen aufmerksam zu machen, hatte Ingo Stoll die Kadaver in der Stralsunder Innenstadt Passanten gezeigt und mit der Aktion viel Beachtung gefunden.

+++ Mehr über Wölfe +++

Die Hunde, eine Pyrenäenberghündin und drei Akbashs, haben sich inzwischen eingelebt, berichtete Ingo Stoll am Montag. Seit sechs Tagen seien sie nicht mehr weggelaufen und würden die Herde zuverlässig beschützen. „Das läuft jetzt gut.” Trotzdem seien Herdenschutzhunde keine Lösung.

Um mehr als 1000 Schafe gegen angreifende Wölfe zu verteidigen, benötige er theoretisch mindestens 60 Hunde, nicht nur vier. Er halte seine Schafe in 30 kleinen Herden. Für jede benötige er mindestens zwei Hunde. „Das ist vollkommen unwirtschaftlich. Dann könnte ich gleich alle Schafe abschaffen und nur noch Hunde halten.” Abgesehen davon würden 60 Hunde Spaziergängerinnen sicherlich noch viel mehr Angst einjagen.

Von der Politik fühlt sich Ingo Stoll nach wie vor im Stich gelassen. Bei ihm persönlich hat sich nach seiner Protestaktion kein Politiker gemeldet. Die Situation sei belastend. Er träume nachts schon von zerfetzten Schafen und könne es kaum erwarten, endlich in Rente zu gehen, so der 62-Jährige.

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Kommentare (8)

dass ich wissen muss, wie ich mich bei Begegnung mit fremden Tieren zu verhalten habe.
Dann kann ich ja gleich eine Anleitung mitschleppen oder Lehrgänge mitmachen.
Das Thema lässt sich nur durch gezielte Jagd auf Wölfe lösen.
Das hilft den Schäfern und den Spaziergängern.

Herdenschutzhund und Jagdinstinkt - ein guter Jagdhund hetzt und jagt nicht...
Wären die Hunde korrekt eingewöhnt, würden sie stoppen wo ihr vorgegebenes Territorium endet - am Stromzaun. Durch die im vorherigen Artikel beschrieben Ausbrüche war auch das abzusehen- die Hunde erweitern somit ihr vermeintliches Areal.
Ohne die Flächen zu kennen, ist es schwierig sich zu den 30 kleinen Herden zu äußern. Ebenso frage ich mich, über welche Zäune die Spaziergänger geklettert sind- waren sie davor auf den ausgewiesenen Wegen? Waren die Hunde ausgebüchst?
Der Wolf ist nicht erst seit diesem Jahr zurück - ich Denke Herr Stoll hat sich als Vize Vorsitzender des Landesschaf-und Ziegenzuchtverbandes bereits früher mit dem Thema auseinandergesetzt.
Jetzt auf die Schnelle verzweifelt Mischlinge zu borgen wirkt ehrlich gesagt so, als hätte man eben lange gepokert das eben alles schon noch eine Weile irgendwie gut gehen würde.
Natürlich nur eine Vermutung. Der feste Zaun wenn auch nur 1m - hatte der dann oben eine Stromlitze?
Ehrlich gesagt halte ich Zäune ohne Strom gar nicht für praktikabel - selbst da geht der Wolf bei 90cm rüber. Ist der Zaun nicht versenkt buddelt er sich unter durch- zu dieser Erkenntnis kann man sogar kommen, ohne Wolfsberatung studiert zu haben.
Ich kann verstehen, dass man wenn man seit der Wende als Schäfer tätig ist einen großen Frust beim Thema Wolf haben kann und hoffe, es gibt eine bessere und fachliche Auseinandersetzung mit diesem Thema.
Ebenso sollte beim Thema Bestandsregulierung nicht immer schwarz weiß mäßig gedacht werden, jeder Wolf vor der Flinte wird direkt abgeknallt.
Es ist noch ein langer Weg.

„Szenen wie in einem Horrorfilm” Was für eine Aufmachung! Worin gipfelt denn das kommende mit diesem Problemschäfer?
Doch zum Thema zurück, also seine geborgten HSH sind wohl nicht wirklich fit, oder überstrapaziert bei soviel kleinen Herden? Frage wäre, wie nah muss man weidenen Tieren kommen? Den Versuch bei einer Herde Mutterkühe mit Kälbern? Ohh das könnte übel werden.
Wolf hin - Schäfer her - aber irgendwie passt hier was ganz u. garnicht. Ich wäre dafür diesen Betrieb nunmehr genauer mal zu beobachten u.a. einzuschätzen ob das noch alles so im Rahmen ist, länger vertretbar sowohle zum Wohle Mensch u. Tierhaltung bzw. Abwehr von Raubtieren.

Bei der vorgestellten Gattung der Hunde, muss einem Auffallen das sie eher warnten als beissen wollten.
Wären die wirklich so fit gewesen als HSH, hätten sie die Damen umzingelt u. bellend gestellt. Den Artgenossen hätten sie zwar gesehen, aber solange der Gechillt bleibt, glaube ich einfach nicht das die beiden bewusst Spaziergänger "Jagen".
Und solche Hunde haben große Leftzen die so schöön hochklappen wenn sie im schnellen Lauf sind. Ja da kann man ein schönes Gebiss sehen, aber die hiesige Darstellung ist ein Aufmacher sonder gleichen.
Schema BILDirWas - Irgendwer hat irgendwas zu Hackfleisch verarbeitet - BILDdirWas sprach mit der Bulette...

Traurig, diese Ahnungslosigkeit als Schäfer, wenn es stimmt was Hokuspokus da schreibt.
Von einem Verbandsfunktionär sollte man da mehr erwarten.
Hört sich nach klassischen Anfängerfehlern an, die natürlich Auswirkungen haben. Zum Glück ist den Frauen nichts passiert, daß hätte wieder viel Wirbel verursacht.
Tja, ob es unbedingt Akbash sein müssen?
Und das, wenn man anscheinend null Ahnung hat?
Und dann auch noch Mischlinge?
Zum Scheitern verurteilt, hoffentlich gab es da keine Förderung.
Übrigens Herr Stolz: Ein sauber geprägter HSH, verläßt seine Herde nicht!!!

Das wage ich jetzt mal einfach zu bezweifeln, dann die Hunde einen halbe Stunde hinter den Frauen hergerannt und dabei geknurrt haben. Vielleicht sehen die Damen - oder auch die Journalistin - einfach zu viele Horrorfilem?
Und dieser Schäfer ist ein echter Fachmann. In Anatolien, wo der Akbash herkommt, bewachen 4-5 Hunde Herden mit mehreren tausend Schafen und Ziegen, und das sehr effektiv. Er braucht 60 für 1.000 Schafe. Ein wahrer Fachmann, dem man vermutlich besser seine Tiere wegnimmt.

In Anatolien bewachen nicht nur 4-5 Hunde mehrere tausend Schafe. Es sei denn mehrere bewaffnete Schafhirten bewachen gleichzeitig und rund um die Uhr zusätzlich die Schafe. Deutsche Herdenschutzexperten empfehlen einen Hund auf 50 Schafe. Weniger wie drei, sollen es nie sein. Dieser Schlüssel wurde aus den Ländern übernommen, die schon immer mit Wölfen und HSH leben (z.B. Anatolien). Wenn der Druck durch Wölfe überdurchschnittlich wird, sollten die Anzahl der HSH deutlich erhöht werden, damit die Hunde nicht überfordert werden (sagt der Knut Kucznik).
Eine Hand voll Hunde kann nicht eine Herde von ein paar tausend Schafe überblicken/überwachen/verteidigen, oder ein Rudel Wölfe davon abhalten die Herde zu "zersprengen" und so einzelne Schafe abzutrennen.

Ingo Stoll hat vorgerechnet, das er für seine 30 Herden 60 Hunde Braucht (2 Hunde pro Herde). Nicht für 1000 Schafe 60 Hunde. Der kann nämlich rechnen und weiß auch was die ihm kosten. Nämlich fast genausoviel, wie ihm die zu schützenden Schafe einbrigen. Außerdem hat er deutlich mehr wie 1000 Schafe zu versorgen. Deshalb hat er die auf so viele Herden im ganzen Landkreis verteilen müssen.

Es ist schön, dass sich dieser Schäfer auf den Ruhestand freut. Vielleicht sollte er mal über den Vorruhestand nachdenken. Wölfe stehen zu recht unter Naturschutz und lebten schon in Europa, bevor der Mensch die Schafzucht erfand. Ihnen wurde als Nahrungskonkurrenten der Lebensraum genommen und sie wurden auf grausamste Weise vom Menschen ausgerottet. Wenn Leute vom Schlage des Herrn Stoll etwas zu sagen hätten, würden die wenigen Wölfe, die mittlerweile wieder in Deutschland leben, erneut gnadenlos umgebracht werden. Schäfer werden im übrigen entschädigt, wenn mal ein Schaf gerissen wird. Aber gejammert wird trotzdem.

"„Wir sind gerannt, so schnell wir konnten. Wir sind bestimmt eine halbe Stunde gelaufen, gekrochen, über Zäune geklettert und schließlich durch den Morast geschwommen.“ Irgendwie hätten es beide samt Hund völlig erschöpft geschafft, hinter einen Zaun zu kommen. Draufhin hätten die Verfolger von ihnen abgelassen."

Irre, was die Frauen da geleiset haben. Bei Usain Bolt und Tyson Gay hätte man in dem Fall eine zusätzliche Doping-Kontrolle angeordnet.

"Gelaufen, gekrochen, über Zäune geklettert und schließlich durch den Morast geschwommen" - Könnte man die Hunde ersatzweise vielleicht als Motivatoren zur Rekruten-Ausbildung bei der Bundeswehr einsetzen, wenn der Herr Stoll in die wohlverdiente Rente geht? Oder sie trainieren demnächst leidensfähige Bewerber für den nächsten Matschathlon. Denn beißen tun die beiden Hunde ja offensichtlich nicht; die machen wohl nur ein bisschen Spaß (und sind dabei auch noch langsamer als zwei Frauen).

So langsam wird die ganze Geschichte mit ihren immer skurrileren Fortsetzungen zur Posse und erreicht fast den Unterhaltungswert des "Chopper"-Gespenstes in der Zahnarztpraxis in Neutraubling.