BESTATTUNGEN

Kommission diskutiert Aufhebung des Friedhofzwangs

Sollte man eine Urne zu Hause im Bücherregal aufbewahren dürfen? In Mecklenburg-Vorpommern streitet eine Expertenkommission über die Liberalisierung der Bestattungskultur.
dpa
Linken-Politikerin Eva-Maria Kröger wünscht sich mehr Freiheiten bei der Wahl des Bestattungsorts.
Linken-Politikerin Eva-Maria Kröger wünscht sich mehr Freiheiten bei der Wahl des Bestattungsorts. Nicolas Armer
Schwerin.

Die Expertenkommission des Landtags zur Bestattungskultur steht einer Lockerung oder gar Aufhebung des Friedhofszwangs in Mecklenburg-Vorpommern mehrheitlich skeptisch gegenüber. Das geht aus Berichten von Teilnehmern eines Treffens der Kommission am Montag im Schweriner Landtag hervor.

Der CDU-Vertreter in dem Gremium, der Abgeordnete Sebastian Ehlers, sagte, der Vertreter des Bestattungsvereins Aeternitas habe ein sehr engagiertes Referat für die Aufhebung der Friedhofspflicht gehalten. Aber: „Weder die von Aeternitas beauftragten Umfrageergebnisse noch die doch sehr weitgehenden verfassungsrechtlichen Auslegungen konnten die Kommissionsmitglieder heute überzeugen.”

Linke für private Urnenbestattung

Das mehrheitliche Meinungsbild der Sitzung bestätige die Position der CDU-Fraktion: „Die Urne darf nicht zum Umzugsgut werden, eine Aufhebung der Friedhofspflicht lehnen wir deshalb ab.”

Die Vertreterin der Linken in dem Gremium, Eva-Maria Kröger, bleibt trotzdem bei ihrer Position für mehr Freiheiten bei der Wahl des Bestattungsorts: „Im Ergebnis dieser ersten Debatte stehe ich einer Liberalisierung des Friedhofszwangs nach wie vor aufgeschlossen gegenüber.” Umfragen und zahlreiche Zuschriften an die Expertenkommission seien ein Beleg dafür, dass immer mehr Menschen über ihre letzte Ruhe selbstbestimmt entscheiden wollten.

AfD spricht von „ausufernder Liberalisierung”

„Ich kann mir daher gut vorstellen, dass es neben den bestehenden Bestattungsmöglichkeiten zukünftig in Mecklenburg-Vorpommern auch die Möglichkeit geben kann, die Urne auf privaten Grundstücken zu bestatten oder zumindest befristet in der Häuslichkeit aufzubewahren”, sagte Kröger.

Die AfD wiederum ist gegen größere Änderungen am Althergebrachten. Der Abgeordnete Jens-Holger Schneider sagte: „Die Aufbewahrung der Asche des Verstorbenen im Bücherregal, die Kompostierung des Toten im Garten oder das Pressen zu einem Diamanten – diese Beispiele einer ausufernden Liberalisierung sind nach unserer Auffassung keine Formen einer ordnungsgemäßen und würdevollen Beisetzung.” Die Totenruhe sei am besten auf Friedhöfen und in Friedwäldern gewährleistet. Kröger zufolge wird sich die Kommission voraussichtlich im September auf möglichen Änderungen am Bestattungsgesetz verständigen.

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