KLEIDERORDNUNG AN SCHULEN

Kommt das Jogginghosen-Verbot auch im Nordosten?

Eine Realschule im nordrhein-westfälischen Bad Oeynhausen hat Jogginghosen aus dem Schulalltag verbannt. Könnte das auch Schülern in MV und Brandenburg passieren?
Carina Göls Carina Göls
Peinlich oder hip? In Jogginghosen den ganzen Tag. In einigen Schulen ist es verboten, in der „Jogge” zum Unterricht zu kommen.
Peinlich oder hip? In Jogginghosen den ganzen Tag. In einigen Schulen ist es verboten, in der „Jogge” zum Unterricht zu kommen. Jan-Philipp Strobel
Schwerin.

Eine Realschule im nordrhein-westfälischen Bad Oeynhausen hat Jogginghosen aus dem Schulalltag verbannt. Während der Schulzeit soll der Freizeitlook dort passé sein. Grund: Mehrere Schüler seien immer wieder in grauen Schlabberhosen zum Unterricht gekommen. „Das sah aus wie frisch vom Sofa”, meinte die Schulleitung und beschloss in der Schulkonferenz aus Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern ein Jogginghosen-Verbot. Die Schule bereite ihre rund 500 Schüler auf das Berufsleben vor. Da sei ein „Couchpotato-Look” nicht angebracht, auch wenn das gerade im gesellschaftlichen Trend liege.

Doch reicht das, um quasi zu beeinflussen, wie junge Leute sich kleiden sollen? Jüngst waren es die Hotpants, die diskutiert und wurden und in mancher Schule auf den Index kamen. Denn zu sexy sei im Unterricht und auf dem Schulhof nicht angebracht. Was denn nun? Schick machen und den eigenen Stil prägen oder Gleichmacherei betreiben? Dabei gehen die Meinungen selbst bei jungen Leuten auseinander und reichen mit Blick auf das aus dem Sport kommenden Beinkleid von bequem und hip bis hin zu einfach nur stil-kulturlos und peinlich.

Vorbild für die Schlabberhose sind für viele junge Leute beispielsweise Rapper, die diese Teile populär gemacht haben. „Das ist doch cool, Klamotten wie die zu tragen und bequem sind sie auch”, meinte ein 15-Jähriger aus Neubrandenburg. Mit Respektlosigkeit oder in den Tag-Hinein-Leben habe das nichts zu tun. Andere finden es „einfach nur ätzend”, vor allem, wenn die „Jogge” durch die ganze Woche getragen und anscheinend auch am Abend auf dem Sofa nicht ausgezogen wird.

Diskussion um Schuluniform

Rasch taucht auch die Diskussion um eine Schuluniform wieder auf. Diese habe mehrere Vorteile, meinen Verfechter der Einheitskleidung. Die sorge nicht nur für eine Wir-Gefühl, sondern würde auch dem Markenzwang Paroli bieten und die Kluft zwischen arm und reich zumindest optisch aufheben.

In Bad Oeynhausen hat übrigens jeder Schüler drei Verwarnungen frei. Wer zum vierten Mal mit der „Jogge” zum Unterricht erscheint, der werde zum Umziehen nach Hause geschickt. Laut NRW-Schulministerium erlaubt das Schulgesetz den Schulen, Regelungen zur Bekleidung zu erlassen.

Keine Regelung in MV und Brandenburg

Freie Hand im Ver- oder Gebot haben offenbar auch Schulen in MV. „Von Seiten des Bildungsministeriums gibt es keine Bekleidungsvorschriften”, heißt es aus dem Bildungsministerium der Landesregierung.

In Brandenburg ist die Sache klar geregelt. „Bekleidungsvorschriften können nicht rechtlich angeordnet werden, auch nicht durch Beschluss der Schulkonferenz, da hier das Persönlichkeitsrecht der Schülerinnen und Schüler entgegensteht. Zum rechtlichen sicheren Ermöglichen einer Bekleidungsvorschrift bedürfte es eines Parlamentsgesetzes”, macht das Bildungsministerium klar.

Schulen können den Schlabberlook nicht wirklich verbieten, denn für Schüler gilt das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. „Rechtlich haben sie fast keine Möglichkeit, nur wenn der Schulfrieden gestört oder Unterricht unmöglich gemacht wird oder es gegen die Sitten geht”, heißt es vom Verband Bildung und Erziehung in Berlin.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Schwerin

zur Homepage