VERBAND VERTEIDIGT SICH

Kopfschütteln über Awo-Kita auf Mallorca

Dass ein Awo-Kreisverband aus MV offenbar seit Jahren still und leise eine Kita auf der spanischen Ferieninsel betreibt, sorgt selbst beim Awo-Bundesverband für Kopfschütteln.
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Andreas Becker Andreas Becker
Was hat ein Awo-Kreisverband aus MV auf Mallorca zu suchen?
Was hat ein Awo-Kreisverband aus MV auf Mallorca zu suchen? Stephanie Schuster / Archiv
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Schwerin.

Nachdem Anfang der Woche durch einen NDR-Bericht bekannt wurde, dass der Schweriner Awo-Kreisverband eine Kita auf der spanischen Ferieninsel Mallorca betreibt, haben die örtlichen Verantwortlichen auf Verteidigung geschaltet: In der tatsächlich seit zwei Jahren existierenden zweisprachigen Einrichtung in Santa Maria nordöstlich der Hauptstadt Palma würden neben zwei deutschen Pädagoginnen auch zwei einheimische Fachkräfte arbeiten, teilte die Awo Schwerin am Dienstag mit.

Es gibt sogar noch mehr Awo-Kitas im Ausland

Bis zu 28 Kinder in Halb- und Ganztagsplätzen würden von ihnen auf Deutsch und spanisch betreut. Der Awo-Kreisverband reagierte damit auf Kritik an der Einrichtung – und setzte noch einen drauf: Man betreibe auch Kitas in Togo und Gambia.

Auch die Awo-Spitze in Berlin reagierte alarmiert. Von einer Kita auf Mallorca sei dort bisher nichts bekannt gewesen, sagte der Awo-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Es müsse „die Angemessenheit und Sinnhaftigkeit einer solchen Einrichtung“ hinterfragt werden. Zudem müssten die im Zuge der Enthüllungen bekannt gewordenen Reisen von Kreisvorstand und Geschäftsführung nach Mallorca geprüft werden.

„Nicht im Landesinteresse”

Das MV-Sozialministerium reagierte reserviert: Ein solches Projekt liege „nicht im Landesinteresse“ und sei „ungewöhnlich“, hieß es aus dem Ministerium von Stefanie Drese (SPD). Fördergelder seien für das Projekt nicht geflossen.

Der Vorstandsvorsitzende der Awo Schwerin, Bernd Sievers hielt dem entgegen, mit dem Projekt auf Mallorca werde die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe gefördert. Die Jugendarbeitslosigkeit auf Mallorca betrage 50 Prozent. Daher habe die Awo auch 40 Spanier in Schwerin als Erzieher ausgebildet.

Auch Vertreter der Awo Müritz flogen nach Mallorca

Nordkurier-Recherchen zufolge war die Awo Schwerin nicht der einzige Awo-Kreisverband mit Aktivitäten auf Mallorca: Auch Mitglieder des Awo-Kreisverbands Müritz, durch den die gesamte Affäre um Unregelmäßigkeiten bei der Awo nach Enthüllungen des Nordkurier ins Rollen gekommen waren, reisten mindestens drei Mal zu Klausurtagungen nach Spanien. Berichte eines Teilnehmers lassen bezweifeln, dass es bei diesen Reisen nur um Arbeit ging.

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