LOCH BEI TRIBSEES

Kosten für A20-Neubau steigen deutlich

„An der A20 wächst weiter zusammen, was zusammengehört“: Das Verkehrsministerium hateinen neuen Bauabschnitt gestartet. Doch der A20-Krater reißt tiefe Löcher in die Staatskasse.
Am abgesackten Teilstück der Ostsee-Autobahn A20 wurde heute mit der ersten Bohrung der Baustart für die westliche B
Am abgesackten Teilstück der Ostsee-Autobahn A20 wurde heute mit der ersten Bohrung der Baustart für die westliche Brückenhälfte vollzogen. Bernd Wüstneck
Tribsees.

Drei Jahre sind mittlerweile ins Land gezogen, nachdem auf dem Autobahnabschnitt zwischen den Anschlussstellen Tribsees und Bad Sülze wellenartige Setzungen auf den Fahrbahnen festgestellt worden waren. Nun, diese ersten Warnsignale mündeten im Herbst 2017 im Super-Gau, als erstmals eine gesamte Autobahn im Moor versackte. Die damaligen Bilder von der Unglücksstelle gingen um die Welt.

Heute ist zwar ein wenig Land in Sicht, doch wird es noch Jahre dauern, ehe die A20 wieder komplett über das durchnässte Trebeltalmoor rollen wird. „Im laufe des Jahres 2023 – so die aktuellen Planungen – soll das neue Bauwerk dann fertiggestellt sein“, heißt es vorsichtig aus dem Verkehrsministerium in Schwerin. Dort sind die Verantwortlichen aus gutem Grund zurückhaltend – in den vergangenen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, wie komplex die Gründung der Autobahn an dieser Stelle ist.

Komplex und teuer. Am Montag teilte das Ministerium in der Landeshauptstadt mit, dass die Gesamtbaukosten nach aktuellem Stand wohl 180 Millionen Euro betragen werden. Bisher waren die Experten im Ministerium von 150 Millionen Euro ausgegangen. „Doch das war nur eine Grobschätzung“, sagte eine Sprecherin. Erst wenn die Ausschreibungsergebnisse der einzelnen Bauabschnitte vorliegen würde, seien auch die exakten Kosten zu ermitteln“, heißt es.

Verantwortliche Baufirmen müssen nichts zahlen

Mit anderen Worten: Erst wenn der letzte Bauabschnitt abgeschlossen sein wird, stehen auch die wirklichen Gesamtkosten fest. Es wäre nach derzeitigem Stand zweifellos keine Überraschung, wenn das A20-Loch dem Steuerzahler um die 200 Millionen Euro kosten würde. Die für das Autobahn-Desaster verantwortlichen Baufirmen müssen nichts zahlen – ihre Regresspflicht ist mittlerweile abgelaufen. Ganz im Gegenteil, teilweise sind sogar Baufirmen am Neubau beteiligt, die schon vor gut 15 Jahren die A20 an dem betreffenden Abschnitt mit gebaut hatten. Seinerzeit war ein „innovatives Gründungsverfahren“ verwendet worden – das am Ende wohl dazu geführt hatte, dass die verbauten Pfähle im Herbst 2017 wie Strohhalme einknickten.

Am Montag begann der nächste große Abschnitt zur Wiederherstellung der Fahrbahnen am abgesackten Damm bei Tribsees. Dabei handelt es sich um den rund 800 Meter langen Westteil der Richtungsfahrbahn Lübeck. In Anwesenheit von Infrastrukturminister Christian Pegel wurde die erste Bohrung zur Gründung der Betonpfähle für die neue Brücke vorgenommen. „Unserem Ziel, dass der Autobahnverkehr zum Ende des nächsten Jahres an dieser Stelle wieder vierspurig rollt, kommen wir mit dem heutigen Tag ein gutes Stück näher. Ich freue mich darüber, denn wir wollten den Baufortschritt möglichst weit vorangetrieben haben, wenn wir die Großbaustelle Anfang nächsten Jahres in die Zuständigkeit der Autobahngesellschaft des Bundes übergeben”, bilanzierte Minister Pegel.

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Wann kann der Verkehr wieder vierspurig rollen?

Die Kosten für diesen Bauabschnitt in Höhe von knapp 43 Millionen Euro trägt der Bund als Eigentümer der Bundesautobahnen. Seit April 2020 liefen die Vorbereitungsarbeiten. So wurden die Baustraßen auf der Baustelle hergestellt, die notwendig sind, damit sich die schweren Baufahrzeuge und -geräte im Baustellenbereich auf stabilem Untergrund bewegen können. Nunmehr sollen 332 Gründungspfähle mit einer Länge von durchschnittlich 24 Metern hergestellt werden. Ist die Gründung der Brücke fertig, wird mit den Unterbauten und danach mit dem Überbau begonnen.

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„Läuft alles planmäßig, kann voraussichtlich im vierten Quartal 2021 die Fahrbahn auf der gesamten Länge bis zum Anschluss an die bestehende Trasse in Richtung Rostock asphaltiert werden. Sobald die Arbeiten im Rahmen des 2. Bauloses abgeschlossen sind und der Verkehr wieder vierspurig durchs Trebeltal rollt, wird die Behelfsbrücke demontiert. Im Anschluss kann mit der Umsetzung des 3. Bauloses begonnen werden. Dieses umfasst beide südlichen Brückenhälften in Richtung Stettin – vor und hinter der Trebeltalbrücke.

 

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