Den kostenlosen Hort gibt es in Mecklenburg-Vorpommern schon seit zwei Jahren, wenn es nach Bildungsministerin Simone Oldenubr
Den kostenlosen Hort gibt es in Mecklenburg-Vorpommern schon seit zwei Jahren, wenn es nach Bildungsministerin Simone Oldenubrg (Linke) geht. Doch bisher gab es nur für einige Stunden eine Kostenübernahme. Uli Deck
Eltern und Kitas

Kostenloser Ferienhort – Proteste gegen Schwesigs Lieblingsprojekt

Bald beginnen die Ferien – da entwickelt sich ein Streit zum kostenlosen Ferienhort. In den Kitas formiert sich Widerstand gegen das rot-rote Vorhaben.
Schwerin

Ob in den Koalitionsverhandlungen, im Landtag oder in Pressekonferenzen – Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat in den vergangenen Monaten kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um eines ihrer Lieblingsprojekte in der laufenden Legislaturperiode anzupreisen: die Einführung des kostenlosen Ferienhorts.

Doch auf der Zielgeraden des rot-roten Projektes gibt es mächtig Gegenwind – in einer Anhörung im Bildungsausschuss hagelte es von Betroffenen und Beteiligten aus der Praxis Kritik. SPD und Linke aber wollen sich von ihrem Weg nicht abbringen lassen.

Es fehlen Personal und Ressourcen

Stellvertretend für die skeptischen Mahner aus Gewerkschaftskreisen und Kita-Trägern hieß es beispielsweise in einer dem Nordkurier vorliegenden Stellungnahme des Verbandes der kleinen und mittelgroßen Kita-Träger Berlin: „Auf den ersten Blick mag der vorliegende Gesetzentwurf zur Befriedigung von Elternbedürfnissen führen. Hierbei wird jedoch in Gänze durch die Landesregierung außer Acht gelassen, dass eine Umsetzung zum 1. Juli 2022 aufgrund mangelnder personeller und administrativer Ressourcen in den Einrichtungen unrealistisch ist. Sollte die Landesregierung dennoch an ihrem Gesetzentwurf festhalten, wird diese weitere Mehrbelastung bei den Beschäftigten dazu führen, dass abermals qualifizierte Fachkräfte ihr Berufsfeld dauerhaft verlassen werden.“

Vor diesem Hintergrund schüttelte Enrico Schult (AfD), schulpolitischer Sprecher der größten Oppositionspartei im Landtag, den Kopf: „Experten konsultiert man, um von deren Erfahrung aus der Praxis zu profitieren und zu erwartende Fehler zu vermeiden. Dennoch schlägt die Linkskoalition alle Warnungen und Bedenken der Praktiker, den kostenfreien Ferienhort vorschnell einzuführen, in den Wind und will ihr Prestigeprojekt um jeden Preis schnellstmöglich umsetzen.“

Mehr als um Geldgeschenke ginge es nach Einschätzung Schults um verbesserte Strukturen, die Gewinnung und Qualifizierung des Personals und damit um echte Bildungs- statt nur Betreuungsarbeit – also eher um inhaltliche Verbesserungen als Entgeltfreiheit im Sinne linker Politik. Da nur größere Horte das kostenfreie Ferienangebot personell stemmen könnten, drohe langfristig Zentralisierung kleinerer Horte – also sogar eine geringere Versorgung im ländlichen Raum. Dies würde das eigentliche Vorhaben konterkarieren, so der AfD-Politiker aus Demmin.

Parallel forderte die AfD im Zusammenhang mit dem Ferienhort im Haushalt 2022/23 einen Unterstützungsfonds für finanziell stark beanspruchte Familien in Höhe von etwa 500.000 Euro einzurichten.

Seit 2020 ist der Hort teilweise kostenfrei

Simone Oldenburg, Ministerin für Bildung und Kindertagesförderung, wies die Kritik am rot-roten Gesetzesvorhaben am Freitag zurück. „Seit vielen Jahren haben die Eltern bei vielen Trägern bereits die Möglichkeit, ihre Kinder bis zu zehn Stunden täglich in den Ferien betreuen zu lassen. Bis 2020 mussten sie dafür die Kosten tragen. Seit 2020 sind für Eltern sechs Stunden bei einem Ganztagsplatz und drei Stunden bei einem Teilzeitplatz beitragsfrei“, versuchte die Linkspolitikerin, der kontroversen Debatte die Spitze zu nehmen.

Wenn Eltern in den Ferien darüber hinaus zusätzliche Stunden zur Betreuung benötigten, mussten sie diese pro angebrochene Stunde zahlen, ergänzte Oldenburg. Seit Sommer 2020 seien diese Kosten für die Eltern vom Land aus dem MV-Schutzfonds finanziert worden. „So gibt es also bereits seit zwei Jahren diesen komplett gebührenfreien Ferienhort, den über 250 Träger angeboten haben“, betonte die Ministerin.

Schlussfolgerung Oldenburgs: „In diesem Jahr ist gar nichts neu, sondern es wird das gebührenfrei fortgeführt, was bereits die letzten zwei Jahre kostenfrei gewesen ist und darüber hinaus seit etlichen Jahren bereits möglich war – allerdings bis 2020 kostenpflichtig.“

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