Plegereform in MV

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Künftig soll man Pflege auch studieren können

Hilfe im Alltag kostet mitunter Geld. Einen Teil der Kosten können sich Pflegebedürftige aber vom Finanzamt zurückholen.
Hilfe im Alltag kostet mitunter Geld. Einen Teil der Kosten können sich Pflegebedürftige aber vom Finanzamt zurückholen.
Oliver Berg

Deutschland wird immer älter und pflegebedürftiger. Doch wie sieht es in MV mit der Umsetzung des Reformpflegegesetzes aus?

Rund 3 Millionen Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig, das sagt der aktuelle Bericht des Bundesamtes für Statistik. Aufgrund des demografischen Wandels wird diese Zahl in der Zukunft noch zunehmen. Nach Prognosen des „Arbeitgeberverbandes Pflege“ sind 30.000 Stellen in der Pflegebranche unbesetzt. Besonders in der Krankenpflege fehlt es allerorten an Fachkräften.

Schon 2017 hat die Bundesregierung deshalb ein Pflegereformgesetz beschlossen. Das Gesetz wird 2020 in Kraft treten und möchte die Pflegeberufe attraktiver gestalten. Bis dahin müssen die Beschlüsse allerdingsnoch in Landerecht ratifiziert werden. MV-Gesundheitsminister Harry Glawe traf sich daher zur Beratung mit den Leitern der heimischen Pflegeschulen.

Ergebnis des Treffens: Zusätzlich zur bundesweiten Reform wird in MV vorrangig das Pflegestudium ausgebaut. „Das Studium müsse die Absolventen auf das künftig verstärkte Arbeiten in multiprofessionellen Teams vorbereiten“, sagte der Minister.

Pflegeausbildung soll ab 2020 kostenfrei werden

Multiprofessionelles Arbeiten bedeutet die Neuverteilung von Aufgabenbereichen zwischen Pflege und Gesundheitswesen, erklärt Prof. Dr. Oppermann von der Hochschule Neubrandenburg. So solle eine „direktere Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegern möglich werden.” Bislang gibt es kaum Schnittstellen zwischen den beiden Berufstätigkeiten. Am Patienten arbeiten Ärzte und Pfleger bereits zusammen, doch ihre Kompetenzen sind weitesgehend isoliert. In Zukunft müsse „mehr kooperiert und weniger delegiert werden”, sagt Prof. Oppermann.

Die Akademisierung der Pflege ist aber nur ein Ergebnis der Beratungen. Daneben soll die Pflegeausbildung ab 2020 kostenfrei werden, sagt ein Sprecher des Gesundheitsministers. An einigen privaten Pflegeschulen müssen Auszubildende noch immer Schuldgeld zahlen. Die Berufsschule „ecolea“ in Stralsund verlangt etwa 100 Euro pro Ausbildungsmonat. Vor diesem Hintergrund wäre eine Abschaffung der Gebührenstruktur mit Sicherheit eine Erleichterung für die angehenden Pflegekräfte.

Eben diese Befreiung ist aber bereits im Pflegereformgesetz festgeschrieben. Die Ankündigung des Ministers kann also nicht als Neuigkeit gelesen werden. Entsprechend kritisch äußert sich auch die Linksfraktion in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Landesregierung schaue immer nur auf den Bund”, erklärt Claudia Schreyer, Sprecherin der Linken in MV. Sie fordert eine sofortige Abschaffung der Schulgebühren in Pflegeberufen.