Bei den Außenhandelsbeziehungen funkte es zwischen Russland und Mecklenburg-Vorpommern nie so richtig – trotz alle
Bei den Außenhandelsbeziehungen funkte es zwischen Russland und Mecklenburg-Vorpommern nie so richtig – trotz aller politischen Bemühungen. Jens Büttner
Außenhandel

Kurswechsel – MV will raus aus dem russischen Fahrwasser

Jahrelang suchte der Nordosten die politische Nähe zu Russland – wirtschaftlich aber funkte es zwischen den Partnern fast überhaupt nicht. Nun sollen andere Partner her.
Schwerin

Das hätte es bis vor dem 24. Februar in Mecklenburg-Vorpommern auch nicht gegeben: Da veröffentlicht die Staatskanzlei im Vorfeld des Exportabends der Landesregierung am Montagabend bei der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin eine Pressemitteilung zum Außenhandel – und die wirtschaftlichen Beziehungen des Nordostens zu Russland werden mit keiner Silbe erwähnt. Doch seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine schweigt die rot-rote MV-Regierung lieber zum Außenhandel mit Russland.

Außenhandel mit Russland nur gering

Wobei, Im- und Exporte mit Russland spielten für Mecklenburg-Vorpommern von den nackten Zahlen her nie eine große Rolle – in Anbetracht der jahrelangen politischen Nähe zwischen Sellering, Schwesig und Co. mit der Führung in Moskau rangierten die wirtschaftlichen Beziehungen unter ferner liefen. Im Jahr 2019 beispielsweise belief sich das Exportvolumen zwischen Russland und MV auf lediglich 199 Millionen Euro – dies bewegte sich etwa auf dem Niveau zwischen MV und der kleinen Schweiz (182 Millionen Euro). Trotz Russland-Tag, trotz Deutsch-Russischem Partnerverein, trotz Wasserstoff-Hanse – wirtschaftlich funkte es zwischen Russland und MV eher bescheiden. Der politische Wunsch war da wohl eher Vater des wirtschaftlichen Gedankens.

„Internationale Lieferketten sind unterbrochen worden”

Im Jahr 2021 hat Mecklenburg-Vorpommern trotz aller Schwierigkeiten im Außenhandel grundsätzlich zugelegt. „Wir haben unser Außenhandelsvolumen um 2,2 Milliarden Euro auf 17,1 Milliarden Euro gesteigert. Sowohl der Import als auch der Export haben zugenommen”, sagte Schwesig.

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Knapp 60 Prozent des Außenhandels Mecklenburg-Vorpommerns fand innerhalb der EU statt. Gut ein Viertel (26 Prozent) des Außenhandelsvolumens entfielen auf die EU-Staaten im Ostseeraum. Die drei wichtigsten Außenhandelspartner seien 2021 die Niederlande, Polen und Dänemark gewesen. Russland lag nur auf Platz zehn. Die Ministerpräsidentin ermunterte die Unternehmen zu exportieren – wohlwissend, dass es „in diesen Zeiten gar nicht einfach ist, für Export zu werben. In der Coronazeit sind viele internationale Lieferketten unterbrochen worden”.

Neue Idee: ein demokratischer Ostseeraum

Auch und gerade ohne den politischen und wirtschaftlichen Partner Russland versucht Schwesig seit Wochen verzweifelt, die Möglichkeiten, die der Ostseeraum den MV-Unternehmen bieten könnte, anzupreisen. „Wir sehen gerade im Ostseeraum noch große Chancen für unsere Wirtschaft”, so die SPD-Politikerin am Montagabend. Die Ministerpräsidentin lud in diesem Zusammenhang die Unternehmen zum Baltic Sea Business Day am 22. September nach Rostock ein. Der Baltic Sea Business Day sei eine gute Gelegenheit, Kontakte im Ostseeraum aufzufrischen oder auszubauen.

Um diese neue Strategie zu unterfüttern, hat die Landesregierung Ende Juni den „MV Kooperationsrat Demokratischer Ostseeraum” gegründet. Dabei liegt die Betonung auf „demokratischer Ostseeraum”.

 

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