An einem Strandabschnitt bei Ladebow haben Nabu-Mitglieder alle Funde mit Fähnchen markiert, um die Dichte zu verdeutlichen.
An einem Strandabschnitt bei Ladebow haben Nabu-Mitglieder alle Funde mit Fähnchen markiert, um die Dichte zu verdeutlichen. Nabu/Nils Möllmann
Das technische Hilfswerk ist in die Aufräumarbeiten eingebunden.
Das technische Hilfswerk ist in die Aufräumarbeiten eingebunden. Gabriel Kords
Das in Wampen angespülte Schmierfett hat sich inzwischen verkleinert und hat eine kaugummiartige Konsistenz und Farbe. Beides schwankt aber je nach Fundort stark.
Das in Wampen angespülte Schmierfett hat sich inzwischen verkleinert und hat eine kaugummiartige Konsistenz und Farbe. Beides schwankt aber je nach Fundort stark. Gabriel Kords
An manchen Orten hat sich durch die Hitze aus den rosa Klumpen offenbar ein rosa Schmierfilm gebildet.
An manchen Orten hat sich durch die Hitze aus den rosa Klumpen offenbar ein rosa Schmierfilm gebildet. NABU
Die Klumpen setzen sich im Seetang fest.
Die Klumpen setzen sich im Seetang fest. NABU/Carl Barnick
Schmierfett an Ostseeküste

Laborwerte erhärten Verdacht gegen Nord Stream

36 Kilo Schmierfett sind an den Stränden des Greifswalder Boddens bereits eingesammelt worden. Inzwischen machen auch die Behörden Druck. Anfangs gab es aber offenbar massive Abstimmungsprobleme zwischen den Behörden.
Greifswald

Die Worte in der Presse-Erklärung, die der Pipelinebauer Nord Stream 2, am Montagabend verschickte, sind fein gedrechselt: Die Untersuchungsergebnisse würden zeigen, „dass ein Zusammenhang zwischen einem Baggerschiff des von Nord Stream 2 beauftragten Unternehmens und den Schmierfett-Funden bestehen könnte.” Heißt im Klartext: Offiziell räumt das russisch-schweizerische Konsortium immer noch nicht ein, für das Problem verantwortlich zu sein – verhält sich aber weiterhin so, als sei es das.

Denn weiter heißt es in der Meldung, man arbeite weiterhin mit Hochdruck an der Beseitigung der Rückstände. Seit Freitag sind Mitarbeiter im Auftrag von Nord Stream damit beschäftigt, auch eine Telefonhotline ist seitdem geschaltet. Die Behörden warnen vor Hautkontakt mit den Anspülungen. In der Presserklärung von Nord Stream heißt es: „Die Arbeiten gehen weiter, solange noch irgendwo etwas gefunden wird.”

Kreis Vorpommern-Greifswald macht Druck auf Nord Stream

Darauf drang am Montag auch die untere Wasserbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald: „Wir haben die Situation in Augenschein genommen”, sagte Kreis-Sprecher Achim Froitzheim am Montagabend. Dabei sei man zwar zu dem Schluss gekommen, dass keine unmittelbare Gefährdung der Bevölkerung bestehe: „Aber das muss trotzdem alles komplett weg.” Dabei reiche es nicht, die Klumpen einfach abzusammeln: „Es muss auch der Seetang entfernt werden, in dem sich die Klumpen verfangen haben.”

Genau das sei aber nicht passiert, kritisiert der Naturschutzverband Nabu zum wiederholten Mal. Ein Sprecher der Greifswalder Sektion sagte: „An einigen Strandabschnitten hat sich noch überhaupt nichts getan, an anderen ist offenbar zumindest halbherzig aufgeräumt worden.” Gleichwohl hätten die offenbar unmotivierten Aufräumtrupps überall dort mit der Arbeit aufgehört, wo es schwierig werde. „Was bislang passiert ist, reicht bei Weitem nicht aus”, heißt es vom Nabu.

Die Klumpen setzen sich im Seetang fest.

Die Substanz hat sich im Seetang festgesetzt.

36 Kilo Fett eingesammelt

Die schadhafte Baumaschine war am Donnerstag außer Betrieb genommen worden. Die vier weiteren Bagger würden derzeit technisch untersucht, sagte ein Sprecher von Nord Stream 2. Auch die Untersuchungsergebnisse von Nord Stream 2 zeigten, dass ein Zusammenhang zwischen dem Baggerschiff und den Schmierfett-Funden im Greifswalder Bodden bestehen könnte.

Bislang wurden nach Angaben des Umweltministeriums rund 36 Kilogramm Schmierfett-Klumpen sowie rund zwei Kubikmeter verunreinigtes Seegras eingesammelt.

Nord Stream hält Schmierfett für ungefährlich

Gleichzeitig ist nach wie vor nicht klar, wie hoch die Gefahr ist, die von dem Schmierfett ausgeht. Zwar hieß es dazu von Nord Stream, das Fett sei „nach Angaben des Herstellers nicht gefährlich und die gesundheitlichen Auswirkungen seien ähnlich wie bei Haushalts-Schmierprodukten.” Von behördlicher Seite gab es bis Montagabend noch keine Einschätzung – lediglich die am Freitag versandte Warnung vor Hautkontakt mit den Substanzen.

Der Nabu geht davon aus, dass es sich um Fett auf Erdölbasis handle – mit allen bekannten Folgen für die Umwelt. „Das Fett schlmilzt inzwischen in der heißen Sonne, es bildet sich ein ölartiger Film auf dem Wasser”, sagte der Nabu-Sprecher. All das hätte mit zügigerem Handeln verhindert werden können, betonte er.

An manchen Orten hat sich durch die Hitze aus den rosa Klumpen offenbar ein rosa Schmierfilm gebildet.

Diesen Film auf dem Wasser ordnet der NABU ebenfalls dem Schmierfett zu.

Auch Unstimmigkeiten innerhalb der Behörden

Wie der Nordkurier aus Behördenkreisen erfuhr, wird die Affäre um das Fett auch innerhalb der staatlichen Verwaltung ein Nachspiel haben: „Da haben sich verschiedene Ämter munter die Verantwortung zugeschoben und jeder hat sich auf die anderen verlassen”, sagte ein ranghoher Verwaltungsmitarbeiter dem Nordkurier, der namentlich nicht genannt werden will: „Es ist inzwischen fast eine Woche vergangen, ohne dass jemand sich um die Beräumung der Strände gekümmert hätte. Das hätte nicht passieren dürfen.”

Die Naturschützer vom Nabu unterstützen diese Kritik – und ergänzen: Es sei nicht hinnehmbar, dass Nord Stream sich quasi in Eigenregie um die Beräumung der Strände kümmere. „Das gehört in die Hand und unter Kontrolle einer Behörde”, sagte ein örtlicher Nabu-Sprecher.

Verursacher droht hohes Bußgeld oder Haft

Parallel ermittelt weiterhin die Wasserschutzpolizei wegen Gewässerverunreinigung gegen den Verursacher der Verschmutzung. Es droht ein Strafverfahren sowie ein hohes Bußgeld, theoretisch ermöglicht der Straftatbestand sogar eine Haftstrafe für den Verursacher.

 

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