Die MV Werften hatten zu Beginn des Jahres Insolvenz gemeldet.
Die MV Werften hatten zu Beginn des Jahres Insolvenz gemeldet. Bernd Wüstneck
Im Februar war Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zu Gast bei den MV Werften am Standort Wismar.
Im Februar war Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zu Gast bei den MV Werften am Standort Wismar. Jens Büttner
Insolvenz MV Werften

Lässt die Bundesregierung 1500 Werftmitarbeiter in MV absaufen?

Die Situation auf den Standorten der ehemaligen MV Werften spitzt sich zu. Zwar werden Grundstücke auf den Standorten verkauft, doch die Perspektive für die Beschäftigten fehlt.
Rostock

Die IG Metall Küste und die Betriebsräte drängen auf eine Verlängerung der Transfergesellschaft für die ehemaligen Beschäftigten der MV Werfen in Stralsund, Rostock und Wismar. Die MV Werften hatten zu Beginn des Jahres Insolvenz gemeldet.

„Mit dem Verkauf der MV Werften Stralsund an die Hansestadt Stralsund und der MV Werften Fertigmodule Wismar an den Medizintechnikhersteller Eppendorf sind erste Entscheidungen im Insolvenzverfahren getroffen worden, die wir ausdrücklich begrüßen”, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter IG Metall Küste.

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Dann aber folgte das große Aber des Gewerkschafters. „Was uns bisher aber fehlt, sind konkrete Zusagen für die Beschäftigten. Wann und wie viele Kolleginnen und Kollegen von den neuen Eigentümern oder Pächtern aus der Transfergesellschaft oder auf anderem Wege eingestellt werden, ist unklar. Auch Tarifverträge und Mitbestimmung sind weder bei Eppendorf in Wismar noch bei der Werft in Stralsund bisher gesichert”, betonte Friedrich. Die Mitarbeiter bräuchten eine Beschäftigungsperspektive – der Frust und die Wut unter den ehemaligen Werftarbeitern seien groß.

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Um den Übergang zu neuen Investoren zu ermöglichen und die Mitarbeiter für neue Aufgaben zu schulen, halten Gewerkschaft und Betriebsräte eine längere Laufzeit der Transfergesellschaft für notwendig. Für etwa 1500 Beschäftigte von allen drei Werften und dem bisherigen Fertigmodul-Werk würde diese sonst zum 30. Juni auslaufen.

„Wegen einer Verlängerung sind wir im intensiven Austausch mit der Landesregierung und allen weiteren relevanten Akteuren”, erklärte Friedrich. „Die Beschäftigten hoffen auf ein baldiges Signal, dass es an den Standorten weitergeht. Dafür sind die gut ausgebildeten Fachkräfte unerlässlich. Das wird uns auch in den zahlreichen Gesprächen mit weiteren Interessenten für die Werften gespiegelt. Auch für eine Fertigstellung der Global 1 in Wismar braucht es genügend Personal”, so der Gewerkschafter.

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Unverständnis zeigten die IG-Metall-Vertreter über die Tatenlosigkeit der Politik hinsichtlich des Baus von Offshore-Plattformen. Gerade in Zeiten der viel gepriesenen Energiewende sei es aus Sicht der Gewerkschaft völlig unverständlich, warum es in diesem Bereich keine Fortschritte gebe.

„Wir haben keine deutsche Werft, die Offshore-Plattformen baut. In ganz Europa gibt es lediglich eine spanische Werft, die in diesem Geschäftsbereich tätig ist”, sagte Friedrich. Es sei doch entscheidend, die Wertschöpfung im eigenen Land zu halten. Die Gewerkschaft machte klar, dass man Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei dessen Besuch im Februar auf den Werften ein entsprechendes Modell vorgestellt habe – passiert sei aber noch nichts.

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In den nächsten Wochen sind mehrere Aktionen der IG Metall an den Standorten in MV geplant. Am Donnerstag, 5. Mai, ruft die Gewerkschaft in Stralsund für 9 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Parkplatz der Werft auf. Redner sind neben dem IG Metall-Geschäftsführer Guido Fröschke und dem Betriebsratsvorsitzenden Bernd Fischer Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow und der Staatssekretär für Vorpommern Heiko Miraß.

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In Wismar ist für Montag, 9. Mai, ab 14.30 Uhr eine offene Mitgliederversammlung der IG Metall an der Werft geplant. Sprechen werden IG Metall-Geschäftsführer Henning Groskreutz, die Betriebsratsvorsitzende Ines Scheel und Tino Schomann, Landrat des Kreises Nordwestmecklenburg, Michael Berkhahn, 1. Stellvertreter des Wismarer Bürgermeisters sowie der Landtagsabgeordnete Tilo Gundlack.

In Wismar stellt die IG Metall am Montag außerdem ein Großflächenplakat mit Fotos der Beschäftigten vor, mit dem die Gewerkschaft an ausgewählten Standorten im Land für die Zukunft der Standorte und Beschäftigten werben will.

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