DROHENDE INSOLVENZ

Land erwägt weiteren Millionen-Kredit für MV Werften

Seit etwa einem Jahr befinden sich die Werften in turbulenter See. Bund und Land warfen schon einige Rettungsringe. Gerettet sind die Arbeitsplätze der Schiffbauer an der Ostsee aber längst nicht.
dpa
In der Dockhalle der MV Werft Wismar harrt das erste Global-Class-Kreuzfahrtschiff seiner Fertigstellung.
In der Dockhalle der MV Werft Wismar harrt das erste Global-Class-Kreuzfahrtschiff seiner Fertigstellung. Jens Büttner
Schwerin ·

Die finanziell angeschlagenen MV Werften können für den Weiterbau des für den asiatischen Markt bestimmten Kreuzfahrtschiffes Global 1 auf weitere Hilfe vom Land hoffen. Wie Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Mittwoch in Schwerin mitteilte, erwägt das Land, einen Kredit von bis zu 44 Millionen Euro zu gewähren, um einen Baustopp zu verhindern. Als Sicherheiten sollen Werft-Grundstücke in Wismar, Rostock und Stralsund dienen. Um Unternehmen über die Corona-Pandemie zu helfen, hatte das Land den MV-Schutzfonds aufgelegt und dafür Milliarden-Schulden beschlossen.

Dem Landtag liegt laut Glawe zu seiner Sondersitzung am Donnerstag ein Antrag für die Gewährung eines Landeskredits für die Werften zur Abstimmung vor. Das Geld solle im April fließen, sofern die eigenen Mittel des asiatischen Mutterkonzerns Genting Hongkong nicht ausreichen. Parallel liefen Verhandlungen mit dem Bund über einen alternativen Schiffbaukredit, bei dem Bund und Land jeweils 16  Millionen Euro übernehmen und den Rest Banken. Das Schiff Global 1, das mit rund 340 Metern Länge und bis zu 9500 Passagieren zu den größten Kreuzlinern der Welt gehören wird, harrt in Wismar seiner Fertigstellung.

Großteil der Beschäftigten in Kurzarbeit

Weiterhin offen ist, ob der Bund die MV Werften gänzlich unter den Schutzschirm des Wirtschaftsstabilisierungsfonds nimmt. Voraussetzung dafür ist, dass Genting den Schiffbau in MV fortführen kann. Das dazu notwendige Gutachten wurde mehrfach angekündigt, liegt aber noch nicht vor. Glawe zeigte sich unter Hinweis auf den in Asien wieder anspringenden Kreuzfahrttourismus zuversichtlich, dass Genting die Krise übersteht und seine Verpflichtungen gegenüber den Werften einhält.

Genting hatte die MV Werften 2016 übernommen, um Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf zu bauen. Doch mit der coronabedingten Unterbrechung der Kreuzschifffahrt Anfang 2020 brach eine der wichtigsten Einnahmequellen des Konzerns weg, mit dramatischen Folgen auch für die MV Werften. Ein Großteil der 3000 Beschäftigten befindet sich seit fast einem Jahr in Kurzarbeit, 1200 von ihnen droht die Entlassung.

Bis zu 400 Millionen nötig, um alle drei Standorte zu sichern

Um die drohende Insolvenz der MV Werften abzuwenden, waren laut Glawe bereits im Dezember vom Bund verbürgte Kredite in Höhe von 193 Millionen Euro bewilligt worden. Damit wurde unter anderem die Fertigstellung des Luxusschiffes „Endeavor 1“ finanziert, das im Mai ausgeliefert werden soll. Zudem steht das Land für weitere Millionenkredite gerade. Dem Vernehmen nach sind zusätzliche Kredithilfen in Höhe von bis zu 400 Millionen Euro erforderlich, um den Fortbestand aller drei Werftstandorte zu sichern.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Schulte, machte bereits deutlich, dass die MV Werften weiterhin mit der Unterstützung seiner Fraktion rechnen können. Die oppositionelle AfD hatte den Nutzen der staatlichen Hilfen für die Werften hingegen schon mehrfach in Zweifel gezogen und auf die wechselvolle Geschichte des Schiffbaus verwiesen.

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Kommentare (2)

sollen diesmal gewährt werden.Die Zukunft des privaten Schiffbaus beruht auf öffentlichen Subventionen aus Steuern. Eine Aufstellung aller Subventionen könnten sicher die verantwortlichen Parteien liefern. Wer fordert sie aber ein? Niemand, also bleibt fast alles im Ungefähren. Ob die gezahlten Millionen zweckbestimmt und wirtschaftlich-produktiv ausgegeben werden, wird nicht überprüft und ist nicht transparenz = Rechnungshof.
In der ersten Hälfte der 1990er Jahre flossen etwa 3,2 Milliarden D-Mark an Investitions- und Liquiditätshilfen als direkte Transaktionskosten in die Privatisierung der Schiffbaubetriebe. Umgerechnet kostete jeder erhaltene Arbeitsplatz eine halbe Million D-Mark.[34]
[34.] Eich-Born, Transformation (Anm. 28), S. 154. [28.] Die Großen rücken auf, in: Der Spiegel, 13/1992, S. 118 f., hier S. 118f.

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die Sprecherin ist eine tolle Ärztin