NACH PROTEST

Land will Zahl infizierter Touristen jetzt doch veröffentlichen – vielleicht

Mit Verweis auf bundesweit einheitliche Regeln wollten die MV-Behörden nicht verraten, bei wie vielen Touristen das Coronavirus nachgewiesen wird. Nun haben sie eingelenkt – ein bisschen.
Werden die Abstrichzentren im Land – hier das Abstrichzentrum Greifswald – bald wieder mehr zu tun haben?
Werden die Abstrichzentren im Land – hier das Abstrichzentrum Greifswald – bald wieder mehr zu tun haben? Philipp Schulz (Archiv)
Schwerin.

Kurz vor der Wiedereröffnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern für den Tourismus hat es in der Landespolitik Streit um eine wichtige Zahl gegeben: Wie durch einen Bericht der „Schweriner Volkszeitung” ans Licht kam, wollen die MV-Behörden auch in Zukunft nur bekanntgeben, wie viele Bürger Mecklenburg-Vorpommerns mit dem Coronavirus infiziert sind. Und das in Zeiten stark sinkender Infektionszahlen - zuletzt gab es zwei Tage in Folge keine nachgewiesenen Neuinfektionen.

Infizierte Touristen werden an ihrem Wohnort gezählt

Das Gesundheitsministerium in Schwerin gab den Bundesgesetzen dafür die Schuld: Das Bundesinfektionsschutzgesetz sehe das Wohnortprinzip für die Erfassung der Zahlen vor, sagt Ministeriums-Sprecher Gunnar Bauer: „Um Infektionsketten nachzuvollziehen, werden erkrankte Touristen von den jeweiligen Gesundheitsämtern auch parallel zum Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) übermittelt. Diese fließen aufgrund der gesetzlichen Regelung (Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 9 Absätze 1 bis 5) also nicht in die MV-Statistik ein.”

Doch nicht alle wollen sich auf diese Logik einlassen – die Opposition ist verblüfft. Der Linken-Abgeordnete Torsten Koplin etwa erklärte am Freitag, nachdem zuerst die Schweriner Volkszeitung über das Thema berichtet hatte: „Jetzt wird es ja völlig absurd. Wenn bei Touristen, die aus anderen Bundesländern stammen, ab kommenden Montag in Mecklenburg-Vorpommern eine akute Corona-Erkrankung festgestellt wird, sie sich weiterhin in M-V aufhalten und auch hier behandelt werden, dann werden sie nicht als Fall für M-V gezählt? Gilt das dann auch für alle Einheimischen, die von auswärtigen Touristen infiziert wurden?”

Ministerium lenkt ein – zumindest ein bisschen

Koplin führte weiter aus, es sei für MV natürlich von Vorteil, wenn infizierte Touristen nicht mitgezählt würden – habe aber mit dem realen Leben wenig zu tun. Koplin weiter: „Sollte sich die Bundesregierung nicht umgehend korrigieren, dann erwarte ich, dass die Landesregierung eine eigene Statistik veröffentlicht. Aus dieser muss dann auch hervorgehen, wie viele Menschen sich aktuell in stationärer Behandlung, also im Krankenhaus befinden, und wie viele von ihnen auf Intensivstationen und mit Beatmung behandelt werden.”

Noch am Freitagnachmittag änderte das Ministerium dann seinen Kurs: „Abhängig vom Infektionsgeschehen werden die Neuinfektionen von Touristen veröffentlicht,“ ließ Sprecher Gunnar Bauer wissen. Was genau damit gemeint ist, bleibt somit zwar noch offen – ganz verzichten müssen werden die Bürger auf die Infizierten-Zahlen aber offenbar nicht.

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