Lehrermangel

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Landeselternrat vor Schulstart besorgt

Nur 142 von insgesamt 246 Lehramtsreferendaren, die im Sommer in Mecklenburg-Vorpommern ihr Studium erfolgreich abschlossen, wechselten in den Schuldienst des Landes.
Nur 142 von insgesamt 246 Lehramtsreferendaren, die im Sommer in Mecklenburg-Vorpommern ihr Studium erfolgreich abschlossen, wechselten in den Schuldienst des Landes.
Heiko Wolfraum

In den Lehrerkollegien in MV drohen Lücken. Zwei Drittel der neu ausgeschriebenen Referendarsstellen blieben unbesetzt, viele Lehrer scheiden aus dem Dienst aus.

Der Landeselternrat blickt angesichts drohender Lücken in den Lehrerkollegien mit Sorge auf den bevorstehenden Start des Schuljahres in Mecklenburg-Vorpommern. In vielen Schulen des Landes herrsche derzeit große Unsicherheit, ob die offenen Stellen auch rechtzeitig besetzt werden können. „Das ist für die Schulleiter unbefriedigend und ruft bei Eltern großes Unverständnis hervor”, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrats, Stefanie Kirsch.

Nach ihrer Ansicht müsse spätestens zwei Wochen vor dem Schulstart klar sein, welche neuen Lehrer ihren Dienst antreten. Bewerbern für den Schuldienst solle daher eine entsprechende Frist für die Rücksendung der Anstellungsverträge gesetzt werden. Bisher könne das auf den letzten Drücker passieren. Das aber erschwere die Planung und schränke die Reaktionsmöglichkeiten ein. „Mitunter muss der gesamte Stundenplan kurzfristig umgeworfen werden. Für einen guten Unterricht von Anfang an wären das denkbar schlechte Voraussetzungen”, mahnte Kirsch.

Land muss reagieren

Sie forderte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) auf, genau zu ergründen, weshalb nur 142 von insgesamt 246 Lehramtsreferendaren, die im Sommer in Mecklenburg-Vorpommern ihr Studium erfolgreich abschlossen, in den Schuldienst des Landes wechselten. Antwort erwarte sie zudem auf die Frage, warum trotz Verbeamtung zwei Drittel der neu ausgeschriebenen Referendarsstellen unbesetzt blieben. „Dafür muss es Gründe geben, auf die das Land reagieren muss, will es im Wettbewerb um den Lehrernachwuchs nicht noch mehr an Boden verlieren”, forderte die Elternvertreterin.

Kritisch äußerte sie sich zu den Bestrebungen des Ministeriums, vakante Stellen mit sogenannten Seiteneinsteigern etwa aus der Wirtschaft zu besetzen. „Das kann nur die große Ausnahme sein. Wir brauchen gut ausgebildete Pädagogen, die nicht nur Fachkenntnisse haben, sondern auch wissen, wie man diese erfolgreich an Schüler vermittelt”, sagte Kirsch. Dazu müsse auch das Lehrerstudium für junge Leute attraktiver werden. Gerade in naturwissenschaftlichen Fächern seien die Rahmenpläne nicht zeitgemäß, was bei vielen zum Abbruch des Studiums führe. „Das weiß auch die Politik. Doch geändert hat sich bislang nichts”, beklagte Kirsch.

Ministerin Hesse will unmittelbar nach Beginn des neuen Schuljahres am 20. August die Öffentlichkeit über die Situation an den Schulen informieren. Im Land gibt es rund 12.000 Lehrer, viele von ihnen scheiden in den kommenden Jahren aus und müssen ersetzt werden. Zudem gehen die Schülerzahlen wieder nach oben, was den Lehrerbedarf zusätzlich erhöht.