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Landespolitiker erwarten weitere Asylbewerber

Auf dem Messegelände in Mühlengeez bei Güstrow laufen die Vorbereitungen zur Errichtung einer Notunterkunft für bis zu 1.500 Flüchtlinge auf Hochtouren.
Auf dem Messegelände in Mühlengeez bei Güstrow laufen die Vorbereitungen zur Errichtung einer Notunterkunft für bis zu 1.500 Flüchtlinge auf Hochtouren.
Jens Büttner

Die Flüchtlingszahlen im Nordosten werden in den nächsten Wochen noch größer. Im Landtag demonstrierten Regierung und demokratische Fraktionen den Willen, die Situation zu bewältigen.

Mecklenburg-Vorpommern erwartet in den nächsten drei Monaten noch einmal so viele Flüchtlinge wie im gesamten bisherigen Jahresverlauf. Das teilte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Mittwoch in der Aktuellen Stunde des Landtags mit. Bisher wurden 10.800 Menschen aufgenommen. Um den noch einmal verstärkten Zustrom zu bewältigen, sollen zu den aktuell 16 Notunterkünften für Neuankömmlinge zehn weitere hinzukommen. Es werde sich um große Unterkünfte handeln, stellte Caffier klar. Die bis zunächst größte Notunterkunft mit 1250 Plätzen soll nächsten Dienstag auf dem Mela-Messegelände in Mühlengeez bei Güstrow eröffnet werden. Bisher verfügt das Land Caffier zufolge über 3300 Betten für ankommende Flüchtlinge. Ziel sei es, täglich 200 bis 300 Flüchtlinge, nachdem sie die Aufnahmeprozedur durchlaufen haben, an die Kommunen abzugeben.

Umfassendes Engagment vom Bund gefordert

Die Bewältigung des Flüchtlingsproblems erfordert nach Worten von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ein umfassendes Engagement des Bundes. Vor dem Flüchtlingsgipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Donnerstag sagte er, dieses notwendige Engagement betreffe nicht nur die Unterbringung und den Lebensunterhalt der Flüchtlinge, sondern auch Integrationsleistungen wie Sprachkurse, Arbeitsvermittlung und soziale Betreuung sowie die erhöhten Sicherheitsanforderungen. Er hoffe, dass es dazu in Berlin eine Einigung geben wird, sagte Sellering. "Es ist eine außerordentlich große Herausforderung, vor der wir stehen."

Demografische Vorteile durch Flüchtlinge

Die SPD-Abgeordnete Dagmar Kaselitz wies auf demografische Vorteile für Mecklenburg-Vorpommern durch die Flüchtlinge hin. Prognosen zufolge werde das Land bis 2030 rund 150.000 Einwohner verlieren, sagte sie. Nicht die Zahl von 20.000 Zuzüglern in diesem Jahr sei also das Problem, sondern die Aufnahme in so kurzer Zeit. An den Schulen machten Flüchtlingskinder lediglich einen Anteil von fünf bis sechs Prozent an der Gesamtzahl der Schüler aus.

Angesichts der angespannten Situation hat der Landkreis Vorpommern-Greifswald zwei Ferienlager zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert. Weitere kreiseigene Ferienunterkünfte würden geprüft.

 

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