ATTACKE IM WAHLKAMPF

MV-Landrätin wird der Korruption bezichtigt

Norwestmecklenburgs Landkreis-Chefin Kerstin Weiss sieht sich kurz vor der Landratswahl Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Unter anderem spielt das Piraten Open Air eine Rolle.
Landrätin Kerstin Weiss sieht sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.
Landrätin Kerstin Weiss sieht sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Daniel Bockwoldt
Grevesmühlen ·

Sechs Tage vor der Landratswahl prüft das Innenministerium einen Anfangsverdacht wegen Korruption und Amtsmissbrauch gegen Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD). Am Freitag kommt der Kreistag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, auf der die Angelegenheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit thematisiert werden soll. Am kommenden Sonntag, dem 25. April, findet im Kreis die Landratswahl statt, bei der Kerstin Weiss ihr Amt verteidigen will.

Landrätin Weiss reagiert auf die Vorwürfe

Weiss soll ein Emissionsgutachten für das Piraten Open Air in Grevesmühlen zurückhalten, so der konkrete Vorwurf, der aus ihrem eigenen Landratsamt kommt. Demnach beschwerten sich Anwohner seit Jahren über die Lautstärke während der Aufführungen des Open Airs. Das Gutachten muss der Landkreis erstellen lassen. Die Landrätin wiederum dürfe großflächig beim Open Air plakatieren und fahre während des Landratswahlkampfes ein Tourmobil, auf dessen Hintergrund das Piraten Open Air-Gebäude zu sehen sei. Kurzum das Piraten Open Air Theater unterstütze Weiss im Wahlkampf und das seien Anhaltspunkte für Korruption.

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Am späten Montagabend reagiert die Landrätin auf eine Nordkurier-Anfrage. Die Vorwürfe weist Kerstin Weiss zurück und wirft gleichwohl ihren politischen Kontrahenten vor, sie sechs Tage vor der Landtagswahl öffentlich beschädigen zu wollen. „Nun haben CDU und Linke – beides Parteien, die meine Gegenkandidaten stellen – eilig einen Antrag gestellt, einen Sonderkreistag zu diesem Thema einzuberufen, um als Pressereaktion die Überschrift 'Ist die Landrätin korrupt?' zu provozieren. Frage vor der Wahl, Antwort nach der Wahl. Ich halte das für keinen fairen Umgang miteinander. Die Strategie dahinter ist offensichtlich und ganz einfach zu durchschauen, einfach nur armselig”, so Kerstin Weiss.

Intendant gleichzeitig Wahlkampfmanager

Was ist mit der ihr vorgeworfenen Nähe zum Open Air? Nun, Weiss habe einen Vertrag mit der Werbeagentur Adventure-Production Grevesmühlen für den Wahlkampf geschlossen. Die Agentur betreibt auch das Piraten Open Air. Der Vertrag liegt dem Nordkurier vor. Weiss: „Für die erbrachten Leistungen der Agentur bezahle ich das Entgelt, so wie es zwischen Vertragspartnern üblich ist.”

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Im Vertrag ist geregelt, welche Art Leistungen die Agentur erbringen soll. Unter anderem geht es um die Druckerzeugnisse, eine Videokampagne auf der Facebookseite der Landrätin sowie der Verarbeitung des Wahlkampfslogans. Allerdings: Ansprechpartner seitens der Werbeagentur ist Peter Venzmer, der gleichzeitig Intendant des Piraten Open Airs ist.

Venzmer ist wohl überhaupt erst Auslöser des Anfangsverdachts gegen Weiss. In einem OZ-Interview vom 20. März dieses Jahres antwortet er auf die Frage, ob die vielen Wahlplakate von Kerstin Weiss beim Open Air Zufall seien: „Nein. Ich unterstütze sie im Wahlkampf, auch weil sie im vergangenen Jahr, als man die Theater wirklich allein gelassen hat, uns nicht vergessen und wirklich mit ihrer Stimme geholfen hat. Ich bin mit ihr nicht immer einer Meinung, aber wenn man das große Ganze im Auge behält, dann nähert man sich an und findet viele gemeinsame Nenner auf diesem Weg. Es geht um uns alle und unser Leben in unserem Landkreis. Ich denke, sie ist die beste Wahl.“ Zu diesem Zeitpunkt führte die Werbeagentur für Weiss bereits Wahlkampf. Der Vertrag datiert auf den 20. November 2020.

Eilverfahren zugunsten des Kreises

Bleibt der Vorwurf, Weiss unternehme nichts bezüglich eines Gutachtens zum Lärmpegel des Piraten Open Air und bleibe untätig bei Klagen der Anwohner. „Das Eilverfahren wurde zugunsten des Landkreises entschieden und die Anwohner gebeten, sich in ein ordentliches Verfahren in Bezug auf den Lärmpegel zu begeben”, schreibt Weiss dazu. Bei Lärmwerten spielten viele Faktoren eine Rolle. Diese müssen in einem ordentlichen Verfahren entsprechend der gesetzlichen Vorgaben bewertet werden.

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Kommentare (2)

sollte das, was in der großen Politik gang und gäbe ist, an einer Kreismutter vorüberziehen?
Je höher das Amt, desto geringer die Hemmschwelle...
Ideale schwinden umgekehrt proportional zur aufsteigenden Position.
Gibt es in Berlin und auch in Klein-Kleckershausen...

Na sowas! SPD Politikerin ,wo die SPD doch immer schön den Moral Apostel gibt und gerne auf andere zeigt .