IMPF-VORDRÄNGLER?

Landrat Kerth (47) von Vorpommern-Rügen vorzeitig geimpft

Bekannte Impfvordrängler hat es in Mecklenburg-Vorpommern bisher nicht gegeben. Doch jetzt hat Stefan Kerth (SPD), Landrat von Vorpommern-Rügen, zugegeben, dass er schon geimpft wurde.
Stefan Kerth (SPD), Landrat von Vorpommern-Rügen, hat sich im Januar vorzeitig gegen das Coronavirus impfen lassen.
Stefan Kerth (SPD), Landrat von Vorpommern-Rügen, hat sich im Januar vorzeitig gegen das Coronavirus impfen lassen. (Archiv) Bernd Wüstneck
Grimmen ·

Es ist erste prominente Fall eines Politikers in Mecklenburg-Vorpommern, der vorzeitig gegen das Coronavirus geimpft worden ist: Vorpommern-Rügens Landrat Stefan Kerth (SPD) ist trotz seines Alters von 47 schon geimpft worden. Das kam am Montagabend bei einer Kreistagssitzung in Grimmen heraus, bei der er anwesend war.

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Auf die Frage von Michael Philippen, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kreistagsfraktion „Bürger für Stralsund/FDP”, ob er sich beim Impfen „vorgedrängelt” habe, antworte Stefan Kerth: „Ich habe, als ich die Eröffnung des Impfzentrums durchgeführt habe, an dem Tag war ich zum Dienstschluss dort in der Einrichtung, und es ist Ausschau gehalten worden nach Leuten, die an dem Tag – das ist vor ungefähr drei Wochen gewesen – noch verimpft werden können. Es ist keiner da gewesen.”

Wollte „definitiv nicht geimpft werden”

Kerth meint damit das Impfzentrum in Stralsund, das am 12. Januar eröffnet worden ist. Er beteuerte, er habe mehrfach gesagt, dass „er definitiv nicht geimpft werden möchte”. Aber die Impfungen würden ansonsten verfallen, ist ihm laut Eigenaussage mitgeteilt geworden. Kerth versicherte weiter, dass er nur einmal geimpft worden sei und die zweite Dose nicht erhalten habe.

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Die Empörung ist groß, da Kerth zu keiner Risikogruppe gehört. Bisher wurden in Deutschland vor allem Menschen über 80 und medizinisches Personal geimpft, die Impfung dieser Gruppen ist immer noch nicht abgeschlossen. Zwischendurch wurde außerdem deutschlandweit weniger geimpft, da es weniger Lieferungen von dem Biontech/Pfinzer-Impfstoff gab.

Impfdosis so oder so „durch fehlende zweite Impfung” verfallen

Thomas Haack von der „Fraktion Bürger für Stralsund” ist aufgebracht: „Das ist zutiefst verwerflich. Politiker haben sich hinten anzustellen wie alle anderen auch.” Die Gerüchte über Kerths vorzeitige Impfung gab es schon länger, deswegen habe sein Fraktionskollege nachgefragt. Haack hält Kerths Argumente für Ausflüchte. „Der Impfstoff sollte nicht verkommen? Durch die fehlende zweite Impfung ist doch genau das passiert!”

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Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Sebastian Ehlers, sagt: „Gerade in dieser für viele Menschen schwierigen Zeitig muss sich jeder, der politisch Verantwortung trägt, über seine Vorbildfunktion im Klaren sein. Ich gehe davon aus, dass Landrat Kerth inzwischen dämmert, dass er sich ganz und gar nicht vorbildlich verhalten hat.” Für viele Menschen gehe es buchstäblich um Leben und Tod und es habe zumindest den Anschein, als hätte Kerth sich vorgedrängelt. „Sollte es sich in der Form bewahrheiten, muss das Konsequenzen haben.”

Bisher keine persönliche Stellungnahme von dem Geimpften

Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Nikolaus Kramer, fragt: "Sieht so der Schutz von Risikogruppen aus? Jegliche Drängelei oder Vorteilbeschaffung anderer Gruppen ist nicht nur unmoralisch, sondern konterkariert auch die Impfstrategie der Landes- und Bundesregierung." Wenn Über-80-Jährige zum Impftermin nicht erscheinen würden, sollte das Vakzin an die nächste, vorgesehene Gruppe verimpft werden, so Kramer. "Mit diesem unsolidarischen und unsozialen Gebaren steigt nur die Politikverdrossenheit und das Vertrauen in unsere Demokratie erodiert weiter."

Stefan Kerth war für eine persönliche Stellungnahme am Dienstagvormittag nicht zu erreichen.

 

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Kommentare (2)

Welches unvollkommene Wesen hat hier zu viel Impfstoff bestellt, ohne die Impfenden zu benachrichtigen? Den Menschen sollte man zur Verantwortung ziehen und nicht den LR. Der hat nur sich gegen seinen Willen impfen lassen, damit nix verfällt. Wir haben ja genug davon ihr Kläger. Wie wäre es auch den an die Mauer zu stellen, der einige Menschen mit der zu hohen Dosis geimpft hat. Es ist immer noch besser solche Menschen versehentlich zu impfen als Lehrer , die vorbildlich sich selber schützen sollten, als zu jammern, da sind sie immer die Größten wie beim unwissenden Umgang mit Internet und ruf nach mehr Geld! Vielleicht war auch hier der Winter schuld wie einst zu DDR Zeiten! So lenkt man auch von wichtigen Themen ab ihr lieben Parteibonzen.

Ich finde diesen "Skandal" eher als Impfpropaganda oder wie man Neudeutsch sagt, der Pieksskandal. Da wird skandalisiert wenn Entscheidungsträger, egal welcher Coleur, sich "vordrängeln" und suggerieren, daß dieser Pieks überlebenswichtig ist, sonst würden die sich ja nicht vordrängeln. Dem ist nicht so, ich finde es bedenklich wenn sich Entscheidungsträger von offensichtlicher Propaganda beeinflussen lassen. Ich würde so einen Menschen nicht wählen. Ich weiß, Millionen Geimpfter und damit Geretteter können nicht irren nur die die an dem Zeug verrecken werden nicht erwähnt. Epoch Times heute.