DEBATTE UM REITERSTAFFEL

Landtagspolitiker wollen keine Pferde für die Polizei

Braucht die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern eine Reiterstaffel? Im Landtag bekam die CDU-Fraktion mit ihrem Vorschlag keinen Huf in die Tür.
dpa
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In Hannover Hannover sichern auch berittene Polizisten den Weihnachtsmarkt. Die CDU wünscht sich eine Reiterstaffel für MV.
In Hannover Hannover sichern auch berittene Polizisten den Weihnachtsmarkt. Die CDU wünscht sich eine Reiterstaffel für MV. Julian Stratenschulte
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Schwerin.

Ungeachtet öffentlicher Kritik und spöttischer Bemerkungen hält die CDU an ihrem Vorschlag zur Bildung einer Reiterstaffel bei der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern fest. Die SPD/CDU-Koalition habe sich zum Ziel gesetzt, die Polizeipräsenz zu stärken und so das Sicherheitsempfinden der Bürger zu stärken. „Ein berittener Polizist auf der Straße ist der ideale Kontaktbeamte”, sagte die Ex-Polizistin und CDU-Abgeordnete Ann Christin von Allwörden am Mittwoch im Landtag in Schwerin. Pferde seien große Sympathieträger.

Die Reiterstaffel könne bei Fußballspielen gegen Hooligans oder bei Demonstrationen eingesetzt werden. Einwände, dass im Nordosten die Einsatzmöglichkeiten begrenzt seien, wies Allwörden zurück. „Nur weil man etwas nicht so oft benutzt, bedeutet das nicht, dass man es nicht braucht”, sagte sie. Schließlich habe sie in ihrer aktiven Zeit bei der Polizei auch ihre Dienstwaffe nicht einmal im Dienst abgefeuert.

„Totgerittenes Ross”

Redner anderer Fraktionen äußerten erhebliche Zweifel am Sinn einer Reiterstaffel und den damit verbundenen Kosten. Einige Länder hätten die berittene Polizei abgeschafft oder doch deutlich dezimiert, sagte der SPD-Abgeordnete Manfred Dachner. Er kritisierte, dass die CDU die Aussprache zu dem Thema auf die Tagesordnung setzte, noch ehe der Innenausschuss die geplante Reise nach Hamburg unternommen habe, um sich dort über Erfahrungen und Kosten der berittenen Polizei zu informieren. „Mit einer verfrühten Aussprache soll ein totgerittenes Ross wiederbelebt werden“, sagte Dachner.

Der Linken-Abgeordnete Peter Ritter hält die Reise nach Hamburg für überflüssig. Die Kosten der Reiterstaffel dort betrügen 600 000 Euro im Jahr. „Lassen wir die Pferde im Stall. Unsere Polizei hat ganz andere Sorgen”, sagte Ritter.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) verfolgte die engagierte Debatte, ergriff selbst aber nicht das Wort.

Die Linken-Abgeordnete Eva Maria-Kröger äußerte ihren Spott über die Debatte während der Sitzung, die sich bis in den Mittwochabend hinzog, mit diesem kunterbunten Pferdebild bei Twitter.

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