„DAS IST EIN UNDING”

Landwirt aus MV klagt nach Hochwasser Politik und Medien an

Mehr als 140 Tote wegen Hochwasser mitten in Deutschland: Silvio Mai ist sich sicher, dass das zu verhindern gewesen wäre.
Zerstörtes Möbiliar liegt auf einem Feld außerhalb des Ortsteils Arloff in Nordrhein-Westfalen. Ein Bauer in M
Zerstörtes Möbiliar liegt auf einem Feld außerhalb des Ortsteils Arloff in Nordrhein-Westfalen. Ein Bauer in Mecklenburg-Vorpommern klagt die Politik und die Medien an. Marius Becker
Silvio Mai (rechts) und sein Partner Jürgen Richter betreiben das Gut Bergfeld in der Mecklenburgischen Seenplatte. Sie s
Silvio Mai (rechts) und sein Partner Jürgen Richter betreiben das Gut Bergfeld in der Mecklenburgischen Seenplatte. Sie sind entsetzt über das Hochwasser-Unglück in Westdeutschland. Archiv/Kiehn Annika
Bergfeld ·

Silvio Mai ist fassungslos. Der Landwirt vom Gut Bergfeld in der Mecklenburgischen Seenplatte kann und will nicht begreifen, warum es in Deutschland im 21. Jahrhundert zu mehr als 140 Hochwasser-Toten kommen konnte. „So viele Todesopfer mitten in Deutschland, das ist ein Unding”, sagte der Bauer am Sonnabend auf Nordkurier-Nachfrage.

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Drei Tage im Vorfeld hätten Meteorologen vor der Überschwemmung in Westdeutschland gewarnt. Die Politik habe nicht reagiert, die Medien schlecht informiert. „Es gab keinerlei Koordinierung. Das ganze Leid hätte verhindert werden können”, sagt der Landwirt.

Zu nah am Wasser gebaut

Im Nachhinein würden alle Menschen dem Klimawandel die Schuld geben. Selbiger sei vermutlich nicht ganz unbeteiligt. Dennoch wären viele Todesopfer zu verhindern gewesen, wenn sich denn die Rettungskette rechtzeitig in Bewegung gesetzt hätte, meint Silvio Mai. "Da hätte man mal Tacheles reden müssen."

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Generell sei zu überdenken, ob weiterhin so nah am Wasser gebaut werden muss. Häuser, die nur wenige Zentimeter von Flussufern entfernt stehen, seien naturgemäß hochwassergefährdet. Begradigte Flüsse seien ebenfalls ein Problem. Sein Hof in Bergfeld sei auf 78 Metern über dem Meeresspiegel von jedem Hochwasser weit entfernt. Dennoch fühle er mit den Betroffenen in West- und Süddeutschland.

Er habe keinerlei Verständnis dafür, dass die Menschen in den betroffenen Regionen nicht sehr viel nachdrücklicher gewarnt wurden, dass Campingplätze nicht geräumt wurden, dass keine Vorkehrungen getroffen wurden, dass öffentlich-rechtliche Medien nicht sehr viel deutlicher Alarm schlugen.

Silvio Mai hat im Internet ein Video eines befreundeten Bauern geteilt. Dieses ist hier zu sehen.

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