URTEIL

Lange Haftstrafe für Totschlag in Rostocker Obdachlosenheim

Das „ständige Gequatsche” habe ihn genervt: Mit 46 Stichen hat ein Mann seinen Zimmergenossen in Rostock getötet. "Sie haben ihn abgeschlachtet", sagte der Richter zum Angeklagten bei der Urteilsverkündung.
dpa
Totschlag im Obdachlosenheim: Im Prozess gegen einen 42-jährigen Mann wurde in Rostock nun das Urteil verkündet (Archivbild)
Totschlag im Obdachlosenheim: Im Prozess gegen einen 42-jährigen Mann wurde in Rostock nun das Urteil verkündet (Archivbild) Stefan Tretropp
Polizisten hatten auf dem Gelände der Unterkunft nach der Tatwaffe gesucht.
Polizisten hatten auf dem Gelände der Unterkunft nach der Tatwaffe gesucht. Stefan Tretropp
Rostock.

Wegen Totschlags in einer Obdachlosenunterkunft hat das Landgericht Rostock einen 42-jährigen Mann zu acht Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

Das Gericht sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der alkoholkranke Mann im September 2019 in der Rostocker Unterkunft einen 59 Jahre alten Zimmergenossen mit 46 Stichen getötet hatte. Vorher hatten die beiden Männer sich offenbar gestritten. Das „ständige Gequatsche” des anderen habe ihn schon lange genervt, hatte der Angeklagte in seinem Geständnis gesagt.

Nach Ansicht des Gerichts waren beide Männer stark betrunken. Der Angeklagte sei aber nicht schuldunfähig gewesen. Er war zwei Tage nach der Tat bei einer Verwandten festgenommen worden. Das Gericht ordnete an, ihn zeitweise in einer Entziehungsklinik unterzubringen.

Richter: "Sie haben ihn abgeschlachtet"

Nach dem tödlichen Angriff auf das nach Ansicht des Gerichts arg- und wehrlose Opfer legte sich der Täter in dem kleinen Zimmer, das sich die beiden teilten, bis zum nächsten Mittag schlafen. Bevor er das Heim verließ, deckte er den Toten mit einer Bettdecke zu und nahm dessen Geldbörse und EC-Karte an sich, mit der er später 410 Euro abhob. Der Tote wurde erst 40 Stunden nach der Tat von einem Heim-Betreuer gefunden. Der Täter kam für eine Nacht bei einem Bekannten unter, dem er die Tat gestand. Der Freund wollte dies aber nicht glauben.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von acht Jahren und drei Monaten beantragt. Der Verteidiger hielt dagegen drei Jahre Gefängnis für angebracht. Dieses geringe Strafmaß bewertete der Vorsitzende Richter am Ende seiner Urteilsbegründung als vollkommen unangemessen. "Sie haben einen Menschen getötet, Sie haben ihn abgeschlachtet", sagte er zum Angeklagten.

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