Im Schweriner Landtag gingen Ann-Christin von Allwörden (CDU) und Thomas de Jesus Fernandes (AfD) verbal aufeinander los.
Im Schweriner Landtag gingen Ann-Christin von Allwörden (CDU) und Thomas de Jesus Fernandes (AfD) verbal aufeinander los. NK-Archiv, CDU, AfD
Schweriner Landtag

„Leck-mich-Affäre” im feinen Schweriner Schloss

Sechs statt bisher vier Fraktionen – da wird der Kampf um die Deutungshoheit im MV-Landtag schon mal ruppiger. Doch eine Verbalattacke zwischen CDU und AfD ging nun unter die Gürtellinie.
Schwerin

Eigentlich ist der Ablauf im Parlament Mecklenburg-Vorpommerns genau geregelt. Vorne redet ein Politiker – alle anderen hören mehr oder weniger zu. Zwischendurch gibt es mal eine Frage oder eine Kurzintervention aus dem Plenum – dann antwortet der Redner mehr oder weniger. Doch nicht immer bleibt es bei dieser gesitteten parlamentarischen Ordnung. Ab und an entwickeln sich zwischen den Reihen der Fraktionen – weit ab vom Rednerpult und dem Landtagspräsidium – kleine verbale und durchaus scharfe Scharmützel.

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So, wie am Rande der Aktuellen Stunde in dieser Woche. Zum wiederholten Mal gerieten dabei CDU und AfD aneinander. Die beiden Fraktionen pflegen sowieso einen angespannten Umgang – rechnerisch ist die AfD die größte Oppositionsfraktion, doch politisch versucht die bei der Landtagswahl im Herbst vergangenen Jahres entmachtete CDU wieder schlagkräftig Tritt zu fassen. Da sind Zusammenstöße nicht auszuschließen – zumal es in beiden Fraktionen diverse Heißsporne gibt.

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Dazu zählen auch Ann-Christin von Allwörden auf CDU-Seite und Thomas de Jesus Fernandes bei der AfD. Laut CDU soll Fernandes Teile der christdemokratischen Fraktion und deren Argumentation in der Debatte um die explodierenden Energiepreise quasi auf dem kleinen Dienstweg von den AfD-Reihen hinüber zu den CDU-Reihen als „widerlich, abartig und beschämend” bezeichnet haben. Da wollte sich die CDU nicht lumpen lassen und schallte in Richtung Fernandes zurück: „Ruhig Brauner!” Ein durchaus „geflügelter Begriff” im Schweriner Schloss, hieß es anschließend zur Rechtfertigung aus der CDU.

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Das aber fand der AfD-Abgeordnete Fernandes gar nicht nett – wies unter anderem darauf hin, dass er doch so viel gar nicht in der Sonne gewesen sei. Ein Wort gab das andere – am Ende hatte CDU-Frau von Allwörden den Kanal voll und schleuderte der AfD laut Fernandes ein „Leck mich” entgegen. Das wiederum fand der wenig witzig – Fernandes beschwerte sich offiziell beim Landtagspräsidium. Das versuchte über Stunden den Worthergang zu ermitteln – am Ende des Tages wurde von Allwördens verbaler Ausrutscher als „unparlamentarisch” zurückgewiesen.

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„Zurückweisen” sei quasi nix, lediglich ein mahnender Zeigefinger, zeigte sich Fernandes wenig zufrieden. Ein Ordnungsruf wäre angebracht gewesen – aber das Präsidium mache gerne Unterschiede, wenn es um die AfD gehe, so der Tenor aus der größten Oppositionsfraktion. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

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