Lehrer und Erzieher fallen im Nordosten immer häufiger krankheitsbedingt aus. Unter anderem auch wegen psychischen Belast
Lehrer und Erzieher fallen im Nordosten immer häufiger krankheitsbedingt aus. Unter anderem auch wegen psychischen Belastungen. Das zeigt eine Studie der Barmer-Krankenkasse. Marijan Murat
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Lehrer und Erzieher in MV fehlen häufiger wegen psychischer Belastung

Lehrer und Erzieher in MV haben im bundesweiten Vergleich am häufigsten mit psychischen Problemen zu kämpfen. Sie fallen krankheitsbedingt mehr Tage im Jahr aus, als in jedem anderen Bundesland.
dpa
Schwerin

Psychische Belastungen machen Lehrern und Erziehern in Mecklenburg-Vorpommern einer Gesundheitsstudie zufolge mehr zu schaffen als deren Berufskollegen in anderen Bundesländern. So fehlten Pädagogen im Nordosten im Jahr 2020 durchschnittlich 7,5 Tage mit einer psychischen Erkrankung. Das sei der bundesweit höchste Wert gewesen, sagte Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer Ersatzkasse, am Dienstag bei der Vorstellung des Gesundheitsreports für Erzieher undLehrer.. Ähnlich hoch seien die psychisch bedingten Ausfalltage bei Erzieherinnen und Erziehern.

Lehrer und Erzieher deutlich häufiger betroffen als andere Berufsgruppen

Nach den Worten Kutzbachs ist seit Jahren eine Zunahme der psychischen Erkrankungen gerade in diesen Berufsgruppen zu verzeichnen. Infolge der Corona-Pandemie sei mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. "Lehrer und Erzieher sind seit Beginn der Pandemie extrem belastet", konstatierte Kutzbach. Zweithäufigste Krankheitsursache waren nach seinen Angaben Rückenprobleme.

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Wie aus dem Report weiter hervorgeht, fielen Lehrer im Nordosten im Schnitt insgesamt 23,5 Tage krankheitsbedingt aus, Erzieher 29,5 Tage. In süddeutschen Bundesländern fehlten Lehrer demnach im Schnitt 11, Erzieher gut 20 Tage. Auch im Vergleich zu anderen Berufsgruppen in Mecklenburg-Vorpommern waren Pädagogen und Erzieher deutlich länger krankgeschrieben. Für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Nordosten errechnete die Barmer im Jahr 2020 durchschnittlich 21,4 Krankentage.

Die von der Barmer ermittelten Daten seien eine bedrückende, aber keine ganz neue Nachricht, sagte die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner. Besorgniserregend sei vor allem der hohe Anteil psychischer Erkrankungen, für den sie die seit Jahren hohe Arbeitsbelastung verantwortlich machte. "Viele der Kolleginnen und Kollegen in den Kitas und Schulen waren auch schon vor Corona durch die Arbeitsfülle stark belastet", sagte Lindner. Arbeitgeber würden ihre Fürsorgepflicht für die Beschäftigten mitunter vernachlässigen und wenn es Programme zur Gesundheitsförderung gebe, fehle es oft an der Zeit, diese zu nutzen.

Pflichtstundenzahl für Lehrer könnten verringert werden

Lindner forderte eine Verringerung der Pflichtstundenzahl für Lehrer. Zudem sollten Lebensarbeitszeitmodelle eingeführt werden, die mehr Flexibilität ermöglichten. Entlastung für Erzieher sei am ehesten zu erreichen, wenn die Zahl der Kinder in den Gruppen verringert werde. Als anstrebenswerte Obergrenzen nannte Lindner Betreuungsverhältnisse von 1:4 in der Krippe, 1:8 in der Kita und 1:12 im Hort. "Wir wollen auskömmlich finanzierte, landesweit einheitliche Personalschlüssel", betonte Lindner.

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Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) verwies auf das betriebliche Gesundheitsmanagement für Beschäftigte an öffentlichen Schulen, für das 2021 etwa zwei Millionen Euro bereitgestanden hätten. Drei zusätzliche Stellen für Arbeitspsychologen seien eingerichtet worden, um die Angebote zu erweitern. "Wir haben großes Interesse an motivierten Beschäftigten, die gerne an den Schulen arbeiten", betonte sie. Um die Arbeitsbelastung zu senken, würden Lehrkräfte von pädagogisch nicht notwendigen Aufgaben entlastet.

Nach Einschätzung Oldenburgs zeichnet der vorgelegte Report kein vollständiges Bild vom Krankenstand der Lehrer. «Junge verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer sind von der Barmer nicht berücksichtigt worden, weil sie nicht gesetzlich, sondern privat versichert sind», erklärte Oldenburg. Nach ihren Angaben sind im Nordosten 27 Prozent der rund 12 000 Lehrkräfte verbeamtet, 73 Prozent tarifbeschäftigt.

Dem Report lagen laut Kutzbach Daten der Barmer zugrunde, die auf die gesamte Anzahl gesetzlich versicherter Personen hochgerechnet wurden. Verbeamtete Lehrer seien somit nicht in die Statistik eingegangen. Da dies aber auf alle Bundesländer zutreffe, könnten die Länderzahlen verglichen werden, betonte Kutzbach. Nach seinen Angaben zählt die Barmer bundesweit 15 Millionen Versicherte, 260 000 davon in Mecklenburg-Vorpommern.

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