Seit Jahren beherrscht der Lehrermangel die Situation an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns. Jetzt bringt ein im Wahlkampf ge
Seit Jahren beherrscht der Lehrermangel die Situation an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns. Jetzt bringt ein im Wahlkampf geäußertes Versprechen die neue Landesregierung in Bedrängnis. Julian Stratenschulte
MV-Koalitionsvertrag

Lehrer von rot-roten Versprechungen enttäuscht

So richtig glücklich sind die Lehrer in MV mit den rot-roten Bildungsplänen nicht. Ihre Hauptkritik: Das Versprechen, 1000 neue Lehrer einzustellen, sei im Koalitionsvertrag nicht einhalten worden.
Schwerin

Für jeden Bürger solle der am Montag vorgestellte Koalitionsvertrag etwas bereit halten, hatten die beiden Verhandlungsführerinnen Manuela Schwesig (SPD) und Simone Oldenburg (Linke) bei der Vorstellung des 77 Seiten dicken Papiers betont. Nun, entsprechend fiel die Reaktion von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) hinsichtlich der künftigen Bildungspolitik der Landesregierung aus – ein bisschen Zustimmung, ein wenig Ablehnung, zwischendurch harsche Kritik.

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Besonders das im Wahlkampf von der Bildungsministerin in spe, Simone Oldenburg, immer wiederholte Versprechen, in den nächsten fünf Jahren 1000 neue Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern einzustellen, und die dann im Koalitionsvertrag verankerten Aussagen klaffen inhaltlich auseinander. Aktuell sieht es eher so aus, als wenn nur 200 Stellen wirklich neu sind. Die anderen Stellen existieren bereits, sie sind nur derzeit nicht besetzt – ein anderer Teil war bislang befristet.

Deshalb macht der VBE keinen Hehl aus seiner Kritik. „Die Bildungspläne der rot-roten Landesregierung bleiben weit hinter der Erwartungen zurück. Nach dem Vorstellen des Koalitionsvertrages ist Enttäuschung in den Lehrerzimmern eingekehrt”, sagte Michael Blanck, Landesvorsitzender des VBE, einer der größten Interessensvertretung der Lehrer, am Dienstag.

Belastungsgrenze der Lehrer soll seit Jahren überschritten sein

Simone Oldenburg habe in der Vergangenheit viele Forderungen formuliert, die nicht weit von den Vorstellungen des VBE entfernt seien, erinnerte Blanck. „Nur leider findet sich davon sehr wenig im Koalitionsvertrag.” So habe die neue rot-rote Landesregierung jetzt die Chance gehabt, die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung aus Geldmangel im Jahr 2004 zu korrigieren. „Das hatte Frau Oldenburg immer signalisiert.”

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Im Koalitionsvertrag steht nun allerdings: „Die Koalitionspartner werden prüfen, ob ab 2026 bei zurückgehenden Zahlen der Schülerinnen und Schüler eine Absenkung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung oder mehr Altersanrechnungsstunden ermöglicht werden können.” Blanck mahnte, die Belastungsgrenze der Lehrkräfte sei schon seit Jahren kontinuierlich überschritten.

Susann Meyer, Sprecherin des Jungen VBE, begrüßte, dass die Lehrerausbildung gründlich reformiert und praxisnäher gestaltet werden soll. Eine mögliche Verkürzung des Referendariats sieht sie jedoch kritisch. „Wir benötigen gut ausgebildete Lehrkräfte in den Schulen. Dazu gehört aber auch ein gutes Referendariat, dass von Mentoren unterrichtsbegleitend unterstützt wird.”

Auch Annett Lindner, Co-Vorsitzende der GEW in MV, stößt das 1000-Lehrer-Versprechen sauer auf. „Da bleibt die Koalition deutlich hinter unseren Erwartungen zurück. Hier erwarten wir in den kommenden Jahren deutliche Schritte nach vorn. Der kritische Punkt ist die Finanzierung.”

Gleichzeitig betonte die GEW aber auch, dass es positive Signale gebe und die Richtung in einigen Bereichen stimme. Konkret: „Für die Kitas kommt ein Mindestpersonalschlüssel, der Bildungspakt wird fortgeführt, es gibt echte Verbesserungen für die beruflichen Schulen, eine Reform der Lehramtsausbildung ist geplant. Alle diese Punkte begrüßen wir”, stellte Lindners Vorstandskollege Maik Walm klar.

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