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„Leute, ihr müsst euch schützen im Internet “

Die Gefahren im Internet kennt Jonas Brandt genau. Er hilft seinen Mitschülern, sicher im Datennetz unterwegs zu sein.
Die Gefahren im Internet kennt Jonas Brandt genau. Er hilft seinen Mitschülern, sicher im Datennetz unterwegs zu sein.
Marlis Tautz

Der 17-jährige Jonas Brandt sagt seinen Mitschülern, wie sie sicherer durch die virtuelle Welt kommen. Er ist einer der ersten Medienscouts im Land. Demnächst sollen es mehr werden.

Das Smartphone ist stets am Mann, der Computer immer bereit – ein 17-Jähriger wie Jonas Brandt verbringt einen beträchtlichen Teil des Tages in der virtuellen Welt. Seit knapp einem Jahr bewegt er sich dort mit mehr Umsicht und Bedacht als zuvor. Ein Wochenendseminar des Landesdatenschutzbeauftragten hat den Ausschlag gegeben. Es ging um die Ausbildung von Medienscouts, die sich – wie der Name schon sagt – als Kundschafter und Informationssammler in sozialen Medien und im Internet auskennen. „Das hat mir sehr weitergeholfen“, sagt Jonas. Obwohl er seit Jahren online ist, hat ihn doch überrascht, wie viele Rechte ein Internetnutzer hat. Mit seinen Erkenntnissen und Erfahrungen hilft er jetzt anderen, ebenfalls sicherer durchs Netz zu kommen.

In allen Klassen seiner Schule, der Regionalen Schule Cambs bei Schwerin, hat Jonas Vorträge gehalten. Wer Hilfe braucht, kann ihn immer ansprechen. „Fast jeder hat Fragen oder auch Erlebnisse, über die er sprechen will“, sagt er. „Es gibt sogar Umfragen, da hat jeder Zweite auf Facebook Mobbing-Erfahrungen gemacht.“ Darum lässt er keine Gelegenheit aus, um zu warnen: „Leute, ihr müsst Euch schützen im Internet!“ Mit peinlichen Party-Fotos oder Meckereien über den Chef „da kann man sich ganz viel versauen“. Wie schnell jemand in Bedrängnis geraten kann, hat Jonas in einem Selbstversuch festgestellt: Auf der Seite von „Knuddels“, deren Betreiber sich als größte Online-Chat-Gemeinde Deutschlands darstellen, gab er sich als 14-jährige Laura aus. Im Handumdrehen hatten mehr als ein Dutzend Männer Kontakt angeboten. „Zwischen 17 und 40“, sagt Jonas. Sein Rat: Wer sich verdächtigt macht, sollte beim Seiten-Betreiber gemeldet werden. Oder die Betroffenen blocken unliebsame Absender, so dass Nachrichten von gewissen Adressen an einem Schutzwall abprallen.

Warum überhaupt so viele Kontakte über Netzwerke und Chatrooms laufen, kann Jonas, der auf dem Land lebt, schnell beantworten. „Ich regele einen ganzen Teil des Alltags so.“ Lohnt es sich, aufs Rad zu steigen und den Freund zwei Dörfer zu besuchen? Wer fährt das nächste Mal in die Stadt? Wann beginnt das Feuerwehr-Training? Fragen wie diese lassen sich für ihn online am effektivsten klären. Zudem nutzt er das Netz als Quelle und Umschlagplatz von Wissen: Als Organisator der Schuldisko wollte er das DJ-ing erlernen, also die Kunst, Musik zu mixen und Platten aufzulegen. Ein Gutteil seiner 540 Facebook-Freunde kennt er nicht persönlich, tauscht sich aber mit ihnen über das Interesse aus. Zudem gehört er zum Team der bundesweiten Selbstschutzplattform juuuport und bearbeitet Online-Anfragen zum Thema Netzsicherheit. Als einer der ersten Medienscouts im Land will Jonas Brandt nun andere zu der Ausbildung ermuntern. „Eine geile Sache, die kann man nur weiterempfehlen“, sagt er. „An jeder Schule, wo das gemacht wird, sind die Schüler um Längen bereichert.“