Das Unternehmen Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) (hier ein Foto der Docks in Kiel) hat ein Auge auf die MV Werften geworfen
Das Unternehmen Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) (hier ein Foto der Docks in Kiel) hat ein Auge auf die MV Werften geworfen. Carsten Rehder
Bezieht eine eindeutige Position gegen den „militärischen Schiffbau: die neue Linke-Chefin Vanessa Müller.
Bezieht eine eindeutige Position gegen den „militärischen Schiffbau: die neue Linke-Chefin Vanessa Müller. Frank Hormann
Schiffbau und Militär

Linke-Chefin gegen U-Boot-Bau auf MV Werften

Ist das eine Sollbruchstelle in der rot-roten Landesregierung? Vanessa Müller spricht sich eindeutig gegen „militärischen Schiffbau” auf den MV Werften aus.
Schwerin

Über die Zukunft der insolventen MV Werften wird heftig gerungen – wirtschaftlich, aber auch politisch. Dass die Kieler U-Boot-Werft Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) offenbar Interesse an einer Übernahme der MV Werften signalisiert hat, setzt die neue Führungsspitze der Linken in Mecklenburg-Vorpommern in Alarmbereitschaft.

Mehr zum Thema: Neues Linken-Spitzenduo mit 41 Jahren Altersunterschied

„Wir setzen ganz klar auf eine Lösung im Bereich des zivilen Schiffbaus”, betonten Vanessa Müller und Peter Ritter, die neue Parteispitze der Linken im Nordosten. „Marineschiffbau beziehungsweise militärischen Schiffbau und damit die Produktion von U-Booten oder Korvetten lehnen wir dagegen entschieden ab. Dies gilt erst recht, wenn solche militärischen Rüstungsprodukte auch noch für den Export in Krisenregionen dieser Welt vorgesehen sind”, hieß es am Dienstagnachmittag.

Noch bis zu fünf weitere Angebote

Im Gespräch mit dem Nordkurier und im Nachrichtendienst Twitter äußerte sich Müller noch schärfer. „Rüstungsgüter sind ausschließlich dafür gemacht, Menschen zu verletzen oder zu töten. Die aktuelle Situation zeigt uns, dass Konzerne wie Thyssen-Krupp vom Leid der Menschen profitieren. Das werden wir nicht hinnehmen”, sagte die 21-Jährige.

Lesen Sie auch: Mehr als 2000 Werft-Mitarbeiter brauchen einen neuen Job

Ob diese politische Position der Linken konträr zur SPD stehe, die mit ihrem Kanzler ein 100 Milliarden Euro schweres Aufrüstungsprogramm für die Bundeswehr auf den Weg gebracht hat? „Das sind sicherlich zwei verschiedene Positionen. SPD und Linke in MV kommunizieren aber ganz offen miteinander. Die SPD weiß, dass die Linke anti-militaristisch aufgestellt ist”, antwortete Müller.

Im Zusammenhang mit einer möglichen Zukunft der MV Werften sagte die Linke-Chefin, dass es aber auch vier bis fünf weitere Angebote gäbe – und die würden nicht alle im Bereich des militärischen Schiffbaus liegen. Es sei notwendig, beispielsweise Schiffe klimafreundlicher umzurüsten oder auch im Bereich von Off-Shore-Technologie Aufträge zu generieren.

Insolvenzverfahren seit 1. März

Im Gegensatz zu Müller reagierte die oppositionelle CDU-Fraktion sichtlich zufrieden auf die Überlegungen der TKMS. „Für die MV Werften wäre eine Übernahme durch TKMS eine sehr große Chance. TKMS hat volle Auftragsbücher, die Werft ist über Jahre mit dem Bau von U-Booten ausgelastet, kann darüber hinaus aber auch Korvetten, Fregatten und Spezialschiffe bauen. Dadurch, dass die Werft vor allem an staatliche Auftraggeber liefert, ist das unternehmerische Risiko zudem vergleichsweise klein”, meinte Fraktionschef Franz-Robert Liskow.

Sebastian Ehlers, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, ergänzte auf Twitter: „Von der rot-roten Landesregierung erwarte ich, dass sie die Übernahme nicht aus ideologischen Gründen zerredet, sondern wohlwollend begleitet.” Ein deutlicher politischer Seitenhieb in Richtung Rot-Rot und einem möglichen Konflikt in der Landesregierung.

Für die MV Werften hatte am 1. März das Insolvenzverfahren begonnen. Grund für die Insolvenz war der Corona bedingte Einbruch auf dem weltweiten Kreuzfahrt-Markt, durch den der bisherige Werfteigner Genting Hongkong seine Zahlungsfähigkeit verloren hatte. Unklar ist, ob der von Genting in Auftrag gegebene Riesen-Kreuzliner „Global Dream 2” noch fertig gebaut werden kann.

zur Homepage