Wenke Brüdgam aus Tribsees und der Neubrandenburger Landtagsabgeordnete Torsten Koplin sind die Co-Vorsitzenden der Links
Wenke Brüdgam aus Tribsees und der Neubrandenburger Landtagsabgeordnete Torsten Koplin sind die Co-Vorsitzenden der Linkspartei in M-V. Stefan Sauer
Bitcoin-Millionär

Linke in MV halten Millionenspende an Grüne für moralische Geldwäsche

Nach der Mega-Spende eines Bitcoin-Millionärs aus Greifswald an die Grünen kommt nun Kritik auf. Was zu der Frage führt: Was sind eigentlich diese Bitcoins, und gibt es die auch als Hartgeld?
Greifswald

Die beiden Landesvorsitzenden der Linkspartei in Mecklenburg-Vorpommern haben den Grünen nach der Millionen-Spende eines Bitcoin-Investors „moralische Geldwäsche“ vorgeworfen. Die Kryptowährung verursache einen gigantischen Energieverbrauch und hinterlasse einen unverantwortlichen CO2-Abdruck, erklärte die Landesvorsitzende, Wenke Brüdgam, am Dienstag.

„Moralische Geldwäsche”

Nach einem Beschluss des Landesvorstandes forderte sie alle demokratischen Parteien auf, Spenden in Zusammenhang mit Bitcoins abzulehnen. „Wir betrachten den aktuellen Vorgang um die Bitcoin-Spende an die Grünen als moralische Geldwäsche, die einem Ablasshandel gleichkommt.“

Brüdgam meinte, die Million wäre sicher besser angelegt gewesen, wenn man sie beispielsweise für die Renaturierung von Mooren gespendet hätte. „Moore speichern CO2. Das wäre weitaus besser fürs Klima gewesen als rekordverdächtige Parteispenden.“ Ihr Vize-Landesvorsitzender Torsten Koplin ergänzte: „Für uns steht fest: Genauso wie wir weiterhin Unternehmensspenden ablehnen, prüfen wir Zuwendungen aus moralisch fragwürdigen Quellen.“

Anonymes und dezentrales Netzwerk

Laut Bundestagswebsite heißt der Spender Moritz Schmidt. Über einen Sprecher der Grünen ließ er vergangene Woche mitteilen, dass er mit seiner Spende einen „Impuls setzen für einen Politikwechsel hin zu mehr Umwelt- und Klimaschutz” wolle. Inzwischen sehe er das Bitcoin-System kritisch, unter anderem auch vor dem Hintergrund, dass die nötigen Rechenoperationen riesige Mengen Strom verbrauchen würden, heißt es weiter. Die Parteispende an die Grünen war durch eine Veröffentlichung des Bundestags bekannt geworden. Parteien müssen Spenden ab 50.000 Euro beim Bundestagspräsidenten anzeigen.

Der Bitcoin ist eine digitale Geldwährung, welche ohne Banken oder Regierungen funktioniert. Er entstand im Jahr 2009. Jeder Mensch mit einem Computer und einem Internetzugang kann Bitcoins benutzen. Dafür benötigt man lediglich eine Wallet, quasi eine digitale Geldbörse. Die Wallet wird auf dem Computer oder bei einem Online-Anbieter gespeichert. Hinter der Wallet verbirgt sich auch eine Bitcoin-Adresse, mit der man Zahlungen senden und empfangen kann.

Die Abwicklung von Zahlungen erfolgt im Bitcoin-Netzwerk anonym und dezentral. Es gibt also nicht den einen Computer, auf dem Zahlungen erfasst und gespeichert werden. Alle Transaktionen, also alle Zahlungen, werden zu Blöcken zusammengefasst. Um die in einem Block befindlichen Transaktionen auszuführen und zu bestätigen, muss an jedem Block eine kryptografische Aufgabe gelöst werden. Das erledigen sogenannte Bitcoin-Miner. Jeder im Netzwerk kann ein Bitcoin-Miner werden, seine Rechenkapazität dem Netzwerk zur Verfügung stellen und so die Aufgabe lösen lassen.

Stromverbrauch wie mehrere Länder zusammen

Ist die kryptografische Aufgabe eines Blocks gelöst, werden die darin zusammengefassten Transaktionen ausgeführt. Der Miner erhält eine Belohnung in Form von Bitcoins. Mit zunehmender Bitcoin-Anzahl werden diese kryptografischen Aufgaben aber immer komplexer, erfordern also mehr Rechenleistung, sodass mittlerweile ganze Serverfarmen dafür existieren. Vor zehn Jahren war es durchaus noch erträglich, mithilfe seines eigenen Computers als Miner am Bitcoin-Netzwerk teilzunehmen.

Spender Moritz Schmidt hat mit seiner Kritik also nicht Unrecht. Die Bitcoin-Währung und ihre riesigen Serverfarmen verbrauchen mittlerweile mehr Energie als Neuseeland und Belgien zusammen und schaden damit der Umwelt und dem Klima, schreibt zum Beispiel die Deutsche Welle. Das hat unter anderem eine Studie der University of Cambridge bestätigt.

Warum wird Kryptowährung aber mittlerweile an der Börse gehandelt und derzeit wieder populär? Mit Stand Mittwoch erhält man für einen Bitcoin 46.172,76 Euro. Wer also in der Anfangszeit Bitcoins geschürft hat, dürfte heute ein Vermögen besitzen. Zudem kündigte Tesla-Chef Elon Musk im Februar an, mit seinem Unternehmen in den Bitcoin zu investieren und die Digitalwährung künftig als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

Aber ist der Bitcoin wirklich eine gute Geldanlage? Kann man über Nacht damit reich werden? Oder wenigstens langfristig Vermögen aufbauen? Experten sind sich in diesen Fragen bisher nicht wirklich einig.

Breite Masse ist skeptisch

Schon bei der Frage, ob Bitcoin und Co. eine eigene Anlageklasse sind, wie etwa Aktien, Rohstoffe oder Immobilien, gehen die Meinungen auseinander. Es würden noch staatliche Akzeptanz und eine gewisse Regulierung fehlen, argumentieren die einen. Die anderen verweisen auf eigene Börsen, den Handel mit Bitcoins und die Möglichkeit, sie in reale Währungen zu tauschen. Stephan Witt von der Finum Private Finance AG sagt: Kryptowährungen sind eine eigene Assetklasse. „Selbst Banken und Wirtschaftsunternehmen nutzen und investieren mittlerweile in dieser Anlageklasse.”

Privatanleger sind allerdings noch ziemlich skeptisch. Gerade einmal zwei Prozent der über 16-Jährigen in Deutschland haben bislang in Bitcoin oder andere Kryptowährungen investiert, zeigt eine Umfrage des IT-Verbandes Bitkom.

„Kryptowährungen sind ein Spekulationsobjekt”, sagt Prof. Hartmut Walz, Verhaltensökonom an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. Von einer Währung will Walz hier noch nicht sprechen. „Es ist eher ein Wertspeicher.” Ähnlich wie beim Gold, ist das Angebot begrenzt.

Sind Kryptowährungen die neuen Rohstoffe?

Ist der Bitcoin also das neue Gold? Nein, findet Markus Richert von Portfolio Concept Vermögensmanagement, denn ein Bitcoin besitzt keinen inneren Wert. „Gold wird zumindest zu einem gewissen Anteil auch als Rohstoff in der Industrie genutzt.”

Marcel Uhlmann, Projektleiter für Kryptowährungen bei der V-Bank sieht das anders: „Gold wird seit Jahrhunderten als Wertspeicher verwendet, weil es sehr rar ist und nicht beliebig vermehrt werden kann. Diese Eigenschaften gelten genauso für Bitcoin.”

Aus Sicht von Prof. Hartmut Walz sollten Anleger vorsichtig bleiben. „Die 'Lindy-Regel' ist eine wertvolle Orientierung für derartige Marktsituationen”, sagt Walz. Kernaussage der Regel: Je länger Systeme und Organisationen bereits existieren, desto höher ist die Überlebenswahrscheinlichkeit.

Im Vergleich zu Gold heißt das: Das Edelmetall existiert tausende Jahre als Zahlungsmittel. Ob das bei Kryptowährungen auch so sein wird, ist ungewiss. „Es kann zum Beispiel jederzeit sein, dass hier die Regulierung zuschlägt.”

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