Fachkräftemangel

Linke kritisiert Kita-Personalplanung

In gut drei Jahren soll die Kinderbetreuung in Mecklenburg-Vorpommern für Eltern kostenfrei sein. Über die Finanzierung muss noch verhandelt werden. Die Linke mahnt jedoch, darüber die Qualität der Betreuung nicht länger zu vernachlässigen.

Die Linke warnt vor einem dramatischen Fachkräftemangel in den Kitas von Mecklenburg-Vorpommern. „Wer die kostenfreie Kita verspricht, muss auch dafür sorgen, dass die Qualität der Betreuung stimmt und genügend Erzieherinnen und Erzieher in den Einrichtungen sind”, mahnte die Linken-Landtagsabgeordnete Jaqueline Bernhardt.

Sie warf der SPD/CDU-Regierung in Schwerin vor, die Stellenplanungen über Jahre hinweg nicht angepasst zu haben. Das habe mit dazu geführt, dass zu wenig Fachkräfte ausgebildet wurden und nun zunehmend Ungelernte in der Kinderbetreuung eingesetzt würden. «280 solcher Ausnahmegenehmigung sind ein beredtes Zeugnis dafür, dass mit der Personalplanung etwas nicht stimmt”, betonte Bernhardt. In den nächsten zehn Jahren erreiche jede vierte der rund 11 000 Erzieherinnen im Nordosten das Rentenalter.

Zudem verwies sie darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern im Ländervergleich bei den Betreuungsschlüsseln weit hinten liege. In der Krippe kümmere sich eine Fachkraft um 6 Kinder, im Kindergarten um 15 und im Hort um 22. „Wer Qualität will und Inklusion ernst nimmt, der muss die Gruppen kleiner machen. Das aber erfordert mehr gut ausgebildete Betreuer”, sagte die Oppositionspolitikerin und votierte für bundesweit einheitliche Betreuungsschlüssel.

Offener Brief an Schwesig beklagt Mangel und Überlastung

Die von der Landesregierung initiierte praxisnahe dreijährige Erzieherausbildung entfalte bislang nicht die erhoffte Wirkung. Von 125 angekündigten Ausbildungsplätzen seien lediglich 85 besetzt. Und das, obwohl die Lehre kürzer sei und im Gegensatz zu den bisherigen Ausbildungsgängen mit Schulgeld sogar vergütet werde.

In Kitas freier Träger verdienten Erzieherinnen zudem meist deutlich weniger als ihre Berufskolleginnen in städtischen Einrichtungen. Bernhardt forderte die Regierung auf, mehr Geld ins System zu geben und in den Entgeltverhandlungen auf tarifgleiche Entlohnung zu dringen.

Die Probleme seien bekannt, würden von der Regierung aber ignoriert, beklagte Bernhardt und verwies auf einen offenen Brief des Kita-Stammtisches Rostock an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Auch darin sei die Sorge um Qualitätsverlust, Personalmangel, Überlastung, schlechte Vergütung und unzureichende finanzielle Ausstattung deutlich geworden. „Das Kita-System des Landes ist ein Flickenteppich. Immer mehr Löcher werden gerissen und nicht mehr gestopft. So kann das nicht weitergehen”, mahnte Bernhardt.

Schwesig hatte Mitte März im Landtag angekündigt, die Eltern spätestens 2021 vollständig von Kita-Gebühren zu befreien, einen Teil übernimmt das Land bereits. Laut Kitagesetz steuert das Land je Kita-Platz regulär etwa 1300 Euro im Jahr zu, knapp ein Drittel der Kosten übernimmt der Träger, den Rest teilen sich bislang Kommunen und Eltern.

dpa

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