Durch Impfen gegen das Coronavirus soll eine sogenannte Herdenimmunität entstehen.
Durch Impfen gegen das Coronavirus soll eine sogenannte Herdenimmunität entstehen. Bernd Wüstneck
Herdenimmunität

Linke sieht vor Impfstart Glawes Prognose skeptisch

Wann wird die sogenannte Herdenimmunität gegen das Coronavirus im Nordosten wirken? Der Gesundheitsminister zeigt sich optimistisch, die Linke zweifelt hingegen.
dpa
Schwerin

Die Linke hegt erhebliche Zweifel an der optimistischen Prognose von Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU), bis zum Sommer genügend Menschen im Land gegen Corona impfen zu können. „Bei aller Freude und Zuversicht darüber, dass ein Impfstoff zur Verfügung steht, sollte die Landesregierung mit ihren Impf-Zielen allerdings realistisch bleiben”, mahnte am Mittwoch der Gesundheitsexperte der Linksfraktion im Landtag, Torsten Koplin.

Am Sonntag soll landesweit mit den Schutzimpfungen begonnen werden. Für die erste Woche stehen knapp 30 000 Impfdosen bereit und danach je Woche zunächst nur 15 000. Pro Person werden zwei Dosen benötigt.

Herdenimmunität im Sommer?

Koplin reagierte auf Aussagen Glawes vom Vortag. Dabei hatte sich der Minister zuversichtlich geäußert, dass bei ausreichendem Impfstoff- Nachschub von Beginn des neuen Jahres an bis zum Sommer so viele Menschen im Nordosten geimpft werden können, dass die sogenannte Herdenimmunität erreicht wird. Dazu müssten 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden.

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Nach Angaben Koplins wären das 960 000 bis 1,12 Millionen Einwohner des Landes. Um das Ziel bis Ende Juni zu erreichen, seien pro Monat 160 000 bis 187 000 Impfungen erforderlich. Doch werde die monatliche Impfkapazität der zwölf Impfzentren im Land ab März mit 75 000 angegeben. Bei „nüchterner Betrachtung” sei somit in Mecklenburg-Vorpommern bis Ende August wohl eher mit 500 000 Geimpften zu rechnen. „Wenn alles gut läuft und alle mitmachen”, so Koplin. Unberücksichtigt blieb in dieser Hochrechnung, dass Kliniken und später auch Hausärzte ebenfalls impfen sollen, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung steht.

Spahn gleicher Ansicht wie Glawe

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, bis zum Sommer allen Bürgern in Deutschland ein „Impfangebot” machen zu können – sofern die Impfstoffe, die sich in der Endphase der Studien befinden, auch eine Zulassung erhalten. Das sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin”. Er rechne bis Ende März mit elf bis zwölf Millionen Impfdosen.

Koplin sagte, es sei verständlich, dass gerade in diesen Tagen auch die Landesregierung auf das Prinzip Hoffnung setze. „Aber das ersetzt keine belastbaren Zahlen und keine Strategie für die nächsten Wochen und Monate.”

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