Darf er oder darf er nicht? Um einen Rostocker Auftritt des Sängers Xavier Naidoo wird in der Politik gerade gestritten.
Darf er oder darf er nicht? Um einen Rostocker Auftritt des Sängers Xavier Naidoo wird in der Politik gerade gestritten. Uwe Anspach
Streit um Auftritt

Madsen will Verbot von Xavier Naidoo-Konzert in Rostock kippen

Der Streit um ein Konzert des umstrittenen Sängers Xavier Naidoo in Rostock geht in die nächste Runde. Nun hat der Oberbürgermeister Widerspruch gegen ein Auftrittsverbot eingelegt.
Rostock

Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hat Widerspruch gegen die Entscheidung der Bürgerschaft eingelegt, kein Konzert des umstrittenen Sängers Xavier Naidoo im August in der Rostocker Stadthalle zuzulassen. Die Stadtvertreter waren in ihrer letzten Sitzung am 20. Mai der Ansicht, dass Naidoo den Reichsbürgern und der QAnon-Bewegung nahestehe und rassistische Ressentiments schüre. Wie die Stadt am Mittwoch mitteilte, schloss sich Madsen den zuvor von der Stadtverwaltung geäußerten rechtlichen Bedenken gegen die Bürgerschaft-Entscheidung an. Naidoo oder sein Management waren für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

Öffentliche Einrichtungen wie die Stadthalle seien zur Wahrung des Gleichheitsgrundsatzes verpflichtet, teilte die Stadt mit. Kein Veranstalter oder Künstler dürfe ausgeschlossen werden, weil der Vermieter von Einrichtungen deren religiösen oder politischen Ansichten nicht teile. Die Verwaltung hatte zudem argumentiert, dass nach einer Absage ein Imageverlust für die Stadt drohe. Es bestünden Bedenken über die Auswirkungen auf zukünftige, ähnlich gelagerte Fälle.

Eventuell muss Innenministerium als letzte Instanz entscheiden

Grund für den Widerspruch Madsens könnten vor allem die finanziellen Konsequenzen für Rostock sein. Zwischen Naidoo und „inRostock“ gibt es rechtskräftige Verträge, wegen Corona wurden aber alle Konzerttermine 2020 und 2021 abgesagt. Dennoch hat Naidoo laut den Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch einen Anspruch darauf, über Ersatztermine zu reden. Die Agentur von Naidoo könnte bei Absage also Schadenersatz verlangen.

Nach Mitteilung der Stadt hat der Widerspruch von Madsen aufschiebende Wirkung. Die Bürgerschaft werde sich bei ihrer nächsten Sitzung erneut mit dem Thema befassen. Sollte die Gemeindevertretung bei ihrer Meinung bleiben, könne der Fall dem Innenministerium als Kommunalaufsicht vorgelegt werden.

Der Sänger fällt seit Jahren mit antisemitischen, Verschwörungsmythen- und Reichsbürger-Aussagen auf. Zuletzt hat er in einem Anti-Impf-Song namens „Ich mach da nicht mit” die Zeile „Das kann gar nicht sein, wir lassen dieses Gift nicht in unsere Körper rein”, gesungen. In dem Musikvideo äußern sich verschiedene, teils rechte Rapper gegen Maskenpflicht und Corona-Maßnahmen. Krude Theorien über die von der Regierung geplante Versklavung der Bevölkerung sind ebenso Teil davon wie Gewaltfantasien gegen Impfzentren.

Der Artikel ist am 2.06.2021 um 16:15 Uhr aktualisiert worden.

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