GEDENKEN AN ROSTOCKER NSU-OPFER

Mahnmal erinnert an Mehmet Turgut

Es hat lange gedauert, bis sich die Rostocker auf eine Form des Gedenkens an das NSU-Opfer Mehmet Turgut in der Stadt einigten. Genau zehn Jahre nach der Bluttat wurde jetzt das Mahnmal eingeweiht. 250 Menschen kamen zum Gedenken.
dpa
Mustafa (l) und Yunus Turgut legen einen Kranz auf das Mahnmal zum Gedenken an ihren ermordeten Bruder Mehmet Turgut nieder.
Mustafa (l) und Yunus Turgut legen einen Kranz auf das Mahnmal zum Gedenken an ihren ermordeten Bruder Mehmet Turgut nieder. Axel Heimken
Eine Frau legt eine Rose auf das Mahnmal.
Eine Frau legt eine Rose auf das Mahnmal. Axel Heimken
Rostocker Bürger halten ein Plakat mit der Aufschrift "In Gedenken an Mehmet Turgut - von Neonazis erordet". Etwa 250 kamen zur offiziellen Einweihung des Denkmals.
Rostocker Bürger halten ein Plakat mit der Aufschrift "In Gedenken an Mehmet Turgut - von Neonazis erordet". Etwa 250 kamen zur offiziellen Einweihung des Denkmals. Axel Heimken
Zwei Betonbänke erinnern an das mutmaßliche Opfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) Mehmet Turgut.
Zwei Betonbänke erinnern an das mutmaßliche Opfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) Mehmet Turgut. Axel Heimken
Vor zehn Jahren wurde Mehmet Turgut in Rostock ermordet.
Vor zehn Jahren wurde Mehmet Turgut in Rostock ermordet. Axel Heimken
Rostock.

In einer bewegenden Zeremonie ist am Dienstag in Rostock das Mahnmal zur Erinnerung an das Opfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), Mehmet Turgut, eingeweiht worden. Es besteht aus zwei, sich versetzt gegenüberstehenden Betonbänken mit Inschriften in deutscher und türkischer Sprache. Der 25-jährige Turgut war am 25. Februar 2004 in einem Imbisscontainer im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel ermordet worden. Rund 250 Menschen hatten sich nun an dem Tat- und Gedenkort eingefunden.

Bruder: So etwas soll in Deutschland nie wieder passieren

"Es ist schrecklich, nicht zu wissen, weshalb unser Bruder getötet wurde", sagte der heute 22-jährige Mustafa Turgut. Er sei aus dem Leben gerissen worden. Jeder Angehörige der NSU-Opfer wünsche sich, dass sie im Laufe des derzeitigen Münchner Prozesses Antworten auf die vielen ungeklärten Fragen bekommen. Die Täter sollten bestraft und die Helfer ausfindig gemacht werden. "Wir wünschen uns, dass so etwas in Deutschland nie wieder passiert."

Dem NSU werden zwischen den Jahren 2000 und 2007 zehn Morde zur Last gelegt - meist an Migranten. Polizei und Nachrichtendienste waren den Tätern jahrelang nicht auf die Spur gekommen. Sie flogen erst Ende 2011 auf.

"Keine Alternative zu Toleranz"

Nach den Worten des türkischen Botschafters Hüseyin Avni Karslioglu bietet der NSU-Prozess die Chance, die Frage nach dem "Warum" zu beantworten. "Die Motive der Morde und warum sie über eine lange Zeit nicht aufgedeckt werden konnten, müssen genau untersucht werden." Er hoffe, dass die offiziellen Stellen die Lehren daraus ziehen. "Es gibt keine Alternative zu einer Willkommenskultur und Toleranz", sagte der Botschafter.

Der von dem Leipziger Künstler Tobias-David Albert gestaltete Gedenkort soll nach Ansicht von Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) am Tatort zum leisen Dialog und zu Begegnungen zwischen Menschen anregen.

In der Nacht zu Dienstag waren in Rostock etwa 30 Straßenschilder mit dem Schriftzug "Mehmet-Turgut-Straße" beklebt worden. Die Initiative "Mord verjährt nicht" hatte dies zuvor gefordert. Vor rund zwei Jahren hatte der zuständige Ortsbeirat die Umbenennung des Neudierkower Wegs, wo der Mord geschah, abgelehnt. Er wollte keinen Wallfahrtsort für Rechte.

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