Awo-Affäre
Manuela Schwesig soll in den Zeugenstand

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
Stefan Sauer

Die Missstände im Awo-Landesverband MV schlagen bundesweit hohe Wellen. Die Bundes-Awo will die Frage klären, warum eine regionale Wohlfahrtsorganisation eine Kita auf Mallorca betreibt.

„Die Arbeiterwohlfahrt ist bundesweit hellhörig geworden. Es läuten Alarmglocken“, sagt Wolfgang Stadler, Bundesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo), im Gespräch mit dem Nordkurier. Stadler, der vor 40 Jahren in der Awo als Zivildienstleistender begann, räumt ein, dass die Reaktionen auf aktuelle Berichterstattung „alles toppen, was wir bisher hatten“.

Vor diesem Hintergrund macht er deutlich, dass „wir die Aktivitäten des Kreisverbandes Schwerin-Parchim und dessen Motive sehr detailliert mit dem Landesverband untersuchen werden – und die Ergebnisse auch transparent veröffentlichen werden“.

Zu Projekten, die von der der Awo betrieben werden, sagte Stadler: „Man kann nicht alles machen, was gerade interessant erscheint. Man muss auch vorausschauen, welche Außenwirkung ein Engagement hat.“ Beim Betrieb einer Kita auf Mallorca sieht er nach den bisherigen Erkenntnissen „keinen Anhaltspunkt, um humanitäre Hilfe zu leisten“. Wenn sich die Awo auf einer griechischen Insel wie Lesbos im Rahmen der Flüchtlingshilfe engagiere, hätte er dafür Verständnis.

Bundes-Chef der Awo findet Vielzahl der Kreisverbände unglücklich

Stadler interessiert jetzt vor allem die Frage, warum die Awo Schwerin die Kita eröffnet hat. Die ins Spiel gebrachte Akquirierung von Fachkräften sieht der Bundesvorsitzende als „kein stichhaltiges Argument“. Allerdings will er für ein abschließendes Urteil den Untersuchungsbericht abwarten.

Dass der Awo-Landesverband MV erneut in die Negativschlagzeilen geraten ist, löst beim Bundes-Chef grundsätzliche Überlegungen aus: „Dass es in einem Bundesland mit nur noch sechs Landkreisen 15 Awo-Kreisverbände mit entsprechenden Verwaltungsstrukturen gibt, ist eher unglücklich.“ Trotz aller Autonomie der Kreisverbände müssten Landes- und Bundesverband gegebenenfalls ihre Strukturen nachschärfen, um bestimmte Projekte, die vor Ort initiiert werden, vielleicht doch noch mal zu überprüfen.

Gleichzeitig wies Stadler darauf hin, dass die Wohlfahrt nach der vom Nordkurier aufgedeckten Awo-Affäre im Kreisverband Müritz neue Richtlinien für eine verantwortungsvolle Verbands- und Unternehmensführung aufgestellt habe, die vom Landesverband umgesetzt würden.

AfD will Schwesig als Ex-Sozialministerin in den Zeugenstand holen

Dass es auch in der Amtszeit von Manuela Schwesig (SPD) als Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern keine Förderrichtlinie bei der Vergabe von Steuergeldern an die Sozialverbände gegeben hat, soll im übrigen im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgearbeitet werden.

Die AfD-Fraktion im Schweriner Landtag kündigte am Mittwoch an, alle fraglichen Sozialminister in den Zeugenstand rufen zu wollen. Die heutige Ministerpräsidentin war in den Jahren 2008 bis 2013 als Sozialministerin für die Vergabe von entsprechenden Fördergeldern an die Sozialverbände politisch zuständig.