In der Rostocker Innenstadt hatten sich wieder mehrere tausend Menschen eingefunden.
In der Rostocker Innenstadt hatten sich wieder mehrere tausend Menschen eingefunden. Bernd Wüstneck/dpa
Der Demonstrationszug war zeitweise von der Polizei gestoppt, weil die Maskenpflicht nicht eingehalten wurde.
Der Demonstrationszug war zeitweise von der Polizei gestoppt, weil die Maskenpflicht nicht eingehalten wurde. Bernd Wüstneck/dpa
Parallel zu der Demonstration gegen Corona-Einschränkungen und Impfpflicht fand in Rostock eine Gegendemonstration statt.
Parallel zu der Demonstration gegen Corona-Einschränkungen und Impfpflicht fand in Rostock eine Gegendemonstration statt. Bernd Wüstneck/dpa
Während der Demonstration am Montagabend in Neubrandenburg.
Während der Demonstration am Montagabend in Neubrandenburg. Felix Gadewolz
Corona-Maßnahmen

Mehr als 15.000 Menschen protestieren in MV

Erneut haben am Montagabend tausende Menschen in Mecklenburg-Vorpommern gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert.
Rostock

In Mecklenburg-Vorpommern haben am Montag erneut tausende Menschen gegen Corona-Einschränkungen und eine Impfpflicht demonstriert. Die Polizei registrierte an mehr als 20 Orten insgesamt mehr als 15.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die größten Protestaktionen wurden aus Rostock, Schwerin und Neubrandenburg gemeldet. Aber auch in Greifswald, Neustrelitz, Waren, Röbel, Wismar, Stralsund und Anklam kamen jeweils mehrere hundert Menschen, die zu Losungen wie „Gemeinsam gegen Ausgrenzung“ demonstrierten. Kleinere Gegenveranstaltungen dazu gab es in Rostock, Greifswald, Neubrandenburg und Anklam.

In Rostock wurden laut Polizei 4000 Demonstranten gezählt, in Schwerin rund 2400, in Neubrandenburg rund 1800 und in Greifswald 650. In Greifswald versuchten Gegner den Protestzug mit Sitzblockaden aufzuhalten. Bei den angemeldeten und unangemeldeten Protesten blieb es überwiegend friedlich, wie die Polizei am Abend in verschiedenen Einsatzberichten bilanzierte. Dennoch gab es einige Zwischenfälle.

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Gewalt in Rostock

In Rostock zogen mehrere tausend Protestteilnehmer durch die Innenstadt, wobei die Polizei immer wieder auf die Maskenpflicht hinweisen oder den Zug deshalb stoppen musste. An einige Stellen versuchten Demonstranten, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen, worauf die Beamten auch Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzten. Vereinzelt seien auch Böller geflogen. In Rostock berichtete die Polizei am Abend von bis zu 4000 Personen, die sich an einem Aufzug durch die Innenstadt beteiligt hätten. Bei einer Gegendemonstration sollen insgesamt rund 300 Personen teilgenommen haben.

Die Teilnehmer in Rostock kamen laut Polizeibericht "zum deutlich überwiegenden Anteil aus dem bürgerlichen Spektrum". Jedoch seien, wie schon in der vergangenen Woche, auch Personen aus dem rechten Spektrum und der gewaltbereiten Fußball-Fanszene gesichtet worden. Von diesen Personen sei mehrfach Gewalt ausgegangen. Im Polizeibericht heißt es dazu: "Durch das präsente Auftreten, teils an der Spitze des Demonstrationszuges mit Bannern, und das aggressive Verhalten gegenüber der Polizei lenkten sie über einen langen Zeitraum die Versammlung." Insgesamt seien zehn 10 Strafanzeigen aufgenommen worden. Die Polizei war mit 580 Kräften im Einsatz.

Verfassungswidriger Gruß in Schwerin

In Schwerin zählte die Polizei rund 2400 Teilnehmer. Fünf von ihnen hatten einen Platzverweis erhalten, wie eine Polizeisprecherin in einem Einsatzbericht am Abend mitteilte. So hätten vier betrunkene Personen die Versammlung gestört, in dem mit Flaschen hantierten. Zudem soll während der Abschlusskundgebung ein Versammlungsteilnehmer eine verfassungswidrige Grußform in Richtung der Gegenversammlung gezeigt haben. Gegen den 54-jährigen Deutschen sei ein Strafverfahren eingeleitet worden, er erhielt einen Platzverweis.

Kerzen vor dem Rathaus in Grevesmühlen

In Wismar beteiligten sich laut Polizei bis zu 650 Menschen an einem Aufzug mit dem Motto "Einigkeit und Recht und Freiheit – Für freie Gesundheit & Impfentscheidung – Keine Spaltung". Um den Mindestabstand einzuhalten habe sich der Aufzug etwa 400 Meter in die Länge gezogen, wodurch es zu Verkehsbeeinträchtigungen gekommen sei.

Zeitgleich fand in Grevesmühlen eine Versammlung auf dem Marktplatz statt, die nicht angemeldet gewesen sei. Auch diese habe sich laut Polizei gegen die aktuelle Corona-Politik gerichtet. 17 Personen seien dabei still durch die Innenstadt gezogen und hätten den Mindestabstand "grundsätzlich eingehalten". Zum Abschluss stellten sie mehrere Kerzen vor dem Rathaus ab.

Verstoß gegen Auflagen in Grimmen

In Neustrelitz nahmen etwa 700 Menschen an einer Versammlung gegen die Impfpflicht teil. Weitere Proteste wurden unter anderem aus Parchim, Stralsund, Barth, Güstrow, Grimmen und Pasewalk gemeldet. Vereinzelt musste die Polizei Ordnungsgelder an Teilnehmer verhängen, die sich nicht an Auflagen hielten.

So habe sich etwa in Grimmen eine "niedrige zweistellige Anzahl von Personen" renitent gegen die Auflage zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gewehrt, wie eine Polizeisprecherin am Abend mitteilte. Ein Teil von ihnen musste sogar aufgrund ihres Verhaltens aus der Versammlung ausgeschlossen werden, hieß es dazu weiter.

Eine verletzte Demonstrantin in Güstrow

Im Bereich der Polizeiinspektion Güstrow zählte die Polizei insgesamt rund 619 Personen bei verschiedenen Demonstrationen. Angemeldete Versammlungen hätten demnach in Teterow und Schwaan stattgefunden. Unangemeldet zogen dagegen Menschen durch Güstrow, Bützow und Laage. "Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Versammlungen, an denen überwiegend bürgerliches Klientel, so auch Familien mit Kindern teilnahmen, einen friedlichen Verlauf genommen haben", schrieb eine Sprecherin in einer Zusammenfassung des Abends. Abstände seien eingehalten worden.

In Güstrow, wo 290 Protestierende unterwegs gewesen sein sollen, habe sich der Aufzug unkooperativ verhalten, was die Lenkung und Aufforderungen der Polizei betraf. "Durch eine starke Präsenz ist es gelungen, die Aufzüge in der Innenstadt zu halten", so die Sprecherin. Immer wieder habe es lautstarken Protest gegen die Polizeipräsenz gegeben. Eine Demonstrantin sei verletzt worden, als sie am Markt von einem Auto angefahren wurde.

Böller in Sternberg

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim zählte die Polizei 470 Teilnehmer bei fünf Demonstrationen in Plau, Parchim, Boizenburg, Ludwigslust und Sternberg. Die Proteste seien überwiegend friedlich verlaufen, wenngleich etwa in Boizenburg "bei einem Teil der Protestierenden eine recht aufgeheizte Grundstimmung festzustellen war". Bei unangemeldeten Protesten in Boizenburg, Ludwigslust und Sternberg hatte die Polizei nach Anmeldern gesucht und teilweise Anzeigen gegen Verdächtige erstattet. In Sternberg soll zudem ein Teilnehmer einen Böller gezündet haben, es sei aber störungsfrei und friedlich geblieben.

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Strenge Regeln seit Wochenbeginn

In großen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, darunter in den Landkreisen Rostock, Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald und der Mecklenburgischen Seenplatte gibt es wegen hoher Corona-Infektionszahlen seit Wochen strengere Beschränkungen als in vielen anderen Teilen Deutschlands. So sind unter anderem Schwimmbäder, Theater und Kinos geschlossen. In Gastronomie und Handel gelten weitgehende 2G- und 2G-Plus-Regeln.

Vor einer Woche waren landesweit etwa 12.000 Teilnehmer bei den Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in mehr als 20 Städten gezählt worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen lag am Montag in Mecklenburg-Vorpommern bei 419,4 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Die Zahlen am Montag: Corona-Inzidenz sinkt leicht – 20 neue Todesfälle

Aktualisierung: Um 22 Uhr wurden weitere Informationen und Teilnehmerzahlen auf Grundlage von Polizeischätzungen ergänzt.

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Kommentare (1)

Ihr eigentlicher Feind sind gar nicht die Politiker. Ihr wahrer Feind ist das Covid-19-Virus und seine Varianten. Manchmal kann es helfen um die Ecke zu denken. Doch das ist vielen schon zu kompliziert.