DLRG-STATISTIK

Mehr Badetote in MV – weniger in Brandenburg

2017 gab in Deutschland weniger Badetote als im Vorjahr. In MV ist die Zahl jedoch gegen den Trend gestiegen. Der DLRG fordert mehr Schwimmunterricht.
Anna-Christina Bytom Anna-Christina Bytom
dpa
Mehr als 400 Menschen starben 2017 bei Badeunfällen in Deutschland.
Mehr als 400 Menschen starben 2017 bei Badeunfällen in Deutschland. Tilo Wallrodt
Bad Nenndorf.

Im vergangenen Jahr sind in deutschen Gewässern mindestens 404 Menschen ertrunken – 24,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang sei vor allem auf das schlechte Wetter zurückzuführen, teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Dienstag mit.

„Der Wettergott hat uns in die Karten gespielt“, so DLRG-Präsident Achim Haag. Wie sich einigermaßen schönes Wetter auf die Ertrinkungsfälle auswirken könne, habe der Juni gezeigt: 69 Menschen ertranken allein in diesem Sommermonat mehr als ein Sechstel der tödlichen Wasserunfälle des gesamten Jahres.

Gefahrenquelle Nummer eins sind laut DLRG Binnengewässer. 329 Menschen verloren 2017 in Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen ihr Leben. „Nur vergleichsweise wenige Gewässerstellen werden von Rettungsschwimmern bewacht.Das Risiko, an unbewachten Seen und Flüssen zu ertrinken, ist auch deshalb um ein Vielfaches höher als an Küsten oder in Schwimmbädern”, so Haag.

Mehr Badetote an Nord- und Ostsee

Doch auch an Nord- und Ostsee ging die Zahl der Badetoten leicht nach oben. An den Küsten zwischen Borkum und Usedom starben im vergangenen Jahr 28 Menschen – sechs in der Nord- und 22 in der Ostsee. Viele starben beim Segeln oder Angeln. Deutlich gesunken sind die Todesfälle in Schwimmbädern. 2017 verzeichnete die DLRG-Statistik zwölf Opfer in Frei-, Hallen- und Naturbädern. In privaten Swimmingpools ertranken zwei Menschen.

In Mecklenburg-Vorpommern entwickelten sich die Zahlen gegen den bundesweiten Trend: Hier starben insgesamt 32 Menschen – 2016 waren es noch 25. In Brandenburg kamen im vergangenen Jahr 22 Menschen beim Baden ums Leben, neun weniger als im Vorjahr. In der Statistik nicht erfasst werden Opfer, die zunächst wiederbelebt werden können und später im Krankenhaus oder zu Hause an den Folgen des Badeunfalls sterben. Nach einer Studie sind dies bundesweit jährlich 90 bis 100 Fälle.

DLRG sieht Handlungsbedarf: „Entwicklung ist alarmierend”

Die DLRG sieht trotz der bundesweit rückläufigen Zahlen Handlungsbedarf, vor allem in den Kommunen: „Jeder zweite Grundschulabsolvent ist kein sicherer Schwimmer mehr”, so Haag. Wegen knapper Kassen würden zunehmend städtische Bäder geschlossen. „Die Entwicklung ist alarmierend”, sagte der DLRG-Präsident. "20 bis 25 Prozent aller Grundschulen bieten keinen Schwimmunterricht mehr an, weil ihnen kein Bad zur Verfügung steht.”

Vereine hätten teils Wartelisten von ein bis zwei Jahren für einen Schwimmkurs. Im Entwurf des Koalitionsvertrags zwischen CDU/CSU und SPD werde mit keinem Wort die Verbesserung der Bädersituation angesprochen, kritisierte der DLRG-Chef. „Unstreitig gibt es einen erheblichen Sanierungsstau auch bei Schwimmbädern. Hier ist es zu begrüßen, dass der Bund den Kommunen mit einem Investitionsprogramm helfen wird”, teilte der Deutsche Städte- und Gemeindebund am Dienstag mit. „Mit Blick auf den Schwimmunterricht stehen aber auch die Länder in der Pflicht, die Kommunen finanziell so auszustatten, dass die dafür notwendigen Schwimmbäder erhalten bleiben können.”

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