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Merkel gibt freie Fahrt auf Rügen

Der 14 Kilometer lange Abschnitt ist nun freigegeben: Kanzlerin Angela Merkel, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sowie Ministerpräsident Erwin Sellering waren dafür nach Rambin gereist.
Stefan Sauer

Bevor der Standkorb bezogen und der Kreidefelsen besichtigt werden können, steht der Urlauber bei der Anfahrt auf der Ferieninsel Rügen regelmäßig im Stau. Eine neue Schnellstraße soll Abhilfe schaffen. Doch es gibt auch Kritik.

Staugeplagte Urlauber kommen seit Dienstag schneller auf der Ferieninsel Rügen voran. Nach mehr als vier Jahren Bauzeit hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den 14 Kilometer langen Südabschnitt der dreispurigen Schnellstraße B96n zwischen Rügenbrücke und Samtens freigegeben. "Die umweltfeindlichste Form des Fahrens ist der permanente Stau", sagte Merkel bei der Freigabe. Ein flüssiger Verkehr sei für die Belebung der Wirtschaftsstruktur auf der Insel die richtige Antwort.

Der Tourismus ist mit mehr als sechs Millionen Übernachtungen pro Jahr der wichtigste Wirtschaftszweig auf der Ostseeinsel. Urlauber stehen bislang bei der An- oder Abreise sowie an Regentagen in stundenlangen Staus. Auch der Fährhafen Sassnitz soll von dem Straßenneubau profitieren und sein Potenzial als Drehkreuz zum Baltikum und nach Russland ausbauen, wie Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sagte.

Umweltverbände hatten das Verkehrsvorhaben immer wieder kritisiert und stattdessen Ortsumgehungen sowie den Ausbau der bestehenden Bundesstraße gefordert, die parallel zur neuen Trasse verläuft und künftig langsam fahrenden Fahrzeugen vorbehalten sein soll. "Während in Paris um das Weltklima verhandelt wird, werden auf Rügen genau entgegengesetzte Pflöcke eingeschlagen", sagte Marlies Preller vom Nabu Rügen. Mehr Straßen bedeuteten mehr Autoverkehr und mehr klimaschädigende Abgase. Diese Argumente kann der Präsident der IHK Rostock, Claus Ruhe Madsen, nicht nachvollziehen. "Wir brauchen die B 96n für den Tourismusverkehr, als Hinterlandanbindung für den Fährhafen Sassnitz und den Wirtschaftsstandort Rügen", sagte er. 

Der Bau hatte sich über Jahre verzögert - unter anderem wegen der Nachmeldung von Naturschutzgebieten. Wegen der überbordenden Kosten rief das Projekt sogar den Bundesrechnungshof auf den Plan. Die ursprünglich veranschlagten Kosten für die 20 Kilometer lange Gesamttrasse in Höhe von 80 Millionen Euro werden sich mit der Fertigstellung auf 151,5 Millionen Euro nahezu verdoppelt haben. Allein der nun fertiggestellte Südabschnitt kostete 96,5 Millionen Euro.