Durch die Corona-Pandemie ist die Grenze zwischen Vorpommern und Polen in den vergangenen Monaten wieder etwas undurchläs
Durch die Corona-Pandemie ist die Grenze zwischen Vorpommern und Polen in den vergangenen Monaten wieder etwas undurchlässiger geworden. Stefan Sauer
Kooperation mit Polen

Metropolregion Stettin als Lebensader für Vorpommern

Die MV-Regierung leistet sich seit fünf Jahren einen Vorpommern-Staatssekretär. Der soll sich um den östlichen Teil des Bundeslandes kümmern. Nun kämpft Patrick Dahlemann für sein Herzensprojekt.
Schwerin

Böse Zungen in der Landespolitik behaupten, dass der politische Horizont in Richtung Osten von nicht wenigen Abgeordneten spätestens an der A 19 aufhöre. Sicher, überspitzt formuliert – aber etliche Volksvertreter aus der Komfortzone in der Landeshauptstadt Schwerin schert es in der Tat herzlich wenig, was in Vorpommern vor sich geht.

Das ist bei Patrick Dahlemann (SPD) ganz anders – bei aller Kritik: Der Vorpommern-Staatssekretär lebt Vorpommern und seinen Job. Und so schlug am Donnerstag im Parlament seine große Stunde, als er die Bedeutung der Metropolregion Stettin für den östlichen Landesteil vehement verteidigte. Von Ex-Ministerpräsident Erwin Sellering vor langer Zeit ins Leben gerufen und zwischenzeitlich scheinbar ein Stück weit in Vergessenheit geraten, haben Dahlemann und seine Mitarbeiter „das Engagement in den vergangenen vier Jahren extrem hochgefahren“.

MV will mehr mit Polen zusammenarbeiten

Kaum zu bremsen, zählte Dahlemann auf: „Aufbau einer Geschäftsstelle, Nachbarsprache in Kitas und Schulen verstetigen, Lehrerwerbekampagne in Polen, Arbeitskreis mit Industrie- und Handelskammer etabliert, Studiengang an der Uni Greifswald, Aufbau Schnelltestzentren, enge Vernetzung mit polnischer Politik und Verwaltung – es ist für Vorpommern das wichtigste Zukunftsprojekt.“

Damit es das bleibt, haben die Koalitionsfraktionen SPD und CDU die Landesregierung im Landtag aufgefordert, Wirtschaftsbotschafter zu benennen, Universitäten und Hochschulen für ein grenzüberschreitendes Wissenschafts- und Hochschulportal zu gewinnen und regelmäßig einen Unternehmertag „Ostsee verbindet“ zu organisieren.

Mecklenburg-Vorpommern will so die Zusammenarbeit mit Polen in der Metropolregion Stettin ausbauen und Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung und den kulturellen Austausch setzen. Dazu wird auch der Aufbau einer grenzüberschreitenden Datenbank für Gewerbeflächen erwogen, wie sie im Westen des Landes mit der Nähe zu Hamburg bereits existiert.

„Nicht nur beschließen, auch machen“

Dies unterstrich auch Dahlemanns Chefin in der Landesregierung, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). „Die Metropolregion Stettin ist für uns das, was die Metropolregion Hamburg für den Westen des Landes ist“, sagte sie. Die Corona-Pandemie habe den beabsichtigten Ausbau der Kontakte zuletzt zwar erschwert und die Grenze wieder schmerzhaft spürbar werden lassen. Doch seien die Kontakte nicht abgebrochen und würden nach dem Ende der Pandemie wieder intensiviert, versicherte Schwesig.

Lesen Sie auch: Richtung Stettin entsteht ein neuer Radweg

Es gehört zum politischen Geschäft, dass diese Worte bei der Opposition nicht unbedingt auf ungeteiltes Wohlwollen stießen. Die AfD warf den Regierungsfraktionen von SPD und CDU vor, in ihrem Antrag Probleme wie den Hafenausbau in Swinemünde ausgeblendet zu haben. Nach Ansicht der Linken fehlen neue, weiterführende Ansätze für die Zusammenarbeit. „Nicht nur beschließen, auch machen“, forderte die Linken-Abgeordnete Mignon Schwenke.

zur Homepage