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Viehhandel wächst

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Milchpreiskrise zwingt kleine Halter zur Aufgabe

Züchtern zufolge liegt der Milchpreis derzeit etwa zehn Cent pro Liter niedriger als Ende 2017.
Züchtern zufolge liegt der Milchpreis derzeit etwa zehn Cent pro Liter niedriger als Ende 2017.
Carsten Rehder

Züchter und Verbände rechnen mit weiteren Pleiten: Kleinbetriebe schließen, größere Züchter wachsen. Auch der Handel mit Tieren wächst. Aber etlichen Dörfern fehlen durch die Pleiten dauerhaft Arbeitsplätze.

Das Auf und Ab bei den Milchpreisen zwingt immer mehr kleinere Milchviehhalter zur Aufgabe und sorgt für deutlich mehr Viehverkäufe. Das wurde am Mittwoch auf der Generalversammlung des Rinderzuchtverbandes Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow deutlich. So konnte das Serviceunternehmen der Rinderzüchter im Nordosten und in Sachsen-Anhalt, die RinderAllianz GmbH (Woldegk/Bismark), mit 88,9 Millionen Euro einen Rekordumsatz vermelden. 

„Das sind etwa zehn Prozent mehr als im Vorjahr“, sagte Geschäftsführerin Sabine Krüger.

Das Geschäft geht zu 70 Prozent auf den Handel mit Zucht-, Nutz- und Schlachtvieh und 30 Prozent auf den Spermahandel von Zuchtbullen zurück, der aber rückläufig sei. Mit 107 500 Rindern wurde erstmals „die Schallmauer von 100 000 Tieren durchbrochen“, erklärte Krüger. Das waren fast 11 000 Tiere mehr als im Vorjahr. Von rund 27 000 verkauften Zuchttieren entfalle etwa ein Drittel auf den Export, unter anderem nach Polen, Großbritannien, in die Türkei, nach Russland und Nordafrika.

„Wir rechnen wegen der gerade wieder gesunkenen Milchpreise 2018 mit weiteren Betriebsaufgaben“, erläuterte die Geschäftsführerin. So sei der Milchpreis, der 2017 hoch lag, in zwei Monaten um zehn Cent pro Liter auf knapp 30 Cent gefallen. „Wir erleben eine Konzentration auf größere Betriebe“, sagte der Präsident des Landesbauernverbandes Detlef Kurreck . Diese „Delle“ beim Preis sei absehbar gewesen. „Wir hoffen, dass sie sich nicht wieder zu einer Krise ausweitet.“ Entscheidend sei die Länge der Preiszyklen.

Nordosten bietet beste Vorraussetzungen für Milchviehhalter

Ungeachtet der Betriebsaufgaben werden im Nordosten auch neue Kuhställe gebaut, wie Kurreck erläuterte. Die Zahl der Kühe insgesamt und auch die Milchmenge sei nicht wesentlich gesunken. Der Nordosten habe mit viel Grünland beste Voraussetzungen. „Und wenn Betriebe wachsen, brauchen sie junge und gute Kühe“, erklärte Kurreck den wachsenden Tierhandel. Traurig für viele Regionen sei aber, dass Landwirte nicht wieder eine Tierhaltung neu anfangen, wenn sie erst einmal Milchkühe weggegeben haben. „Wer aufgibt, schmeisst die Stallschlüssel weit weg.“

Die „magische Grenze beim Milchpreis“ liegt für Kurreck bei 35 Cent pro Liter Milch. Man habe sich bereits mit dem Bund Deutscher Milchviehhalter zusammengesetzt. „Wir überlegen, welche bundesweit bekannten Initiativen für den Nordosten umsetzbar wären.“ In wenigen Tagen soll es in Schwerin eine Tagung des Landtagsagrarausschusses dazu geben.

Die Rinderallianz betreut rund 1300 Rinderhalter in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Teilen Westbrandenburgs. Dazu gehören knapp 800 Milchviehhalter und etwa 500 Fleischrindhalter. Seit 2015 haben 189 Betriebe mit rund 32 600 Kühen aufgegeben. Die Firma hat ihre Spermaproduktion mit Zuchtbullen an der Mecklenburgischen Seenplatte in Woldegk und betreibt zwei Vermarktungszentren in Bismark (Sachsen-Anhalt) und Karow bei Plau am See. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 206 auf 193.