Die Neonazis des „Baltik Korps” bei einem Training im Thinghaus der NPD in Grevesmühlen.
Die Neonazis des „Baltik Korps” bei einem Training im Thinghaus der NPD in Grevesmühlen. ZVG
Der Kampfsport wird in der rechtsextremen Szene sowohl als Rekrutierungsmittel als auch zum Transport nationalsozialistischer
Der Kampfsport wird in der rechtsextremen Szene sowohl als Rekrutierungsmittel als auch zum Transport nationalsozialistischer Ideen benutzt. ZVG
„Baltik Korps”

Militante Neonazis rufen zu Training in MV auf

Eine Gruppe von Rostocker Neonazis will in Güstrow ein öffentliches Training durchführen. Beobachter der Szene werten dies als eine Mobilmachung für einen beabsichtigten politischen Umsturz.
Güstrow

Die militante Rostocker Neonazi-Kameradschaft „Nationale Sozialisten Rostock” hat zu einem öffentlichen Training in Güstrow aufgerufen. Dies teilte die Gruppe auf ihrer Website „Aktionsblog” und ihren Kanälen in verschiedenen sozialen Medien mit. Eingeladen sei an einem Tag Ende Januar „jeder, der sich unserer Sache verschrieben hat und sich nach Disziplin und Kraft für Körper und Geist sehnt”.

Damit führt die rechtsextreme Szene in Mecklenburg-Vorpommern auch dieses Jahr ihre Nachwuchsgewinnung über den Kampfsport fort. Die Übungseinheiten dienten zudem der Vorbereitung „auf den Straßenkampf und den politischen Umsturz”, sagte der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Peter Ritter. Ritter fordert deshalb ein „konsequentes Vorgehen” der Sicherheitsbehörden „gegen diese militant-faschistischen Netzwerke”.

Neonazis gründeten eigene Wehrsport-Gruppe

Nach Angaben des Landesamtes für Verfassungsschutz spielt der Kampfsport in der rechten Szene vor allem unter jungen Mitgliedern eine wichtige Rolle. „Verbunden wird damit eine ideologische Botschaft, die unmittelbar an den Nationalsozialismus anknüpft, nämlich die Herausbildung eines 'gestählten' Menschen, der zum Kampf mit dem 'Feind' bereit ist”, urteilt die Behörde.

Innenpolitiker Ritter warnt: „Wir dürfen nicht dem Trugschluss aufsitzen, dass es sich hierbei um harmlose junge Männer handelt, die sich nur körperlich ertüchtigen wollen. Die Hitler-Fans verfolgen dabei eine klare politische Agenda und propagieren dies – offenbar von Selbstsicherheit getrieben – ohne Skrupel.”

Die „Nationalen Sozialisten” sind seit Jahren in Rostock und Umgebung aktiv. Unter dem Namen „Baltik Korps” hat sich im April 2019 eine Untervereinigung gegründet, die auf der Gruppen-Website „Aktionsblog” als der „sportliche Arm unseres Netzwerkes” bezeichnet wird. Es gibt Hinweise, dass die „Nationalen Sozialisten Rostock” nicht autonom agieren.

Verbindungen zur NPD und Hooliganszene

Zum einen scheint es Verbindungen in die Ultra- und Hooliganszene zu geben. Mitglieder des „Baltik Korps” zeigen sich bei Kampfsportveranstaltungen immer wieder mit Trikots, T-Shirts oder Skimasken des Fußball-Drittligisten Hansa Rostock oder posieren vor Hansa-Graffitis.

Zum anderen bestehen Beziehungen zur rechtsextremen NPD. So tauchten in der Vergangenheit bei NPD-Straßenständen Mitglieder des Baltik Korps auf, Funktionäre der rechtsextremen Partei wie der stellvertretende Landesvorsitzende David Petereit kommentieren regelmäßig Fotos des Aktionsblogs in den sozialen Netzwerken wie Facebook.

Training im NPD-Haus in Grevesmühlen

Zudem fanden in der Vergangenheit Aktionsblog-Veranstaltungen in den Räumlichkeiten der NPD statt. So trafen sich die Neonazi-Aktivisten zu einem Training im sogenannten „Thinghaus” in Grevesmühlen, das dem ehemaligen Gägelower NPD-Gemeindevertreter Sven Krüger aus Jamel gehört.

Das Gebäude beherbergte bis 2016 mehrere NPD-Parteibüros, auch die Landeszentralen des Rings Nationaler Frauen und der Jungen Nationalisten, der Jugendorganisation der NPD, waren dort zu finden. Es ist also anzunehmen, dass es entweder enge Beziehungen oder personelle Überschneidungen zwischen der Neonazi-Kameradschaft und der NPD Mecklenburg-Vorpommern gibt.

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