Die Unimedizin Rostock und der Vorstandschef Christian Schmidt haben sich geeinigt.
Die Unimedizin Rostock und der Vorstandschef Christian Schmidt haben sich geeinigt. Bernd Wüstneck
Erkauftes Schweigen?

Millionenabfindung für Klinikchef in Rostock

Die Unimedizin Rostock zahlt seinem seit Wochen freigestelltem Vorstandschef Christian Schmidt ein Auslösungspaket in Millionenhöhe. Er hatte vor Kürzungen in der Kindermedizin gewarnt.
Rostock

Die vorzeitige Trennung der Universitätsmedizin Rostock von ihrem langjährigen Vorstandschef Christian Schmidt ist besiegelt. Schmidt war im August vorübergehend freigestellt worden. „Die Parteien haben sich außergerichtlich geeinigt”, teilte das Landgericht Rostock mit. Der für diesen Mittwoch anberaumte Gerichtstermin wurde aufgehoben. Gründe für die Freisetzung waren seitens der Unimedizin im August nicht bekanntgegeben worden.

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„Wir sind mit der Vereinbarung sehr zufrieden”, sagte der Kölner Anwalt von Schmidt, Rolf Bietmann. „Professor Schmidt erhält ein Auslösungspaket in Millionenhöhe und wird sich zeitnah neuen Aufgaben widmen können.” Rostock verliere jedoch einen über Mecklenburg-Vorpommern hinaus bekannten und renommierten Wissenschaftler und Klinikchef. Details zur Vereinbarung zwischen Klinik und Schmidt nannte er nicht.

Martin fordert Neuanfang

„Es ist in den vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit sehr deutlich geworden, dass die Unimedizin Rostock erhebliche Probleme angesammelt hat”, sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). „Ich erwarte jetzt von Vorstand und Aufsichtsrat, dass sie den Neuanfang einleiten und ein Konzept vorlegen.” Zuvor hatte der Aufsichtsratsvorsitzende der Unikliniken MV, Mathias Brodkorb, den Bildungsausschuss im Landtag informiert. Es sei beschlossen worden, das Besetzungsverfahren für einen neuen Ärztlichen Vorstand zeitnah zu starten.

Wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Uniklinik, Emil Reisinger, sagte, begrüßte der Vorstand die Entscheidung des Aufsichtsrates. „Die Unimedizin steht vor wichtigen Herausforderungen, deren Bewältigung eine zeitnahe Wiederbesetzung der Position des Ärztlichen Vorstandes erfordert.”

Nach der Sitzung des Bildungsausschusses forderte die Linksfraktion einen zügigen Neuanfang. Das Profil der Unimedizin müsse als Standort der Hochleistungsmedizin, als Maximalversorgerin und als Standort innovativer Forschung geschärft werden. Zudem müssten Lehren aus der beendeten Zusammenarbeit mit Schmidt gezogen werden. „Ein solcher Vertrauensverlust darf sich nicht wiederholen. Die Arbeitsfähigkeit und der Ruf der Universitätsmedizin haben zum Nachteil von Patienten sowie Beschäftigten gelitten.”

Ende September hatte Schmidt einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Freistellung gestellt. Schmidts Antrag zielte darauf ab, als ärztlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Unimedizin zu unveränderten Bedingungen weiter beschäftigt zu werden, wie das Landgericht Rostock damals mitteilte.

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Brandbrief ließ Führungskrise eskalieren

Zwischen Schmidt und Mathias Brodkorb, Chef des Aufsichtsrates an der Uniklinik, war es offenbar in der Vergangenheit zu deutlichen Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft der Unimedizin gekommen. Brodkorb soll stärker auf Personalkürzungen gedrängt haben – Schmidt dagegen hatte vor allem vor Kürzungen in der Kindermedizin gewarnt.

Ein Brandbrief von 41 Ärzten Anfang August, in dem vor massiven Lücken in der Patientenversorgung gewarnt worden war – besonders in der Kindermedizin –, hatte die Führungskrise eskalieren lassen.

Schmidt arbeitete seit 2014 am Klinikum. 2018 war er bereits nach dem Vorwurf zweifelhafter Geschäftspraktiken als ärztlicher Vorstand freigestellt worden. Danach wurde er wieder in sein Amt eingesetzt – die Vorwürfe ließen sich nicht konkretisieren. Die Staatsanwaltschaft Rostock hatte das Verfahren damals eingestellt.

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Dieser Artikel ist am Mittwoch um die Reaktionen von Bettina Martin, Emil Reisinger und der Linksfraktion ergänzt worden.

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