GROßBRAND IN ALT TELLIN

Ministerium hält an Genehmigung für Megastall fest

Der BUND hat angesichts eigener Gutachten eine Vermutung, warum sich das Feuer in dem riesigen Schweinestall so schnell verbreitet hatte. Ins Visier gerät die Verantwortung der Landespolitik.
Bei dem Großbrand in Alt Tellin sind circa 55.000 Schweine ums Leben gekommen.
Bei dem Großbrand in Alt Tellin sind circa 55.000 Schweine ums Leben gekommen. Stefan Hoeft
Alt Tellin ·

Nach dem verheerenden Feuer in der Mega-Schweinzuchtanlage in Alt Tellin ist der Streit um die politische Verantwortung für den Betrieb des Großstalls voll ausgebrochen. Die Anlage im Landkreis Vorpommern-Greifswald galt als größte ihrer Art in Deutschland und war in der vergangenen Woche abgebrannt. Laut Angaben des Betreibers Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland (LFD) kamen rund 55.000 Tiere ums Leben.

Der von juristischen Auseinandersetzungen begleitete Bau der „Schweinefabrik” sei eine Folge der bevorzugten Förderung von Mast und Zucht in industriellen Großbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern, erklärte Jörg Gehrke, Sprecher für Ostdeutschland im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Gehrke, selbst Landwirt in Mecklenburg, wirft neben Agrarminister Till Backhaus auch den SPD-Ministerpräsidenten Harald Ringstorff, Erwin Sellering und Manuela Schwesig vor, dafür die politischen Weichen gestellt zu haben.

Wird in Alt Tellin ein neuer Megastall gebaut?

Der Bau der Zuchtanlage in Alt Tellin, der ohne Unterstützung der Landesregierung nicht möglich gewesen wäre, stelle eine zentrale Säule der Förderung der Schweinehaltung dar, so Gehrke. Die überwiegend industrielle Landwirtschaft in MV sei eine Folge der Bodenpolitik von Bund und Ländern, die insbesondere die LPG-Nachfolger bevorzugt habe.

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Die Umweltorganisation BUND sieht ebenfalls die von der Landespolitik propagierte „Veredlungsstrategie” als Grund dafür an, dass in MV zahlreiche Großställe gebaut wurden und immer noch geplant werden. Durch eine stärkere Veredlung, etwa durch Schweinezucht, wollte Schwerin mehr Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern halten. BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag forderte von Backhaus, der Anlage in Alt Tellin die Betriebsgenehmigung zu entziehen und damit einen Wiederaufbau zu verhindern. Angesichts von 101 Verstößen gegen Auflagen von 2011 bis 2014 hätte Backhaus diese Erlaubnis längst widerrufen müssen, bezieht sich Cwielag auf die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion.

Bauernverband ist gegen Tierfabriken

Der BUND versucht seit 2012 vergeblich, die Großanlage mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Greifswald zu stoppen. Bei den Vorwürfen gegen den Betrieb hatten auch immer Zweifel am Brandschutz eine zentrale Rolle gespielt. Laut Cwielag sei vorstellbar, dass sich Methan entzündet haben könnte, das sich über der Gülle gebildet hatte. Über unterirdische Gülle-Kanäle sei das Feuer dann möglicherweise verbreitet worden. Diese Gefahr sei in einem eigenen Gutachten für das Gerichtsverfahren aufgezeigt worden.

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Auch der Bauernverbandes MV geht auf Distanz zur Größenordnung von Alt Tellin: Derartige Anlagen ermöglichten keine regionalen Kreisläufe und seien sowohl ökonomisch als auch ökologisch fragwürdig. Fakt sei aber, dass die Anlage in Alt Tellin nach geltendem Recht genehmigt und erbaut wurde, heißt es auf Anfrage in einer Erklärung.

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Landwirtschaftsminister Till Backhaus ging angesichts der Vorwürfe gestern erneut in den Verteidigungsmodus: Die Anlage Alt Tellin habe genehmigt werden müssen, weil alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt worden seien. „Da gibt es keinen Ermessensspielraum”, so Backhaus. Laut Ministerium müsse geprüft werden, ob die Genehmigung überhaupt entzogen werden könne. Ein Wiederaufbau sei prinzipiell möglich, wenn die Anlage 1:1 ohne Änderungen errichtet werden würde.

 

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Kommentare (6)

jeder günstig und in ausreichenden Mengen sein Fleisch/Wurst erhalten möchte, sind moderne industrieelle Mastgroßbetriebe notwendig. Dafür muss es Technologien geben, und es darf dann am falschen Ende gegeizt!! werden. Und sie sollten dann auch technisch ausreichend überwacht werden.
Gleichzeitig sollten solche erschreckende Katastrophen, mit entsprechenden Regularien - wie sie überall, eigentlich ausreichend, vorhanden sind, verhindert werden.
In anderen Bereichen gibt es hohe bis sehr hohe Bau & Brandschutzvorschriften, da können sie für solche Betriebe nicht ausgehebelt bzw. aufgeweicht werden. Und im Nachhinein noch als ausreichend betitelt werden.
Um eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen, muss die Produktion komplett geruchslos & ohne welche Zweifel an irgendwelchen Baumängeln etc. funktionieren. Die Politik muss sich an den Pranger stellen lassen. Aus welchen Gründen mit so unterschiedlichen Mass agiert wird?
Zig tausend brennende Schweine sind auch für alle ein Gräuel. Da kann ich den Tierschützern nur Recht geben. Obwohl ich auch auf die wöchentliche Werbung schaue und mich, auch jetzt noch, nicht schäme günstig einzukaufen, wie alle im "reichentlohnten" MV.

Die Zahl der Schweine auf diesem engen Raum ist einfach nur grausam und widerlich. Jeder Konsument muss Verantwortung übernehmen und seinen Konsum anpassen. Wer nicht verzichten mag, kann den Verzehr reduzieren und beim Kauf zumindest auf die Haltungsbedingungen achten.
Und auf politischer Ebene sollte endlich Klasse statt Masse ein Leitmotiv sein.

Richtig! Wieder aufbauen!!!
Vor allem die linksradikalen Tierschützer- Brandstifter ausfindig machen und lebenslang in die JVA bringen!!!
[Frage d. Red.: Haben Sie einen Beleg für Ihren schweren Anschuldigungen? Die Brandursache ist unseres Wissens nicht geklärt.]

Wieso können Leute wie sie nicht einfach verdunsten? Keinerlei sachliche Kompetenz, nur am hetzen, nichts können ständig am gröhlen wie ein Höhlenmensch.

[Entfernte Beleidigung. Werte/r Kommentator/in, bitte Kritik sachbezogen äußern, denn unsachliche, beleidigende Kommentare sind hier nicht erwünscht und können daher gelöscht werden. Die Red.]

stand seit ihrer Planung schon in heftiger Kritik.
Die MV-Landesregierung hat davor von Anfang an die Augen und Ohren verschlossen.
Sollte dieses Schweine - KZ nun einer Brandstiftung zum Opfer gefallen sein, dann ist das mindestens genauso verwerflich, wie seinerzeit die Baugenehmigung und es zusätzlich schwerstkriminell, denn das Leben von Tieren endete unter schlimmsten Qualen.
Wird also ein Verursacher / Brandstifter gefunden, gehört er hinter Gitter gesperrt.
Die Anlage aber wieder aufzubauen hieße, alten Wahnsinn durch neuen zu ersetzen.
Wobei unsere Oberen darin ja leider ganz offensichtlich Übung und Routine haben...
Alt Tellin, Broock, Wietzow, Daberkow und wie sie alle heißen hätten Besseres verdient als einen neuen, womöglich noch größeren Umweltfrevel...