Unsere Themenseiten

Unternehmen in Klassenzimmern

:

Ministerium interessiert sich nicht für Werbung an Schulen

In Deutschlands Klassenzimmern sind Unternehmen mit ihrer Werbung allgegenwärtig.
In Deutschlands Klassenzimmern sind Unternehmen mit ihrer Werbung allgegenwärtig.
Julian Stratenschulte

Immer öfter drängen Unternehmen und Verbände mit Reklame in die Schulen. Doch halten sie sich dabei an die Regeln? Das Bildungsministerium weiß von nichts.

Hausaufgabenhefte mit Firmenlogo, ein Frühstück einer bekannten Marke oder Technik eines Internet-Giganten: In Deutschlands Klassenzimmern sind Unternehmen mit ihrer Werbung allgegenwärtig. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind Firmen an den Schulen unterwegs. Zwar sei man insgesamt zufrieden, sagt der Vorsitzende des Landes-Elternrates, Kay Czerwinski. „Es gibt aber auch Eltern, die trotzdem den Eindruck haben, dass es sich um eine über das normale Maß hinausgehende, teilweise auch unangebrachte Werbung handeln könnte.“

Komplett ahnungslos, desinteressiert und unmotiviert zeigt sich das SPD-geführte Bildungsministerium in Schwerin. Eine Statistik gäbe es nicht, sagte Sprecher Henning Lipski – zwei geschlagene Wochen, nachdem der Nordkurier gefragt hatte, wie viele und welche Unternehmen im vergangenen und in diesem Jahr an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns aktiv geworden sind.

Damit aber nicht genug: Möglicherweise könnte Aufklärung über das Thema den Unterricht im Land gefährden, warnt das Ministerium: „Eine Abfrage sollte im Sinne der Aufrechterhaltung des Schulbetriebs nach Möglichkeit unterlassen werden.“

22 DAX-Unternehmen stellen kostenlose Unterrichtsmaterialien

Dabei gebe es sogar Beispiele, die positiv bewertet werden. Geschätzt 10.000  Mädchen und Jungen hat die Aktion „Kindersprint“ des Leipziger Unternehmens „expika Sport und Event GmbH“ im vergangenen Schuljahr in MV erreicht, sagte Geschäftsführer Matthias Härzschel. Mit den Sport-Wettbewerben ist das Unternehmen in ganz Ostdeutschland unterwegs. Die Kinder sollen so motiviert werden, Sport zu treiben. Auch in Neubrandenburg ist „Kindersprint“ aktiv.

Der Haken, den mancher dabei findet: Die Vorausscheidungen finden an den Schulen statt, die Finals – die jedes Kind erreicht – öfter bei Partnern aus der Wirtschaft wie Einkaufszentren und Autohäuser. „Wir brauchen diese Partner für die Finanzierung. Unsere Mitarbeiter und auch das Equipment müssen ja bezahlt werden“, argumentiert Härzschel. Dabei gäbe es ganz klare Regeln: „Partner wie McDonald’s oder Subway würde ich nie mit ins Boot nehmen.“ Die beteiligten Firmen dürften auf Flyern und an Banden mit Logos werben und Geschenke verteilen. Die sollten aber immer „nachhaltig“ sein: „Beispielsweise Sportbeutel, Trinkflaschen oder auch ein Fußball“.

Laut Angaben der Organisation Lobby Control stellen von den 30 DAX-Unternehmen 22 kostenlose Unterrichtsmaterialien. „In den letzten Jahren haben Lobbyisten Schüler als Ziel von Meinungsmache entdeckt“, heißt es bei der Organisation. Der Weg in die Schulen werde professionell organisiert. „Unternehmen und Verbände drängten in die Schulen und spezialisierte Agenturen bieten die Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen und Werbung als Dienstleistung an.“ Aber das scheint das Bildungsministerium nicht zu interessieren.