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Nach Anzeige gegen Caffier

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Ministerium soll Ex-Polizeidirektor in Verruf bringen

MV-Innenminister Lorenz Caffier (CDU) wurde wegen des Verdachts der Untreue angezeigt. Der Anzeigensteller wurde danach als frustriert bezeichnet, weil er als Polizeidirektor ungeeignet sein soll.
MV-Innenminister Lorenz Caffier (CDU) wurde wegen des Verdachts der Untreue angezeigt. Der Anzeigensteller wurde danach als frustriert bezeichnet, weil er als Polizeidirektor ungeeignet sein soll.
Hendrik Schmidt

Ist Siegfried Stang ein unfähiger Ex-Polizeichef, der aus Frust mit Schmutz auf Innenminister Caffier wirft? Ja, heißt es vom Ministerium. Nein, sagt Stangs ehemaliger Chef Manfred Dachner.

Manfred Dachner ist pensionierter leitender Polizeidirektor aus Neubrandenburg und sitzt heute für die SPD im Landtag. Er hat aus dem Nordkurier von der Strafanzeige seines ehemaligen Mitarbeiters Siegfried Stang gegen Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und drei Spitzen-Polizisten in seinem Ministerium erfahren. Vorige Woche hatte der Nordkurier publik gemacht, dass Stang, früher selbst Revierchef in Neubrandenburg, seinen obersten Vorgesetzten Untreue vorwirft, weil sie bei Beförderungsverfahren gemauschelt haben sollen.

„Im ersten Moment habe ich bei mir gedacht, dass die Geschütze, die Herr Stang da aufgefahren hat, vielleicht doch etwas sehr groß sind“, sagt Dachner: „Aber noch während ich zu Ende gelesen habe, hat sich meine Meinung geändert.“ Denn die Reaktion des Innenministeriums auf die Vorwürfe Stangs spreche Bände. Die Behörde hatte erklärt, Stang sei ein ehemaliger Polizist, „der es persönlich nicht verwunden hat, es aufgrund von Nichteignung nicht in das Endamt seiner Laufbahn geschafft zu haben.“ Mit der Anzeige versuche er, „seine Frustration über die bescheinigte persönliche Ungeeignetheit für ein Spitzenamt der Landespolizei zu kompensieren“.

Ein absolut korrekter Polizist

Für Dachner ist das gleich in doppelter Hinsicht unerträglich. Da sei zum einen der „außergewöhnlich bösartige Ton des Ministeriums gegenüber einem ehemaligen Polizeibeamten in der Öffentlichkeit“, hatte er bereits am Freitag erklärt. Er könne nicht verstehen, warum sich die Behörde in dieser Schärfe über Stang äußere.

Was Dachner bezweifelt: „Ich weise die Behauptung, Herr Stang sei ungeeignet gewesen für das Endamt seiner Laufbahn, entschieden zurück.“ Er habe jahrelang mit Stang zusammengearbeitet, sei 15 Jahre lang dessen unmittelbarer Vorgesetzter gewesen: „Herr Stang war immer ein äußerst korrekter, für manche vielleicht überkorrekter Kollege.“ Er habe aber immer sehr leistungsbezogen gearbeitet: „Und das haben seine Arbeitsergebnisse auch widergespiegelt.“ Dachner betont: Die Polizeiinspektion Neustrelitz, die Stang vier Jahre geführt habe, sei „ein Leistungsträger gewesen im Bereich Neubrandenburg, etwa bei der Verkehrsunfallverhütung und der Kriminalitätsbekämpfung.“ Die Inspektion habe zum Teil die landesweit besten Ergebnisse gehabt – diese Zahlen ließen sich bis heute nachlesen: „Und später, als er direkt für die Polizeidirektion arbeitete, war das gleiche festzustellen.

Das Ministerium schlägt zurück – zu hart?

Dachner will sich deswegen in der nächsten Sitzung des Landtagsinnenausschusses, der am Donnerstag tagt, bei Innenminister Lorenz Caffier (CDU) erkundigen, wieso sein Ministerium so vehement zurückschlägt gegen Stang. „Fakt ist, dass jedem Bürger, auch einem Polizeibeamten, das Recht zusteht, den Rechtsweg einzuschlagen“, sagt Dachner: „Es ist nicht loyal, wenn er von seinem Dienstherrn aus diesem Grund diskreditiert wird.“ Den Fortgang der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, so sie überhaupt aufgenommen werden, will Dachner derweil nicht vorwegnehmen: „Das ist Sache der Staatsanwaltschaft. Aber falls man mich als Zeugen vorlädt, werde ich selbstverständlich auch aussagen.“

Für Caffier wären strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn derweil kein Pappenstiel: Bevor die Staatsanwaltschaft ermitteln darf, müsste der Landtag, deren Abgeordneter er neben seinem Ministeramt zusätzlich ist, seine Immunität aufheben.