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Misstrauen ist nicht unhöflich

Senioren können ihre Wohnungstüren auf vielfältige Weise sichern.
Senioren können ihre Wohnungstüren auf vielfältige Weise sichern.
Thomas Frey

Wenn es um Sicherheit im Alter geht, klaffen Gefühl und Wirklichkeit weit auseinander. Immer wieder haben Rentner Angst, auch wenn sie nicht wirklich bedroht sind. Doch es gibt einfache Ratschläge, die wirksam helfen.

Das ältere Ehepaar lebt in einer typischen Neubausiedlung aus DDR-Zeiten, in einer Wohnung im Erdgeschoss – und das seit Jahren und nach wie vor gern. Allerdings mit einem Aber: der Sorge nämlich, Einbrecher könnten bei ihnen ein leichtes Spiel haben. Von ihren Kindern, die es von Mecklenburg-Vorpommern nach Sachsen-Anhalt verschlagen hat, haben sie erfahren, was Vermieter in Magdeburg für mehr Sicherheit im Wohnumfeld tun: Sie bieten für die Fenster der unteren Wohnungen Außen-Jalousien an. Der Präventionstag „Sicher und aktiv im Alter“ in Schwerin gab den Eheleuten die Chance, diese Idee weiterzusagen.

Armin Schlender, Geschäftsführer des Landesrates für Kriminalitätsvorbeugung Mecklenburg-Vorpommern, kennt die Kümmernisse der Senioren: Sie fürchten sich davor, Opfer von Kriminellen zu werden. Wenn die Kräfte schwinden, wächst die Unsicherheit. Dabei ist die Angst ungleich größer als der Anlass dafür. „Die Älteren werden entgegen ihrem Empfinden nur selten Opfer von Straftaten“, sagt er.

Überdurchschnittlich wenig betroffen

Am Informationsstand des Landeskriminalamtes finden die Kollegen mit wenigen Handgriffen im Computer die Zahlen: In der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2012 waren 7,7 Prozent der ermittelten Täter und 5,9 Prozent der Opfer älter als 60 Jahre. Dem Bevölkerungsanteil nach macht diese Altersgruppe immerhin rund 30 Prozent aus.

Zwar sorgen die berüchtigten Enkeltrick-Betrüger regelmäßig für Schlagzeilen. Doch stellen sie de facto kein Massenphänomen dar, wie Armin Schlender erklärt. Selbst dann nicht, wenn – wie die Kriminalisten vermuten – manch ein Enkeltrick gar nicht bekannt wird. Aus Scham und Angst vor den möglichen Reaktionen im Umfeld verheimlichen Betroffene den Vorfall.

Informationen in einer Broschüre

Für ein Sicherheitsgefühl kann man einiges tun: In einer Informationsbroschüre gibt der Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung Ratschläge zum Thema „Sicher wohnen im Alter“. Eine der wichtigsten Empfehlungen an arglose, ältere Menschen, insbesondere wenn sie allein leben und von Fremden angesprochen werden: „Es ist keine Unhöflichkeit, skeptisch und misstrauisch zu sein und nachzufragen.“

Die Idee mit den Jalousien im Erdgeschoss hat sich Armin Schlender notiert. Solch eine zusätzliche Barriere könne das Gefühl der Sicherheit enorm stärken. Im Gespräch mit großen Vermietern werde Der Präventionsrat das Thema Seniorenwohnen und Sicherheit demnächst erörtern, kündigt er an.