TRIBSEES

Mit dem A20-Abriss fangen Probleme erst an

Vom spektakulären Krater bei Tribsees ist nichts mehr zu sehen, die A20 wird dort abgetragen und muss neu aufgebaut werden. Aber wie? Und von wem?
dpa
Große Teile des A20-Kraters bei Tribsees wurden abgetragen.
Große Teile des A20-Kraters bei Tribsees wurden abgetragen. Stefan Sauer
Tribsees.

Auf der A20 bei Tribsees, besser bei dem, was davon übrig geblieben ist, ist es dröhnend laut. Dafür sind Maschinen verantwortlich, die die oberste Deckschicht der 26 Zentimeter dicken Asphaltdecke wegfräsen und per Laufband auf Lastwagen verladen. Rund 800 Meter Autobahn gilt es abzufräsen. Bereits an diesem Freitag sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein, sagte Ronald Normann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Das ist der Beginn des Rückbaus der A20, mit ihm sollen die Folgen der Fehler beim 2005 abgeschlossenen Autobahnbau beseitigt werden. Bislang rechneten die Planer mit Gesamtkosten von rund 100 Millionen Euro, doch diese Zahlen sind Geschichte. „Wir gehen von 150 Millionen Euro aus”, sagt Normann. Es sei schwierig, überhaupt Firmen zu finden. „Wenn ich etwas nach Preisen des letzten Jahres für 10 Millionen Euro plane, muss ich am Ende 20 Millionen Euro zahlen.”

Baugrund unter A20 ist sehr kompliziert

Die Fehler der Vergangenheit traten mit dem gewaltigen Loch, verursacht durch Torf in der Tiefe, unmittelbar bei der Ausfahrt Tribsees in Erscheinung. Von dem spektakulären Loch ist heute nichts mehr zu sehen, an dieser Stelle ist die Autobahn auf rund 100 Metern beidseitig bereits bis zu einer Tiefe von rund zwei Metern abgetragen.

In den kommenden Wochen wird die Autobahn vollständig abgetragen, 800 Meter westlich der Ausfahrt und 80 Meter östlich davon. Rund 50 000 Kubikmeter Sand müssen weggebracht werden. Ende Mai soll diese Arbeit fertig sein. Doch dann fangen die Probleme erst an: „Wir haben hier einen sehr komplizierten Baugrund”, sagt Normann, der zur Zeit zwei bis drei Mal pro Woche die Baustelle besichtigt.

Neue Pfeiler werden viel massiver

Die Planer haben aus dem Drama Konsequenzen gezogen. Die Gründung, auf der die künftige Autobahnbrücke stehen wird, ist um Dimensionen stärker als die ursprüngliche der Jahrtausendwende. Damals wurden Säulen mit einem Durchmesser von 18 bis 22 Zentimeter senkrecht in die Tiefe getrieben. „Das sind Bleistifte im Vergleich zu unserer Lösung.” Die im Durchmesser 1,20 Meter starken Betonpfeiler werden 24 Meter tief schräg in den Boden getrieben. „Die Maschine, die das bewerkstelligt, ist 120 Tonnen schwer”, erklärt der Ingenieur. Im Moment weiß noch niemand, wie ein solches Monstrum auf dem lockeren Untergrund platziert werden kann.

Dorf vom Umleitungsverkehr geplagt

Trotz allem steht der Zeitplan für die Behelfsbrücke, über die ab Herbst der Verkehr geleitet wird, bestätigt Normann. Die offiziellen Prognosen für die komplette Fertigstellung lautet bislang: Nicht vor 2021. Doch bis dahin muss noch viel geklärt werden: Beispielsweise wie die neue zweigeteilte Brücke beschaffen sein muss, über die künftig die Autos fahren sollen. Ein Planungswettbewerb ist ausgeschrieben.

Unterdessen rollen tagtäglich Tausende Autos durch die kleinen Dörfer Langsdorf und Böhlendorf an der Umleitungsstrecke. Dort ist generell Tempo 30 ausgeschrieben. „Die Zahl der wegen Tempoüberschreitung geblitzten Autofahrer ist unverändert hoch”, sagt der Sprecher der Kreises Vorpommern-Rügen, Olaf Manzke. „Man sollte meinen, dass sich das rumspricht – es ist nicht so.”

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