Flucht aus der DDR

Mit dem Flugzeug ab in den Westen

Tausende Menschen flohen zwischen 1961 und 1988 aus der DDR in die Bundesrepublik, meist über die grüne Grenze und die Mauer. Fluchten mit dem Flugzeug waren seltener aber meist spektakulär.
Mit einer solchen AN2 floh der erste Agrarflieger 1964 aus der DDR.
Mit einer solchen AN2 floh der erste Agrarflieger 1964 aus der DDR. Nordkurier Archiv
Claus Gerhard hat jahrelang zum Thema Flugzeug-Fluchten aus der DDR recherchiert.
Claus Gerhard hat jahrelang zum Thema Flugzeug-Fluchten aus der DDR recherchiert. privat
Neubrandenburg

Manfred L. hatte seine Flucht gut vorbereitet. Am 17. September 1964 sollte es für den 24-jährigen Agrarflieger in Jabel bei Malchow so weit sein. Der Flugzeugführer der Antonowitsch 2 (AN 2) konnte wegen des starken Windes nicht abheben, so dass sich sein Ersatz-Pilot Manfred L. bereit erklärte, den Doppeldecker zu bewachen, während der Pilot mit dem Mechaniker nach Anklam fuhr.

Nachdem seine Kollegen aufgebrochen waren, startete Manfred L. die Maschine und hob gegen 9 Uhr mit 600 Litern Benzin im Tank ab – Richtung Bundesrepublik. Da er auf Baumwipfelhöhe flog, bewegte er sich unter dem Radar der NVA-Flugsicherung. Erst bei Wittstock fiel einem anderen Agrarflieger vom Boden aus die tief fliegende AN 2 auf.

Zu spät. Nach dem 90 Kilometer langen Weg bis zur Grenze und der Überquerung der Elbe flog L. noch etwa 50 Kilometer weiter, um schließlich trotz des böigen Windes ohne größere Probleme auf einem Acker bei Hanstedt am Rand der Lüneburger Heide zu landen.

48 Menschen flüchteten aus der DDR über den Luftweg

Auf Manfred L. sollten weitere acht Agrarflieger folgen, die mit ihrem Flugzeug illegal „rübermachten”, wie Claus Gerhard für seinen Band „Der überwachte Himmel“ recherchiert hat. Neben den Agrarfliegern gab es drei gelungene Fluchten mit Segelflugzeugen der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), mit Ballons (2), GST-Motorflugzeugen (8) sowie einem NVA-Flieger. 48 Menschen verließen auf dem illegalen Luftweg die DDR.

Kein Wunder, dass nach jeder Flucht hektisches Treiben bei der Stasi, der DDR-Interflug, in deren Regie die Agrarflieger lagen, der GST (Gesellschaft für Sport und Technik), der Volkspolizei und den SED-Funktionären vor Ort herrschte, zumal über diese Art der Republikflucht immer auch genüsslich in den Westmedien berichtet wurde. Mithilfe Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi wurden die Familie, Bekannte, Arbeitskollegen und eventuelle „Westkontakte“ der Geflohenen durchleuchtet, um die Frage zu klären, warum die Menschen der DDR den Rücken kehrten.

Claus Gerhard hat jahrelang zum Thema Flugzeug-Fluchten aus der DDR recherchiert. Sein Buch „Der überwachte Himmel” zählt mehr als 720 Seiten. Mehr dazu lesen Sie in diesem Beitrag auf Nordkurier Plus.

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