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Mobbing - Frank H. äußert sich zum ersten Mal

Der Direktor des Landeskriminalamtes, Ingolf Mager, präsentiert regelmäßig die Kriminalitätsstatistik. Foto: Grit Büttner
Der Direktor des Landeskriminalamtes, Ingolf Mager, präsentiert regelmäßig die Kriminalitätsstatistik. Foto: Grit Büttner
Grit Büttner

Der Statistikexperte und Kriminalwissenschaftler erhebt schwere Vorwürfe gegen das Landeskriminalamt. Er habe mit unwissenschaftlichen Methoden arbeiten sollen, um die Entwicklung der Kriminalität vorhersagen zu können.

Der Mobbing-Fall im Landeskriminalamt (LKA) hat nach Ansicht des Opfers sein Leben ruiniert: Sein Einkommen, seine berufliche Stellung, sein Leben sei vernichtet, sagte Frank H. jetzt gegenüber unserer Redaktion. Der Ex-Statistik-Experte hatte sich erfolgreich vor Gericht gegen Mobbing durch den heutigen LKA-Direktor, Ingolf Mager, und dessen Vorgänger Ingmar Weitemeier gewehrt. Das Land wurde daraufhin verurteilt, eine Entschädigung zu zahlen.

Wie sich nun herausstellt, war auch noch der heutige Verfassungsschutz-Chef im Innenministerium, Reinhard Müller, an der Auseinandersetzung mit Frank H. beteiligt. In einem Leserbrief der Fachzeitschrift "Der Kriminalist" bescheinigt Müller Frank H. dort die „Außerachtlassung der Gesamtzusammenhänge aufgrund eines falschen Grundverständnisses“.

Frank H. sollte die Kriminalitätsentwicklung vorhersagen

Auslöser war ein schon seit Jahren andauernder Streit um Zielvereinbarungen für die Polizei. Der Statistik-Experte, Jurist und Kriminalwissenschaftler sollte nach eigenen Aussagen dazu verpflichtet werden, die Entwicklung der Kriminalität im Lande „vorherzusagen“ – mit einer so genannten Kriminalitätsprognose. Grundlage dafür sollten die Zielvereinbarungen mit einzelnen Dienststellen sein: Jede Polizeidirektion solle nur eine bestimmte Zahl von Delikten erreichen. Darüber hinaus dürfe es nicht gehen, sagt Frank H. Als Basis für die Kriminalitätsprognose habe dieses Prozedere aber keinesfalls getaugt. Er habe das als unwissenschaftlich abgelehnt - und sei deswegen dem Mobbing ausgesetzt gewesen.

Hintergrund der bemerkenswerten Forderung der Chefetage war offenbar der beabsichtigte Personalabbau bei der Polizei. Mit einer positiven Kriminalitätsprognose hätte man gut dafür argumentieren können, heißt es aus Sicherheitskreisen.

Offen bleibt bislang, ob das Mobbing-Urteil aus dem Jahr 2011 zu disziplinarischen Konsequenzen geführt hat: „Zu Personalangelegenheiten gibt das Innenministerium grundsätzlich keine Auskunft“,  so eine Sprecherin des von Lorenz Caffier (CDU) geführten Ressorts. Konsequenzen anderer Art habe es nicht gegeben, räumte sie ein.

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