Gefährliche Raser
Motocrossfahrer im Wald werden zum Ärgernis

Dieses Bild zeigt ein legales Rennen auf einer Motocross-Strecke. Zum Leidwesen von Waldbesitzern und Naturschützern brettern aber einige Fahrer illegalerweise durchs Gelände. 
Dieses Bild zeigt ein legales Rennen auf einer Motocross-Strecke. Zum Leidwesen von Waldbesitzern und Naturschützern brettern aber einige Fahrer illegalerweise durchs Gelände.
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Sie brettern mit Helm und ohne Nummernschild durch den Wald im Nordosten. Motocrossfahrer bringen Waldbesitzer, Naturschützer und Behörden auf die Palme.

Die wilde Verfolgungsjagd im Wald endete für einen Motocrossfahrer beinahe tödlich. Ende April raste ein Geländewagenfahrer im Kreis Ludwigslust-Parchim in MV zwei Männern hinterher, die mit ihren geländetauglichen Motorrädern trotz Verbot im Wald unterwegs waren. Doch statt sie – wie offenbar beabsichtigt – zum Anhalten zu bewegen und zur Rede zu stellen, überfuhr der 56-jährige Mann einen der Biker. Der 38-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung. 

Der Unfall im Wald ist in der Region bislang trauriger Höhepunkt: Waldbesitzer und Naturliebhaber im Nordosten klagen schon seit Längerem über Motocrossfahrer, die mit ihren Maschinen durch Wald und Flur donnern. Wer erwischt wird, kann mit hohen Geldbußen Euro belangt werden. Doch die Fahrer lassen sich nur schwer identifizieren und zur Rechenschaft ziehen, da sie mit Helm unterwegs sind und Crossmaschinen keine Nummernschilder haben oder diese unkenntlich gemacht werden.

Quadfahrer im Watt erwischt

Polizei und Förster im Nordosten gehen jetzt härter gegen Motocross- und Quadfahrer auf und abseits von Waldwegen vor – etwa auf dem ehemaligen Brandenburger Truppenübungsplatz Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming), der heute Teil eines Naturschutzgebietes ist. Durch die Fahrzeuge werden die gesetzlich geschützten Lebensräume seltener Arten immer wieder gefährdet oder sogar zerstört, wie die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg mitteilte.

In Mecklenburg gibt es ebenfalls zum teil massive Probleme -  mit zunehmender Tendenz und vermehrt an Wochenenden, wie das Umweltministerium dem Nordkurier mitteilte. Das Aufkommen sei allerdings regional unterschiedlich und immer abhängig vom Verfolgungsdruck durch die zuständigen Behörden. Die Fahrten finden sowohl auf Waldwegen als auch quer durchs Gelände statt, im Bereich des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft wurde sogar ein Quadfahrer im sogenannten Windwatt aufgebracht.

Rüpel-Fahrer drohen mit Schlägen

Beim Waldbesitzerverband für Mecklenburg-Vorpommern hat man ebenfalls seine leidvollen Erfahrungen mit Motocross- und Quadfahrern im Wald. Diese seien „absolut” ein Problem, sagte der Vize-Vorsitzende Karl-Joachim Baron von Brandenstein dem Nordkurier. Ab und an gelinge es, die Fahrer zum Anhalten und noch seltener zum Abnehmen des Helms zu bewegen. Dann reagierten aber einige ruppig. „Es ist mir nicht nur einmal passiert, dass mir Schläge angedroht wurden.”

Dennoch hält der Waldbesitzer aus Friedland-Hohenstein nur wenig von der Verhängung von Bußgeldern, sondern möchte mehr auf Dialog setzen. „Ich würde es begrüßen, wenn man sich erstmal auf ein Gespräch trifft und nicht gleich ein Ticket verhängt.” Vielmehr will von Brandenstein den Bikern zunächst mal erklären, welche Schäden sie mit ihrem Tun im Wald anrichten.

Waldbesitzer wollen Dialog suchen

„Verständnis bringt mehr als Strafe”, ist von Brandenstein überzeugt. Als Ausweichmöglichkeiten für die Fahrer schweben ihm etwa Kiesgruben oder ausgewiesene Strecken vor. Der Regionalverband Motocross Mecklenburg-Vorpommern, der sich für den Sport auf regulären Strecken einsetzt, war für den Nordkurier trotz mehrmaliger Nachfrage nicht zu erreichen.

Wer erwischt wird, muss blechen. Die Bußgeldhöhen können in MV nach dem Naturschutzausführungsgesetz bis zu 5000 Euro betragen, bei Beschädigung geschützter Biotope sogar bis 100 000 Euro. Auch besteht die Möglichkeit, die Maschinen einzuziehen. Dieses Schicksal ereilte einen im Müritz-Nationalpark gestellten Fahrer. Ihm gelang zwar die Flucht, aber sein Motorrad musste er zurücklassen.