BUNDESVORSITZ

MV-AfD im Flügelkampf um Höcke gespalten

Der AfD-Landesvorsitzende will sich nicht klar bekennen, sein bisheriger Co-Chef schon. Der Streit um die Galionsfigur Björn Höcke zeigt auch die Zerrissenheit der Nordost-AfD.
Uwe Reißenweber Uwe Reißenweber
Sollte Björn Höcke, Vorsitzender der AfD in Thüringen, auch für den Bundesvorsitz seiner Partei kandidieren? Die Mei
Sollte Björn Höcke, Vorsitzender der AfD in Thüringen, auch für den Bundesvorsitz seiner Partei kandidieren? Die Meinungen in der Partei gehen da auseinander. Sebastian Kahnert
Schwerin.

AfD-Landeschef Leif-Erik Holm hat sich nicht der Forderung nach einer Kandidatur Björn Höckes für den Bundesvorsitz seiner Partei angeschlossen. Holm vermied ein klares Bekenntnis für oder gegen den als Rechtsaußen geltenden Höcke: „Ob jemand für den Bundesvorsitz kandidiert, muss jeder für sich selbst entscheiden“, sagte Holm am Montag dem Nordkurier.

Sein bisheriger Co-Vorsitzender Dennis Augustin legte sich hingegen fest: „Ich werde ihn mit ganzer Kraft unterstützen, denn ich halte Björn Höcke für einen der fähigsten Politiker, den die AfD derzeit hat.“ Die Entscheidung, ob jetzt schon der Zeitpunkt für eine Kandidatur Höckes gekommen sei, werde dieser aber selbst treffen.

Augustin war vor wenigen Tagen auch mit der Stimme Holms aus der Partei ausgeschlossen worden, klagt aber dagegen beim Landesschiedsgericht. Augustin wird vorgeworfen, seine mutmaßlich rechtsextreme Vergangenheit vor 30 Jahren verschwiegen zu haben.

AfD-Politiker für Kandidatur Höckes

Am Wochenende hatten sich mehrere prominente AfD-Politiker für eine Kandidatur Höckes ausgesprochen. Zugleich machten sie damit die Erwartung deutlich, dass so die Machtverhältnisse geklärt werden – allerdings nicht zu Gunsten Höckes, der als Galionsfigur des völkisch-nationalen „Flügels“ innerhalb der AfD gilt.

Unter anderem sagte der baden-württembergische Landesparteichef Bernd Gögel: „Ich fände es gut, wenn er antritt.“ Die Ergebnisse wären von allen Seiten zu akzeptieren, führte Gögel aus, der vor wenigen Tagen betont hatte, dass er die „rechten Hardliner um Höcke“ für eine existenzielle Bedrohung für die AfD halte.

„Personenkult“ um Höcke kritisiert

Höcke hatte vor einer Woche mit einer Kampfansage an den Bundesvorstand den Zorn vieler AfD-Politiker auf sich gezogen. Mehr als 100 Funktionäre und Mandatsträger kritisierten daraufhin in einem Appell „für eine geeinte und starke AfD“ einen „Personenkult“ um Höcke. Holm hat diesen Apell nach eigenen Aussagen nicht unterschrieben. Dafür hatte etwa die Neubrandenburger Bundestagsabgeordnete Ulrike Schielke-Ziesing unterschrieben.

Laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“, gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass mehr als 40 Prozent der AfD-Mitglieder im Ostdeutschland Anhänger des „Flügels“ sind. Im Westen sei die Zahl niedriger, aber wie im Osten mit wachsender Tendenz, berichtete die Zeitung unter Berufung auf interne Analysen der Sicherheitsbehörden.

Für den Landesverband M-V relativierte Holm das: „Ich weiß es nicht, ich glaube, es ist weniger, vielleicht ein Viertel bis ein Drittel.“ Holm widersprach der Annahme, bei „Flügel“-Mitgliedern handele es sich um Rechtsextreme: „Das ist falsch. Da gibt es sehr, sehr vernünftige Leute, gerade hier im Land. Es gibt aber ein paar Verbohrte und Verrückte, von denen wir uns auch trennen müssen.“

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