Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach gerät wegen der Kita-Schließungen unter politischen Beschuss, etwa durch MV-Bildungsministerin Simone Oldenburg Carsten Koall / Wolfgang Kumm
Kita-Schließungen

MV-Bildungsministerin attackiert Lauterbachs Corona-Politik

Der Bundesgesundheitsminister selbst hat es offiziell verkündet: Die Kita-Schließungen in der Corona-Pandemie waren falsch. Aus MV folgt prompt Kritik.
Schwerin

Die vom Bundesfamilien- und vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie kommt lange nach den harten Corona-Maßnahmen, aber mit einem klaren Ergebnis: Die Kitas waren in der Corona-Pandemie kein Infektionstreiber! Karl Lauterbach, über weite Teile einer der größten Hardliner hinsichtlich von Schul- und Kitaschließungen, gerät nun für seine strenge und wenig kompromissbereite Corona-Politik unter politischen Beschuss.

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Beispielsweise vom Bildungsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Dessen Chefin Simone Oldenburg (Linke) sagte auf Nordkurier-Anfrage unmissverständlich: „Die Feststellung von Herrn Lauterbach kommt leider zu spät, war er es doch, der die Schließungen mitzuverantworten hatte.”

„Maßnahmen, die der Entwicklung der Kinder geschadet haben”

Entlastend für Lauterbach wirke allerdings, dass die Entscheidung, die Kitas zu schließen, in einer Zeit getroffen worden sei, als niemand Erfahrungen im Umgang mit einer Pandemie hatte und in der es noch keinen Impfstoff gegeben habe. Oldenburg machte aber auch deutlich, dass die Kitas in MV von einer völligen Schließung während des Lockdowns nicht betroffen gewesen seien.

Selbst bei inzidenzbasierten Einschränkungen während des Lockdowns war in MV noch eine Notbetreuung der Kinder gewährleistet, deren Eltern in systemrelevanten Bereichen des öffentlichen Lebens arbeiteten. Dabei habe der Anteil der in den Kitas betreuten Kinder bei mindestens 30 Prozent gelegen, so die Bildungsministerin.

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„Eines steht fest: Ob Kita-Schließung, Schulschließung oder das Verbot, Spielplätze zu nutzen – das sind Maßnahmen, die der Entwicklung der Kinder geschadet haben. Es gilt alles daran zu setzen, dass das in Zukunft nie wieder geschieht”, stellte Oldenburg fest.

Rückkehr zu Regelbetrieb in MV

Das Sozial- und Gesundheitsministerium in Schwerin wies gegenüber dem Nordkurier darauf hin, dass die Öffnung von Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen für die Landesregierung nach dem ersten Lockdown im März 2020 höchste Priorität gehabt hätte. „Bereits zum 1. August 2020 war daher in der Kindertagesförderung der Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen eingeführt worden”, betonte ein Sprecher von Ministerin Stefanie Drese (SPD).

Seit dieser Zeit seien die Kitas grundsätzlich geöffnet gewesen – „mit Einschränkungen etwa durch die Schutzphase von Mitte Dezember 2020 bis Mitte Februar 2021”. Dies sei bereits zur damaligen Zeit mit der Erkenntnis geschehen, dass Kitas einen unverzichtbaren Beitrag zum Kindeswohl und zum Kinderschutz leisteten, der auch unter den besonderen Bedingungen der Pandemie zu gewährleisten sei.

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