KOMMENTAR

MV-CDU startet unfreiwillig in den Wahlkampf

Die CDU setzt im Wahlkampf auf Michael Sack. Er soll Manuela Schwesig aus der Staatskanzlei drängen. Dass es tatsächlich so kommt, daran dürften selbst in seiner Partei nur wenige glauben.
Michael Sack, der neue Landesvorsitzende der CDU Mecklenburg-Vorpommern. Ihm wird zwar viel zugetraut, er hatte aber bislang k
Michael Sack, der neue Landesvorsitzende der CDU Mecklenburg-Vorpommern. Ihm wird zwar viel zugetraut, er hatte aber bislang kaum Auftritte auf der großen politischen Bühne. Jens Büttner
Güstrow.

Früher als ihr lieb sein kann, hat die CDU den Wahlkampf in MV eröffnen müssen. Der neue Landesvorsitzende Michael Sack will auch als Spitzenkandidat gegen Manuela Schwesig antreten. Dass der vorpommersche Landrat sich so entscheidet, war inzwischen keine Überraschung mehr.

Seine Partei war zuletzt von Krisen um Führungspersonen erschüttert worden. Nun muss mit Sack ein Mann aus der zweiten Reihe ans Ruder, dem zwar viel zugetraut wird, der aber bislang kaum Auftritte auf der großen politischen Bühne hatte.

Die Schwäche der anderen

Dass er nun zur Lichtgestalt werden soll, hat auch mit der Schwäche seiner innerparteilichen Konkurrenz zu tun. Nach der Schlappe bei der Landtagswahl 2016 wurde der Generationenwechsel in der Partei nur sehr vorsichtig eingeläutet. Auf den prestigeträchtigen Ministerposten und als Schwergewicht im Bundestag blieben mit Lorenz Caffier, Harry Glawe und Eckhardt Rehberg drei Männer sitzen, die ihre besten politischen Tage hinter sich haben. Die Hoffnungsträger Vincent Kokert und Philipp Amthor sind zumindest vorerst untergegangen. Und sonst? Blieb dann eben noch Michael Sack.

Lässt die CDU ihn jetzt schon im Stich?

Der wird sicher einen engagierten Wahlkampf führen. Doch hat er echte Chancen? Kaum. Ob der Parteitag mit tosendem Beifall und fast 95 Prozent Zustimmung für Michael Sack mehr waren als ein Strohfeuer, muss die CDU erst zeigen. Die Euphorie um den Neuen wirkte in den vergangenen Wochen überschaubar. Sack versuchte sich zu Ferienbeginn an landespolitischen Themen – etwa mit Kritik am Schulkonzept des SPD-Bildungsministeriums. Statt dem damals noch designierten Vorsitzenden zur Seite zu springen, verabschiedeten sich die anderen Funktionsträger der Partei in den Sommerurlaub. Nichts zu hören, nichts zu sehen. In diesem Zustand ist die Partei zu politischen Kampagnen kaum in der Lage.

Franz-Robert Liskow – CDU-Chef in Sacks Heimatkreis Vorpommern-Greifswald – hob den Parteifreund zwar aufs Kandidatenschild, sorgte aber auch umgehend dafür, dass er selbst den einzig sicheren CDU-Wahlkreis in der Region behalten darf, bevor ein neuer Vorsitzender (der in eben jenem Wahlkreis lebt und lange Bürgermeister war) ihm dort gefährlich werden könnte. Auf das Experiment Sack, so scheint es, will man sich selbst in der eigenen Partei kaum einlassen. Es besteht die Gefahr, dass hier ein Politiker mit Talent von der eigenen Partei im Stich gelassen wird. Und das, bevor er sein Amt richtig angetreten hat.

Keine echte Machtoption

Und im Duell mit Manuela Schwesig? Da sind die Waffen ungleich. Rhetorisch sind beide keine Überflieger, punkten eher im direkten Gespräch mit Menschen. Doch Schwesig ist in MV und darüber hinaus bekannt, wird sich noch über Monate als Corona-Krisen-Managerin inszenieren können, hat den traditionellen Amtsbonus und eine SPD hinter sich, in der sie praktisch alle Gegner und Konkurrenten kaltgestellt oder umgarnt hat.

Hinzu kommt: Sack fehlt es an Machtoptionen. Selbst wenn die CDU stärkste Kraft wird, kann sich die SPD immer noch neue Koalitionspartner bei den Linken und vielleicht auch den Grünen suchen, um Schwesig im Amt zu halten. Eine Koalition zwischen CDU und AfD wird alleine schon die Bundespartei verhindern wollen – und Sack macht bislang auch nicht den Eindruck, dass er mit der Protest-Partei sympathisiert.

Fragt sich also, ob die CDU in gut einem Jahr schon wieder einen neuen Chef sucht.

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Kommentare (3)

Das ist ihre ganz persönliche Meinung. Die meisten Menschen im Land sehen das ganz, ganz anders. Sie sollte sich besser um Ihr Familie kümmern, ist für alle besser.

"Sack macht bislang auch nicht den Eindruck, dass er mit der Protest-Partei sympathisiert" Wenn der Herr Sack und die MV-CDU sich mit der AfD zusammenrauft bzw. gemeinsame Polit-Punkte findet, wäre es eine Regierungs- und Mehrheitsoption für MV. Solange sich die CDU und die neue CDU Führung politisch kategorisch nach rechts abgeschott, vertritt diese Partei weiter die linken Positionen der Bundes-CDU. Wg, den Merkel-Klatschhasen, bleibt diese Partei / Parteiführung dann auch unwählbar auf Jahrzehnte hin hinaus!

wird der neue Ministerpräsident. Zeit für einen aus Pommern.