BITTE RECHT FREUNDLICH

MV für bundesweiten Tourismus geöffnet

Bei windigem Wetter und 60-prozentiger Kraft hat zu Pfingsten die Tourismussaison in MV begonnen. Die Obergrenze für die Hotelbelegung sorgt weiter für Verdruss, aber wenigstens gab es keine Staus bei der Anreise.
dpa
Am Alten Strom in Warnemünde war es am Samstag voll. Urlauber und Tagesgäste, die nicht aus MV kommen, dürfen s
Am Alten Strom in Warnemünde war es am Samstag voll. Urlauber und Tagesgäste, die nicht aus MV kommen, dürfen seit dem 25. Mai wieder ins Land. Jens Büttner
In Warnemünde waren zahlreiche Urlauber und Tagesgäste am Ostseestrand unterwegs.
In Warnemünde waren zahlreiche Urlauber und Tagesgäste am Ostseestrand unterwegs. Jens Büttner
Urlauber genossen am Samstag das Sonnenwetter am Ostseestrand vor der Seebrücke in Albeck auf der Insel Usedom.
Urlauber genossen am Samstag das Sonnenwetter am Ostseestrand vor der Seebrücke in Albeck auf der Insel Usedom. Stefan Sauer
Rostock.

Volle Promenaden, gut gebuchte Hotels und eine Kampagne für mehr Freundlichkeit der Einheimischen: Mecklenburg-Vorpommern ist am Samstag aufgrund der Corona-Pandemie verspätet und mit Einschränkungen in die Tourismussaison gestartet. Weil die Hotels nur 60 Prozent ihrer Betten belegen dürfen, hielt sich der Andrang auf den Zufahrtsstraßen in Grenzen. Die Polizei berichtete am Samstag von ruhigem Reiseverkehr ohne Staus und Zwischenfälle.

Erste Ferienflieger landeten in Heringsdorf und Rostock-Laage

In Heringsdorf und Rostock-Laage landeten die ersten Ferienflieger aus Frankfurt/Main und München. Die Bahn stellte zusätzliche Züge zwischen Berlin und Stralsund zur Verfügung, auch damit der Hygiene-Abstand in den Wagen besser eingehalten werden kann.

In den touristischen Hotspots vor allem an der Küste herrschte am Samstag reges Treiben. Bei teilweise kühlem, windigem Wetter spazierten die Gäste, radelten – und seien froh, dass sie wieder an die Ostsee könnten, sagte eine Mitarbeiterin der Kurverwaltung in Binz auf Rügen. Ins Meer trauten sich angesichts von 13 Grad Wassertemperatur aber nur einige ganz Mutige. Gefragt seien die Strandkörbe.

Kampagne für mehr Freundlichkeit gegenüber Urlaubern

In Warnemünde startete der Landestourismusverband eine Kampagne für ein besseres Klima für den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Zum Auftakt der Kampagne „Wir sind Urlaubsland” wurde am Hotel Neptun ein 40 mal 40 Meter großes Banner präsentiert. Es zeigt zwei junge Menschen, die mit ihren Händen ein Herz formen. Der Spruch „Sei dabei. Zeig Herz.” wendet sich an die Einwohner des Landes.

Der Hintergrund: Mitte März waren die Hotels und Campingplätze in MV wegen der Corona-Krise für Urlauber gesperrt worden. Touristen von außerhalb durften bis zum 25. Mai nicht nach Mecklenburg-Vorpommern reisen. Mancherorts kam es in dieser Zeit zu unschönen Szenen: Autos mit auswärtigen Kennzeichen wurden beschädigt, Menschen angefeindet. „Auch wenn unfreundliche Gastgeber Ausnahmeerscheinungen waren, so haben sie doch die Wahrnehmung deutlich mitgeprägt und Vertrauen zerstört”, räumte das für den Tourismus zuständige Wirtschaftsministerium ein.

Die Kampagne soll im Juni laufen und dem Ministerium zufolge in eine mehrjährige Initiative zur Förderung des Tourismusbewusstseins münden. Neben dem Banner in Rostock-Warnemünde sind große Anzeigen in Tageszeitungen sowie Aktionen mit Einzelhändlern, Schulen und Kindergärten geplant. Ziel sei es, das Vertrauen in den Tourismus wiederherzustellen und zu stärken und auf dessen Beitrag zur Lebensqualität der Menschen aufmerksam zu machen. Jeder fünfte Arbeitsplatz im Nordosten hänge am Tourismus, rief Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) ins Gedächtnis.

An 60-Prozent-Grenze wird womöglich bis Mitte Juni festgehalten

Unterdessen trat aus Protest gegen die Begrenzung der Bettenbelegung das Hotel The Grand in Ahrenshoop aus dem Branchenverband Dehoga aus. Das Hotel war gegen die vom Land verhängte 60-Prozent-Grenze vor das Oberverwaltungsgericht in Greifswald gezogen und hatte dort verloren. Vom Dehoga fühlt das Hotel seine Interessen ungenügend vertreten. Der Verband habe die Quote als Gewinn akzeptiert und keine erkennbaren Schritte veranlasst, um sie abzuwenden, erklärte Prokuristin Susann Plath in einer Pressemitteilung vom Samstag. „Wir haben uns von unserem Hotel- und Gaststättenverband in dieser Krise mehr erwartet.”

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in MV, Lars Schwarz, geht indessen davon aus, dass die 60-Prozent-Obergrenze Mitte Juni fällt. Es gebe die klare Zusage von der Landesregierung, dass 14 Tage nach Pfingsten – nachdem die Gäste aus ganz Deutschland kommen dürfen – eine Entscheidung getroffen werde, hatte Schwarz erklärt. Auch Staatskanzleichef Heiko Geue (SPD) machte am Samstag in Warnemünde Hoffnung auf einen Fall der 60-Prozent-Quote Mitte Juni, wenn die Corona-Zahlen gering bleiben.

Wie der Geschäftsführer des Tourismusverbands Mecklenburgische Seenplatte, Bert Balke, sagte, sind die Gäste durchweg positiv gestimmt. „Die geltenden Bestimmungen werden unaufgefordert eingehalten.” Statt möglicher Enttäuschung über eingeschränkte Angebote gebe es eine „hohe Urlaubsvorfreude”. Balke fügte hinzu: „In der Seenplatte sind zu Pfingsten noch Zimmer frei.”

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Kommentare (3)

"Zum Auftakt der Kampagne „Wir sind Urlaubsland” wurde am Hotel Neptun ein 40 mal 40 Meter großes Banner präsentiert. Es zeigt zwei junge Menschen, die mit ihren Händen ein Herz formen. Der Spruch „Sei dabei. Zeig Herz.” wendet sich an die Einwohner des Landes."
Laut tönt die Landeshymne für MV aus großen Lautsprechern über die Promenade und lebensgroße Kasperköpfe der LR MV wackeln im Takt dazu. Das zusammen wäre stimmig.

Fluch und Segen ist das Wort des Tages. Segen in sofern, das die Geschäftsleute wieder eine Perspektive haben, Fluch wegen der Überbeanspruchung der Ostseeküste durch überbordenden Tourismus in Coronazeiten.
Zudem der immer mehr zunehmende Egoismus vieler Urlauber, nach dem Motto, ich habe bezahlt, also darf ich alles. Verkehrsregeln für Autofahrer und Radfahrer gelten hier nicht. Als Radfahrer bist du ein Verkehrshindernis, welches nichts auf der Straße zu suchen hat. Da gehörts du auf den Randstreifen. Die Geschäfte sind kaum in der Lage die Coronauflagen einzuhalten, wegen der Unvernunft und teilweise Unverschämtheit vieler Urlauber. Schlangen bis auf die Straßen hinaus, natürlich ohne Abstand. Und zu dem keine Kontrollen der Maßnahmen. Manche Orte sind hier rechtsfreier Raum, in dem jeder macht was er will. Urlaubsgebiet! Ne, wer die Wahl hat, fährt in dieser Krise nicht an die Ostsee, sondern bleibt lokal in seiner Region.

Es ist richtig das die Wirtschaftskraft in MV von Tourismus abhängt, aber geht die Wirtschaftskraft nun über die Vernunft? Ich habe es begrüßt, das die Landesregierung schnell und konsequent am Anfang die Bremse zog und konsequent durchsetzte. Dafür habe ich sie bewundert und sie bekam meine Stimme und Sympathie. Was jetzt allerdings abgeht ist nicht in meinem Sinn, eher kontraproduktiv. Seit Jahren ist bekannt, das die Tourismusbeanspruchung der Ostseeküste, speziell Usedom, an seine Grenzen kam. Sei es verkehrstechnisch (nur eine Bundesstraße auf der Insel), sei es Infrastruktur insgesamt. Alles hoffnungslos überlastet in der Urlaubszeit. Und nun auch noch eine teure Werbekampange. Was soll das? Als Einheimischer Steuerzahler und Bürger diese Landes bleibt mir bald nur noch der Wegzug on ein anderes Bundesland oder eine andere Gegend. Das Ende der Fahnenstange ist an der Ostseeküste definitiv erreicht.