EINKOMMEN

MV hat die wenigsten Vollverdiener Deutschlands

In Mecklenburg-Vorpommern lebt weniger als die Hälfte der Bürger von einem Arbeitseinkommen. Wie kann das sein? Haben wir nicht bis zur Corona-Krise einen Jobboom erlebt und litten eher unter Fachkräftemangel?
In Mecklenburg-Vorpommern gab es in den letzten Jahren immer weniger Arbeitslose, trotzdem stieg die Zahl der Bürger, die
In Mecklenburg-Vorpommern gab es in den letzten Jahren immer weniger Arbeitslose, trotzdem stieg die Zahl der Bürger, die von ihrer Arbeit leben können, nicht proportional an. Daniel Reinhardt
Neubrandenburg.

Weniger als die Hälfte der Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns geht einer Tätigkeit nach, mit der sie ihren Lebensunterhalt verdient. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, denen der Mikrozensus aus dem Jahr 2018 zugrunde liegt. In MV gaben demnach lediglich 43,6 Prozent der Bevölkerung ihre Arbeit als Hauptquelle ihres Lebensunterhaltes an.

Zudem gibt es im Nordosten mit 29,9 Prozent mehr Rentner als in jedem anderen Land der Republik. 8,2 Prozent der Bevölkerung leben von öffentlichen Leistungen wie Hartz IV oder Sozialgeld und 18 Prozent bestreiten ihren Lebensunterhalt vom Einkommen von Familienangehörigen, also von den Eltern, Kindern oder dem Partner. Der Anteil der Bevölkerung, der von seinem Privatvermögen lebt, kann demnach bei maximal 0,3 Prozent liegen.

Firmen melden offene Stellen erst gar nicht mehr

Diese Zahlen sind durchaus überraschend. Denn in den vergangenen Jahren erlebte das Land einen Jobboom: Die Arbeitslosigkeit sank kontinuierlich, während die Zahl der ausgeschriebenen Stellen zunahm. In vielen Bereichen war nicht nicht mehr die Arbeitslosigkeit, sondern der Fachkräftemangel problematisch: Vor allem in der Gastronomie und der Pflege, aber auch im Einzelhandel und produzierenden Gewerbe beklagten die Unternehmen, dass nicht genug Arbeitskräfte zur Verfügung stünden.

Nach Nordkurier-Informationen melden viele Firmen mittlerweile gar keine offenen Stellen mehr an die Arbeitsagentur, weil sie die Hoffnung verloren haben, ihren Bedarf decken zu können. Das Paradoxe dabei: Zwischen 2000 und 2018 sank die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern von 17,8 auf 7,9 Prozent. In derselben Zeit stieg die Zahl der Einwohner, die ihren Lebensunterhalt durch Arbeit bestreiten, aber nur um rund zwei Prozent. Wo ist also der Rest hin?

Statistik spiegelt die Realität nicht wider

Hier zeigt sich, dass die Statistik der stetig sinkenden Arbeitslosenzahlen eine Schattenseite hat: Zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass viele „neue Arbeitnehmer” nicht von ihrer Arbeit leben können. Die Arbeitslosenstatistik führt nämlich nur Bürger, die sich aktiv um eine Arbeit von mindestens 15 Stunden pro Woche bemühen. Damit fallen Teilzeitjobs, Arbeitsstellen im saisonalen Gewerbe oder viele Beschäftigungen im Niedriglohnsektor aus der Statistik heraus.

Auch Arbeitslose, die älter sind als 58 und schon länger nicht gearbeitet haben, werden nicht mitgezählt. Diese Fälle tauchen aber an einer anderen Stelle wieder auf: nämlich in der Statistik, die auswertet, aus welchen Haupteinnahmequellen Bürger ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und hier werden sie eben nicht als Vollverdiener gezählt, weil hauptsächlich der Staat oder ein Familienangehöriger für ihre Lebenshaltungskosten aufkommt.

Viele prekäre Beschäftigungen in MV

Diese Entwicklung trifft den Nordosten besonders hart, bundesweit sieht es nämlich ganz anders aus: Die Zahl der Bürger, die von ihrer Arbeit lebten, stieg von 41 Prozent im Jahr 2000 auf 46,5 Prozent im Jahr 2018.

Gleichzeitig fiel die Arbeitslosenquote von 10,7 auf 5,8 Prozent. Demnach stieg deutschlandweit der Anteil der Vollverdiener in etwa im korrekten Verhältnis zur sinkenden Arbeitslosenzahl. Daraus folgt: In Mecklenburg-Vorpommern ist der Anteil der Arbeitnehmer in prekären Beschäftigungsverhältnissen besonders hoch.

Der Osten ist emanzipierter

Es gibt aber auch erfreuliche Nachrichten: Denn mit nur 18 Prozent hat MV eine der niedrigsten Quoten an Bürgern, die von ihren Angehörigen abhängig sind, also von den Einkommen ihrer Eltern, Kinder oder vor allem Partner leben. Hier schneiden nur die drei ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt (16,2), Sachsen (17,6) und Thüringen (17,7) besser ab. Im Westen sind durchschnittlich 25,5 Prozent der Menschen finanziell von einem Familienangehörigen abhängig. Das deutet darauf hin, dass die Zahl der Frauen, die einer Vollbeschäftigung nachgehen, in den neuen Bundesländern deutlich höher ist als in den alten. Der Osten leistet somit den Löwenanteil an der weiblichen Emanzipation der Bundesrepublik.

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Kommentare (1)

Das Paradoxe dabei: Zwischen 2000 und 2018 sank die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern von 17,8 auf 7,9 Prozent. In derselben Zeit stieg die Zahl der Einwohner, die ihren Lebensunterhalt durch Arbeit bestreiten, aber nur um rund zwei Prozent. Wo ist also der Rest hin? Antwort der Rest ist in Rente , sowie in Harz 4 und von da in Rente . Wer zwei Statistiken vergleicht wie Gesamtbevölkerung mit der Arbeitslosenstatistik ( wo auch noch Teilzeitjobs, Arbeitsstellen im saisonalen Gewerbe und viele Beschäftigungen im Niedriglohnsektor sowie alle Bürger die sich unter 15 Std in der Woche um Arbeit bemühen ) aus der Statistik herausrechnet werden . Vergleicht doch Äpfel mit Birnen ! Was heißt Vollarbeit in Euro ? ein Vorstand der AWO bei 150T€ Jahresverdienst leistet mit 12500€ je Monat die Vollarbeit von 10 Fachkräften aus dem Hotel und Gastgewerbe mit 1250€ . Mecklenburg hat Deutschlandweit den geringsten Bruttomonatsverdienst dafür aber die höchsten Stromkosten . Der Statistik ist es egal , aber den Menschen in Meck Pom nicht . Die Vorstandsgehälter werden nicht mal offengelegt , obwohl vorgeschrieben ? Tarif zahlen ist auch nicht so wichtig ? Wer nach Fachkräften sucht sollte die bitteschön ordentlich bezahlen . Tut er das nicht geht sein Betrieb eben mit Ansage den Bach runter . Oder erwarten die Firmen Steuergeschenke von den Leuten die nur 1250€ Brutto und weniger am Ende des Monats haben . Es ist eben ein Kreislauf , wer erwartet ohne Ende in die eigne Tasche wirtschaften zu können und den Anderen sowie Klima und Natur bis aus Blut ausbeutet hat die sogenannte Soziale Marktwirtschaft nicht verstanden und erntet eines Tages die Früchte der Statistik die Er selbst zu seinem Vorteil gefälscht hat .